Umsatz-Einbußen und schwere Image-Schäden: Lokführerstreik bremst Bahnhofsbuchhandel hart aus

 

Der Lokführerstreik war in dieser Woche nicht nur für die Bahnkunden eine Belastung. Auch der Zeitungs- und Zeitschriftenhandel in den Bahnhöfen leidet massiv unter Umsatzeinbußen. Der Kundenschwund reicht über den Streiktag hinaus.

Der neunte Lokführerstreik seit September des vergangenen Jahres war in dieser Woche nicht nur für die Bahnkunden eine Belastung. Auch der Zeitungs- und Zeitschriftenhandel in den Bahnhöfen leidet unter massiven Umsatzeinbußen. Der Kundenschwund reicht über den Streiktag hinaus. Bis zu 50 Prozent weniger Zeitungen und Zeitschriften wurden verkauft, sagten Händler kress.de.

Seit Donnerstag, 21. Mai, 19 Uhr, ist der Bahnstreik beendet und langsam aber sicher nähert sich die Deutsche Bahn dem Normalbetrieb - die meisten Züge fahren wieder. Bahnstreik, das bedeutet nicht nur für die Fahrgäste erhebliche Belastungen und für die Bahn tägliche Einnahmeausfälle in mehrstelliger Millionenhöhe. Auch die Bahnhofsbuchhandlungen haben unter dem Streik gelitten. Zwischen 30 und 50 Prozent ging der Umsatz mit Zeitungen und Zeitschriften an den Streiktagen im Durchschnitt bundesweit zurück, wobei die Verluste von Bahnhof zu Bahnhof und von Region zu Region verschieden waren. Im Osten, wo die Bahn Schwierigkeiten hatte, auch nur einen Notfahrplan aufrecht zu erhalten, war die Lage besonders schlimm.

"Ärger der Kunden hält länger an als der Streik"

Schmitt & Hahn ist die älteste Bahnhofsbuchhandlung Deutschlands: Die erste von heute 39 Filialen im gesamten Bundesgebiet eröffnete bereits 1854 in Heidelberg. Friedrich Hacker, gemeinsam mit Karl-Hans Schmitt Geschäftsführer des Unternehmens, sieht längerfristige Auswirkungen durch den Streik. Zu kress.de sagt er: "Pro Streiktag haben wir 25 bis 35 Prozent weniger Umsatz gemacht. Große Filialen, die mehr am Fernverkehr hängen, waren mehr betroffen. Auch nach dem Streik wird es nun Tage und Wochen dauern, bis wir wieder normal Umsätze haben, denn der Ärger der Kunden über die Bahn hält länger an als der Streik."

Keine Bahnkunden, kein Interesse an Zeitungen

200 Filialen besitzt die Unternehmensgruppe Dr. Eckert (Geschäftsführer Torsten Löffler, Aufsichtsratsvorsitzender: Dr. Adam-Claus Eckert). Sprecher Hansgert Eschweiler zeichnet gegenüber kress.de ein düsteres Bild des Streiks: "In den Gebieten in denen mehr gestreikt wurde wie im Osten, gingen die Umsätze bei den Zeitungen um 50 Prozent und mehr zurück. In Regionen mit vielen Beamten unter den Lokführern fuhren mehr Züge, aber da waren es auch immer noch 30 bis 40 Prozent Umsatzrückgang. Das Geld ist für immer verloren: Die Zeitung, die heute nicht gekauft wird, wird auch morgen nicht gekauft, das sind tatsächliche Umsatzverluste, die man nicht auffangen kann."

Er fügt hinzu: "Etwas weniger schlimm ist es bei den Magazinen, die ja in wöchentlichen, zweiwöchentlichen oder monatlichen Rhythmen erscheinen." Auch für Eschweiler sind mit dem Ende des Bahnstreiks die Probleme noch nicht vorbei: "Unsere Erfahrung aus den vergangenen Streiks ist, dass die Kunden erst einmal zur Bahn zurückfinden müssen. Viele haben sich Fahrgemeinschaften organisiert und nicht alle werden sofort wieder wechseln."

Valora-Chef Lars Bauer: "Image-Verlust eine Gefahr"

Mit 170 Filialen an Bahnhöfen und Flughäfen ist auch die Valora Retail aus Hamburg, was Streiks betrifft, leidgeprüft. Geschäftsführer Lars Bauer zieht nach neun Streiks ein tristes Resümee: "Die bisherigen Streiks haben sich insgesamt negativ auf die Frequenz und damit die Umsatzentwicklung ausgewirkt. Die Regionen im Osten sind dabei stärker betroffen als die im Westen Deutschlands, da dort weniger Lokführer Beamtenstatus haben und der Streik so mehr Zugausfälle nach sich zieht. Im Westen und dort vor allem in Regionen mit höherem Privatbahn-Anteil halten sich die Ausfälle und somit die Umsatzrückgänge glücklicherweise entsprechend in Grenzen."

Lars Bauer rechnet nicht damit, dass sich die Lage in wenigen Tagen normalisiert und befürchtet längerfristige Konsequenzen: "Die GDL-Streiks und die damit verbundenen Frequenz- und Umsatzrückgänge werden sicher ihre Spuren hinterlassen - nicht nur in den Jahresbilanzen des Bahnhofsbuchhandels, sondern auch in den Köpfen der Bahnkunden. Dieser Image-Verlust ist aus unserer Sicht eine Gefahr."

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