"Sonntag Aktuell": Das Ende ist nah

 

Mit "zehn, fünfzehn Prozent" höchstens geben mit der Sache Vertraute die Chance an, dass "Sonntag Aktuell" den Winter 2015/2016 überleben wird. Der Sonntagszeitung, einst ins Leben gerufen, um die Stuttgarter Lokalausgabe der "Bild" im Schach und die eigenen Abonnenten bei guter Laune zu halten,

Mit "zehn, fünfzehn Prozent" höchstens geben mit der Sache Vertraute die Chance an, dass "Sonntag Aktuell" den Winter 2015/2016 überleben wird. Der Sonntagszeitung, einst ins Leben gerufen, um die Stuttgarter Lokalausgabe der "Bild" im Schach und die eigenen Abonnenten bei guter Laune zu halten, droht das Aus.

Nach kress.de-Infos haben die Partnerverlage bereits vor Wochen die schriftliche Aufforderung erhalten, dass sie die bestehenden Verträge bereits kündigen können - davon haben die lokalen Verleger schon zuhauf Gebrauch gemacht, zum Füllfederhalter gegriffen, die Verträge fristgerecht gekündigt.

Sonntagszustellung wird deutlich teurer

Ein nicht zu unterschätzender Grund, warum die Verleger ihre siebte Ausgabe beerdigen - die Zustellung der Sonntagszeitung wird durch den Mindestlohn für Zeitungszusteller massiv verteuert. Zudem leide das Blatt darunter, dass es seit 2009 keine eigenständige Redaktion mehr habe: "Für eine Sonntagszeitung brauchen sie ein eigenes Team. Nur ist das nicht mehr bezahlbar", bedauert ein Gesprächspartner. Die Redaktion besorgt das Team der "Stuttgarter Nachrichten" um Chefredakteur Christoph Reisinger. Aufmacher der aktuellen Ausgabe vom 31. Mai: "Der Kirche gehen die Pfarrer aus".

Bernhard Reese ist Geschäftsführer unter anderem von "Sonntag Aktuell".

Wird "Sonntag Aktuell" zugesperrt, Herr Reese? "Gegen Gerüchte kann ich nichts machen", sagt der erfahrene Medienmanager. Und fügt im kress.de-Gespräch hinzu: ""Von der Gesellschafterversammlung habe ich im vergangenen Jahr den Auftrag bekommen, ein Konzept für das komplette Wochenende zu entwickeln. Dass sind die Ausgaben am Donnerstag, Freitag, Samstag und schließt auch Sonntag Aktuell ein."

In einer Roadshow wird derzeit in den Partnerverlagen das neue Angebot vorgestellt - das sieht vor, insbesondere den Samstag zu stärken. Unbedingt verteidigt werden sollen die guten Etats aus der Reisebranche. Vor allem der Reiseteil von "SoAk" kommt bei Lesern und Werbepartnern an und schreibt schwarze Zahlen; die gemeinsame Reichweite soll möglichst auch in Zukunft gemeinsam vermarktet werden. Erweitert werden soll zudem das digitale Angebot.

Wie die Zukunft aussehen könnte, exerziert seit Anfang des Jahres die "Heidenheimer Zeitung" vor. Die ist bereits Ende 2014 aus "Sonntag Aktuell" ausgestiegen und hat dafür ihre Samstagsausgabe deutlich erweitert.

Verwaltungsrat tagt heute in Stuttgart

An diesem Dienstag ist Verwaltungsratssitzung in Stuttgart. Auf der Tagesordnung steht auch das weitere Vorgehen bei "Sonntag Aktuell". Nach kress.de-Infos kommt das neue Angebot aus Stuttgart an die Heimatzeitungsverleger, die Samstagsausgabe auch mithilfe von Berichten aus der "Süddeutschen Zeitung" deutlich zu erweitern, zwar gut an. Nur: "Samstags ist der Schwabe im Garten." Ob er sich dann tatsächlich einen Teil seiner Zeitung für den Sonntag aufhebt, sei da die Frage. Zudem wollen einige Verlage auch abwarten, was die Mitbewerber machen. Weil es bei "Sonntag Aktuell" keine Exklusivrechte im Verbreitungsgebiet gibt, können auch im Wettbewerb zueinander stehende Verlage die Angebote nutzen.

Der Abonnent, der große Unbekannte

"Sonntag Aktuell" ist der Auflage nach die zweitgrößte Sonntagszeitung Deutschlands - nach "Bild am Sonntag" (Chefredakteurin: Marion Horn), aber vor "Welt am Sonntag" (Chefredakteur: Jan-Eric Peters) und "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (Herausgeber: Werner D'Inka, Jürgen Kaube, Berthold Kohler, Holger Steltzner). "Sonntag Aktuell" erscheint als siebte Ausgabe verschiedener Regionalzeitungen - ohne Zuschlag zum Abo-Preis. Die verkaufte Auflage beträgt laut IVW 556.117 Exemplare (1/2015). Eine Freude bereiten ihren Abonnenten im Moment diese Verlage mit der "Sonntag Aktuell": "Stuttgarter Zeitung", Stuttgarter Nachrichten, Waiblinger Kreiszeitung, Reutlinger General-Anzeiger, Ludwigsburger Kreiszeitung, Neckar- und Enzbote, Kreiszeitung Boblinger Bote, Backnanger Kreiszeitung, Rems-Zeitung Schwabisch Gmund, Bietigheimer Zeitung, Gäubote Herrenberg, Sindelfinger Zeitung/Boblinger Zeitung, Muhlacker Tagblatt, Vaihinger Kreiszeitung, Cannstatter/Untertürkheimer Zeitung, die in Ulm erscheinende "Südwestpresse" sowie der "Mannheimer Morgen". Zu den großen Gesellschaftern von "Sonntag Aktuell" gehören neben "Stuttgarter Nachrichten" und "Stuttgarter Zeitung" auch der Zeitungsverlag Waiblingen, der Verlag der "Ludwigsburger Kreiszeitung" und der Verlag vom "Reutlinger General-Anzeiger".

Die Frage, die die Verleger derzeit vor allem umtreibt - was sagen eigentlich die Abonnenten, wenn sie auf einmal statt sieben Ausgaben nur noch sechs Zeitungen pro Woche aus dem Briefkasten fischen können? Gerade wenn Anfang des Jahres dann auch wieder die nächste Bezugspreiserhöhung kommt, schulden sie ihren treuen Abonnenten doch eine Erklärung.

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