Wegen millionenschwerer Abfindung nach Aus von "Gottschalk live": Filmverband verdächtigt ARD-Verantwortliche der Untreue

 

Wirbel um 2,7 Millionen Euro - so viel bekam Moderator Thomas Gottschalk nach dem vorzeitigen Ende der Vorabend-Show "Gottschalk live" von der ARD als Abfindung. Unfassbar findet das Deutschlands größter Filmverband, die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok). Deren Vorsitzender Thomas Frickel sieht sogar einen möglichen Untreue-Tatbestand gegen die ARD-Entscheider:

Wirbel um 2,7 Millionen Euro - so viel bekam Moderator Thomas Gottschalk nach dem vorzeitigen Ende der Vorabend-Show "Gottschalk live" von der ARD als Abfindung. Unfassbar findet das Deutschlands größter Filmverband, die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok). Deren Vorsitzender Thomas Frickel sieht sogar einen möglichen Untreue-Tatbestand gegen die ARD-Entscheider: "Wurde dieser Fall von Leistung ohne Gegenleistung jemals rechtlich überprüft?"

Laut Thomas Frickel ist der "Letter of Intent" zwischen WDR mediagroup und Grundy Light Entertainment in den vergangenen Tagen aufgetaucht. Kress.de veröffentlicht die schriftliche Vereinbarung (Vermerk: "Vertraulich") und den Brief an Tom Buhrow am Ende dieses Berichts.

"Gottschalk live" schon nach 70 Folgen abgesetzt

Monika Piel war noch Intendantin des WDR, als die ARD einen offensichtlich millionenschweren Vertrag mit Star-Moderator Thomas Gottschalk unterzeichnete. "Gottschalk live" sollte nicht nur die Fernsehquoten der ARD im schwierigen Vorabend verdoppeln, wie es damals der gerade ausgeschiedene MDR-Intendant Udo Reiter formulierte. Am feinen Gendarmenmarkt im Herzen Berlins sollte Gottschalks halbstündige, von Montag bis Donnerstag ausgestrahlte Sendung auch dazu beitragen, das ARD-Programm zu verjüngen. Die redaktionelle Federführung lag damals beim WDR und der WDR mediagroup; ausführender Produzent war Grundy Light Entertainment (Ufa). Erstmals ging "Gottschalk live" am 23. Januar 2012 auf Sendung, schon nach 70 Sendungen kam am 6. Juni 2012 das Aus. Die 30-minütige Show konnte die Quotenvorgaben der ARD-Granden nie erfüllen; die Show wurde aus dem Programm gekippt. Eine Niederlage für Thomas Gottschalk, die der ARD viel Geld kostete.

"Bild" spricht von "Millionen-Debakel"

In der heutigen "Bild" schreiben Investigativ-Chef Guido Brandenburg und Henri-Nannen-Preisträger Nikolaus Harbusch von einem "Millionen-Debakel" für die ARD. Dort wehrt sich Thomas Gottschalk: "Ich habe nicht hingeschmissen, sondern hätte gerne weitergemacht und versucht, das Ding doch noch auf Kurs zu bringen." Gegenüber "Bild" bestätigte der WDR auch den Eingang des Schreibens: "Wir sind dabei, die Fakten zu prüfen."

Die Vorwürfe gegen den WDR werden ausgerechnet zu einer Zeit erhoben, in der Intendant Tom Buhrow in der größten ARD-Anstalt massive Sparziele vorgegeben hat, unter der auch beispielsweise die Etats für freie Journalisten massiv eingedampft wurden.

AG-Dok-Chef Thomas Frickel erklärte gegenüber kress.de: "Die ARD hat damals die Vertragsbedingungen wie ein Haupt- und Staatsgeheimnis behandelt und noch nicht einmal die Aufsichtsgremien darüber informiert. Und das, wie sich jetzt zeigt, aus gutem Grund: sowohl die dort verhandelten Beträge als auch die übrigen Konditionen - zum Beispiel der Anspruch auf die komplette Vertragssumme auch dann, wenn die Sendung nicht fortgeführt wird - sind nun wahrlich kein Musterbeispiel für sparsame Wirtschaftsführung. Vielmehr konterkarieren sie auf groteske Weise die Vertragsverhandlungen, denen unsere Dokumentarfilmkollegen tagtäglich in den Sendern ausgesetzt sind, und bei denen es oft um Minutenpreise geht, die weit weniger als ein Fünftel dessen ausmachen, was der ARD seinerzeit jede Minute der glücklosen Vorabendshow mit Thomas Gottschalk wert war."

Ihre Kommentare
Kopf

eigentlich ohne Worte, aber

24.05.2015
!

Der gute Herr Gottschalk wird das Geld sicherlich spenden.

Hätte da auch schon eine Idee:
Stiftung zugunsten Zwangsabgabengeschädigter.

Für Journalisten, Künstler, Doku-Filmer und Selbständigen etc. etc., die sich mit jährlichem Durchschnittseinkommen von ca. 10 Tsd. € über Wasser halten und nicht bereit sind zum Arbeitsamt zu gehen um sich ins gesellschaftliche Raster ordentlich einzuordnen.
Da bekommt man die 18 € mtl. gratis und hat dann sogar Zeit zum fernsehschauen.

(Ironie Ende)


Ralf E. Hansen

Ralf E. Hansen

Medienconsulter
Consulter Medien & Entertainment

24.05.2015
!

was soll dieser Blödsinn mit Untreue ? Hier geht es schlicht und ergreifend um ein Arbeitsverhältnis. Es wird ein Vertrag mit Laufzeit gemacht und wenn der Sender nicht mehr will, hat er den Restvertrag auszuzahlen. Genauso wenn der Herr Verbandspräsident vorzeitig abtritt, dann bekommt er sein Gehalt weiter, bis das Vertragsablaufdatum erreicht ist...bleibt geschmeidig Leute


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