kress.de zum Tod von Alfred Neven DuMont: Patriarch ohne Nachfolger

 

Am Samstag ist der Kölner Verleger Alfred Neven DuMont im Alter von 88 Jahren gestorben. Er machte M. DuMont Schauberg (MDS) zum fünftgrößten Zeitungshaus der Republik.

Am Samstag ist der Kölner Verleger Alfred Neven DuMont im Alter von 88 Jahren gestorben. Er machte M. DuMont Schauberg (MDS) zum fünftgrößten Zeitungshaus der Republik. Doch das von ihm verkörperte Führungsmodell des charismatischen, patriarchalischen Verlegers hat bei MDS keine Zukunft mehr.

"Mehr Zeitungen zu haben, macht einen nicht mehr so geil wie früher." So sprach im Dezember 2008 in einem Interview mit dem Magazin "Cicero" der Kölner Verleger Alfred Neven DuMont. Neven DuMont war damals bereits 81 Jahre alt, doch die Abgeklärtheit des Alters im Interview mit "Cicero" war nur gespielt: Wenige Monate später gelang es ihm im dritten Anlauf, den Berliner Verlag und die "Hamburger Morgenpost" zu übernehmen und in sein Imperium aus Zeitungen in Köln ("Kölner Stadt-Anzeiger", "Express", "Kölnische Rundschau"), Halle ("Mitteldeutsche Zeitung") und Frankfurt ("Frankfurter Rundschau") einzureihen.

Die Episode dokumentiert zweierlei: Bis ins hohe Alter spielte Alfred Neven DuMont bei M. DuMont Schauberg eine Rolle, die weit über seine formelle Aufgabe als Vorsitzender des Aufsichtsrats hinausging. Bei wichtigen Entscheidungen hatte er das letzte Wort. Und er war ein Verleger, der Geschäftssinn mit dem Wunsch nach Einfluss und Geltung, aber auch mit Liebe zur Zeitung verband. Unter seiner Ägide wurde MDS zum – gerechnet nach Auflage – fünftgrößten Zeitungshaus Deutschlands. Die letzten großen Zukäufe erwiesen sich freilich ökonomisch als Misserfolge: MDS ließ die "FR" 2012 in die Insolvenz gehen, und der Berliner Verlag ist heute ein Sorgenkind des Hauses.

"Spiritus Rector der Redakteure"

Dass er unverdrossen an die Zeitung glaube, hat Alfred Neven DuMont im Januar 2014 noch einmal dem "Spiegel" zu Protokoll gegeben: Das Magazin rechnete damals mit Mathias Döpfner ab, dem Vorstandschef von Axel Springer, und Neven DuMont war der Kronzeuge (kress.de vom 26. Januar 2014). Er warf dem Springer-Boss "Verrat an der Sache" vor, weil der sich von seinen Regionalzeitungen und den meisten Zeitschriften getrennt hatte. "Ich bin der Spiritus Rector der Redakteure", sagt Alfred Neven DuMont damals. "Man muss doch Leidenschaften haben. Das Schlimmste für mich wäre, Bankier zu sein und nur noch an das Geld denken zu müssen."

Die harte Abrechnung mit Döpfner hat eine Vorgeschichte, die nicht im "Spiegel" stand: Als der "Alte" und sein Sohn Konstantin Neven DuMont sich 2010 öffentlich entzweiten, bot Springers "Bild" Konstantin eine Bühne für seinen Frust. Alfred Neven DuMont nahm das Döpfner persönlich übel. Empfindlichkeit war ihm genau so wenig fremd wie Empfindsamkeit.

Gescheiterte Nachfolgeregelung

MDS gehört zu gleichen Teilen den Familien Neven DuMont und DuMont Schütte. Alfred Neven DuMont hat MDS in elfter Generation geführt, sein 2013 verstorbenes Pendant Dieter Schütte stand nach außen hin immer in seinem Schatten. Das von Alfred Neven DuMont verkörperte Führungsmodell des charismatischen, patriarchalischen Verlegers hat bei MDS aber keine Zukunft mehr.

Das zeichnete sich schon 2010 ab, als Alfred Neven DuMonts Nachfolgeregelung dramatisch scheiterte. Konstantin Neven DuMont, der nach dem Tod von Alfred Neven DuMonts erstem Sohn Markus ("Spiridon") im Jahr 1995 zum Kronprinz auserkoren wurde, erwies sich als Fehlbesetzung. Er verlor zunächst seine Ämter und verkaufte 2013 seine MDS-Anteile an seine Eltern (kress.de vom 26. Februar 2013).

Im Vorstand ersetzte ihn im März 2011 zwar seine Schwester Isabella Neven DuMont, doch sie tat das offenbar vor allem aus Familienräson und nicht aus Neigung. Heute gehört dem Vorstand kein Familienangehöriger mehr an, die Neven DuMonts und DuMont Schüttes haben sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen: Isabella Neven DuMont wechselte Anfang 2015 aus dem Vorstand in den Aufsichtsrat. Christian DuMont Schütte, Repräsentant der DuMont Schüttes, hatte das schon 2014 vorgemacht. Im Januar 2015 wurde er schließlich als Nachfolger von Alfred Neven DuMont auch Vorsitzender des Aufsichtsrats (kress.de vom 15. Januar 2015). Bereits seit dem vergangenen Jahr hat das Unternehmen zudem einen familienfremden Vorstandschef, Christoph Bauer.

Frei von dynastischen Zwängen

MDS hat somit schon vor Alfred Neven DuMonts Tod den Weg zu einem Unternehmen eingeschlagen, in dessen operativem Geschäft angestellte Manager den Ton angeben. Das bedeutet Chance und Risiko zugleich: Sie sind frei von dynastischen Zwängen und Rücksichten, aber die Leidenschaft und das Gewicht eines Alfred Neven DuMonts fürs Metier bringen sie naturgemäß nicht mit. Die Zukunft von MDS wird entscheidend davon abhängen, wie die Erben von Alfred Neven DuMont und die übrigen Gesellschafter – insgesamt fast 20 Personen – nun ihre Rolle interpretieren. Wenn sie sich vorrangig als Couponabschneider sehen, stehen dem Imperium unruhige Tage bevor: Das Medienhaus geriet 2012 wegen der "FR"-Insolvenz tief in die roten Zahlen und schloss 2013 nur mit einem kleinen Jahresüberschuss von knapp 1,7 Mio. Euro ab (neuere Zahlen gibt es nicht). Zeitungen zu haben, ist heute eben nicht mehr so geil wie früher.

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