Marco Rodzynek im großen kress.de-Porträt: Nach Berlin - NOAH, volle Kraft voraus!

03.06.2015
 
 

Wenn junge Internet-Macher auf traditionelle Unternehmen treffen, steckt in London oft der gebürtige Hamburger Marco Rodzynek dahinter. Mit seiner NOAH Konferenz kommt er kommende Woche das erste Mal nach Deutschland. In Berlin referieren u.a. 120 Größen wie Google-Chairman Eric Schmidt, Arianna Huffington, Mathias Döpfner, Sir Martin Sorrell und die Politiker Martin Schulz oder Günther Oettinger.

Wenn junge Internet-Macher auf traditionelle Unternehmen treffen, steckt in London oft der gebürtige Hamburger Marco Rodzynek dahinter. Mit seiner NOAH Konferenz kommt er kommende Woche das erste Mal nach Deutschland. In Berlin referieren u.a. 120 Größen wie Google-Chairman Eric Schmidt, Arianna Huffington, Mathias Döpfner, Sir Martin Sorrell und die Politiker Martin Schulz oder Günther Oettinger.

Er ist in Hamburg geboren, lebt in Luzern und hat in London die angesagteste Vernetzungs-Konferenz zwischen altem Geld und frischen Ideen etabliert. Marco Rodzynek heißt der Macher hinter der NOAH-Konferenz, die kommende Woche erstmals nach Berlin kommt. Wofür Noah steht, wie man Menschen zusammenbringt, was Start-ups von etablierten Unternehmern lernen können - kress.de beleuchtet Marco Rodzynek im großen Porträt.

NOAH-Gründer Marco Rodzynek, 40, in Hamburg geboren, lebt im ruhigen Luzern, rund eine halbe Stunde von Zürich entfernt - bewusst ohne Aufregung: "Es ist echt langweilig, was ich leider zum Abschalten brauche, weil ich die ganze Zeit reise". In Münster und Portsmouth - mit der englischen Hafenstadt verbinden den Unternehmer nur wenig erfreuliche Erinnerungen, wie ein zusammengeschlagener Mitstudent - hat der Unternehmer ein European Business Program absolviert, arbeitete danach einige Zeit für Apple.

Arche statt Mühle

Der ehemalige Investment-Banker bei Lehman Brothers hat die Pleite der Bank und die Wirtschaftskrise zumindest so gut überstanden, dass er sich gewiss war "mein Job macht mir Spaß, aber ich möchte einfach nicht mehr in dieser Bankenmühle arbeiten". Mit der Gründung von NOAH Advisors (April 2009) rief Rodzynek (Managing Director) auch gleich die NOAH Conference ins Leben. Dass es dort keine Arschlöcher gibt und "Noah" für "No Assholes here" steht, ist eine gewachsene Legende: "Ich dachte an das Konzept von Noah nach der Sintflut, das Überleben, die Zweisamkeit - ein neuer Anfang. Die Beschreibung ist ein bisschen lang, jemand fragte mich zu Beginn und ich sagte: 'NO Assholes Here' - das führt jetzt bei einem Meeting immer zum Schmunzeln, es lockert die Atmosphäre auf", erzählt Marco Rodzynek im KRESS-Gespräch. "Lehman war Pleite, ich hatte zwar ein ganz gutes Netzwerk, aber keinen Markennamen. Ich überlegte, wie ich mich von traditionellen Investmentbanken differenzieren und eine raffinierte Marketing-Maßnahme einsetzen kann. Und jeder mag Konferenzen, die Spaß machen - so habe ich es geschafft, mir einen Markennamen aufzubauen." Rodzynek ist Sohn eines PR-Beraters: "Mein Vater ist im Gegensatz zu mir kein Networker. Aber wie man Publicity schafft, da habe ich schon etwas mitbekommen".

Nicht Geld allein

"Ich glaube, Geld steht bei uns nicht wirklich im Vordergrund. Was Spaß macht, und das war bei Lehman nicht so, ist mit Menschen zu arbeiten - das ist jetzt auf der Banking-, nicht auf der Konferenz-Seite. Denn die Konferenz muss zu einem gewissen Maße oberflächlich sein, denn da kommen 2000 Leute hin." NOAH Advisors erster Deal war der Verkauf von Fotolia. "Da betreue ich einen Menschen - der sein Unternehmen, das er mit viel Arbeit von klein auf hochgezogen hat, irgendwann verkauft - durch die wichtigste Phase seines Lebens. Das macht mehr Spaß als das Geld verdienen. Ich lerne die Leute richtig kennen, das war bei Lehman nicht so. Bei Lehman gab es immer eine Heerschar von Bankern, jeder hat sich irgendwie die Lorbeeren geschnappt."

Kapital trifft Mensch

"Ich mache meinen Job schon seit fast 20 Jahren. Interessanter ist, wie viele Transaktionen ich gemacht habe - es sind 80 bei Lehman und 20 auf eigene Faust. Ich habe die letzten Jahre 20 Unternehmer beim Verkauf begleitet. Eines ist allen gemein: wir helfen Leuten, ihre Unternehmen gut zu positionieren, sind mit Rat und Tat dabei. Und das Wichtigste, darum gibt es die NOAH Konferenz: wir verbinden sie mit Leuten, mit denen sie normalerweise nichts zu tun haben. Denn ein typischer Berliner Start-up-Unternehmer kennt keine Finanzleute. Bei unserer Konferenz, das ist mal was Gutes, was die Banken hier mitgebracht haben, ist das Kapital, die Investoren, die diesen ganzen Internet-Unternehmen helfen, ihre Wachstumspläne zu erfüllen."

Bundeskanzlerin Merkel fragte an

Nach sechs NOAH Konferenzen in London wechselte Marco Rodzynek einmalig nach San Francisco - die Amerikaner interessierten sich anfangs kaum für NOAH. "Wir schnappten uns 40 Unternehmen aus Europa, flogen nach Amerika. Das lief auch ganz gut, aber es war vom Aufwand nicht zu bewerkstelligen. Berlin macht da viel mehr Sinn." Mit seinem Partner Jan Brandes, der mit Rodzynek bei Lehman Brothers im gleichen Team gearbeitet hat, wurde Berlin anvisiert. "Er und ich sind Deutsche, angesichts der Konferenz in London sind wir jetzt bei 30 Prozent Deutschlandquote und Berlin hatte keine große Konferenz. Dann hat Bundeskanzlerin Merkel gesagt: 'Herr Rodzynek, warum bringen sie die NOAH Konferenz nicht nach Berlin?"

Kleines Team, Top-Sponsoren und -Redner

Wenn am 9. und 10. Juni die Bühnen im Berliner Tempodrom von 120 Rednern erklommen werden, ist es bereits die achte NOAH Konferenz, die von NOAH Advisors organisiert wurde. Eine komplexe Organisationsaufgabe, die sich weit über acht Monate hinzieht und praktisch von einer zur anderen Konferenz nie endet - getragen von einem geradezu winzigen, zwölfköpfigem Team (davon sieben feste Mitarbeiter). "Wir arbeiten Tag und Nacht und haben Berlin ehrlich gesagt unterschätzt." Unter den zahlreichen Sponsoren finden sich auch Google mit einem großen Stand und Facebook, das einen Workshop abhält.

Medien-Partnerschaft mit Axel Springer

Kooperationspartner für Berlin ist der Axel Springer Verlag, mit ihm ist Rodzynek spätestens seit 2014 bestens bekannt - damals beriet er das israelische Unternehmen Yad2 im Verkauf, es ging an Axel Springer. Ein Deal über 230 Millionen Dollar. "Wir wurden gefragt, ob wir nicht nach Berlin kommen wollen, haben uns später mit Herrn Döpfner zusammengesetzt und bei einer Vorstandssitzung ein kleines Konzept präsentiert. Axel Springer ist ein Markenname, NOAH ist ein relativer Nobody, gerade in deutschen Vorstandsetagen."

Europäer im Fokus

Während andere Konferenzen - sei es LeWeb in Paris, DLD in München oder Web Summit in Dublin - stets US-Stars einladen, versuchen NOAH Advisors die "europäische Internetszene zu pushen, indem wir die Europäer auf die Bühne lassen. Klar, wir haben Eric Schmidt (Google) und den einen oder anderen aus Amerika, aber 95 Prozent unserer Unternehmen sind Europäer". Bei etwa 50:50 sind Ticket-Preise und Sponsoren: "Aber Sponsoren wachsen stark und wir hoffen, dass wir die Preise nie erhöhen müssen - ganz kostenlos können wir es natürlich nicht machen. Wir haben eben auch nicht den Fokus, US-Stars auf die Bühne zu holen, für uns ist ein Unternehmen aus Belgrad viel interessanter. Das zieht bei den Sponsoren dann natürlich ein bisschen weniger."

Tradition muss wachsen

Bereits am 12. und 13. November 2015 findet in Old Billingsgate in London die nächste NOAH Conference statt. Rodzynek über den feinen Unterschied: "Das Format ist ähnlich, die Unternehmen präsentieren sich jeweils 10 Minuten. Doch vom Thema unterscheiden sich die zwei Konferenzen insofern, dass London als Finanzmetropole Europas die Unternehmen in Verbindung mit Kapitalgebern setzen soll." Marco Rodzynek kann mehr als zufrieden sein, allein er ist es nicht: "In Berlin, anders als in London, sind auch die traditionellen Firmen eingeladen. Wir sind ein bisschen enttäuscht, weil wir uns erhofft haben, mehr traditionelle Firmen zu finden, die über ihre Online-Aktivitäten sprechen. Wir haben eher eine Mischung von 1:4." Vertreten sind unter anderem: Deutsche Bahn, Bayer, BMW und Porsche. "Die Idee war, dass es einen Business-Austausch von Internet- und Traditions-Unternehmen gibt. Da haben wir ein Gelb vom Ampelsystem erreicht, aber das muss sich erst etablieren."

Marathon der Meetings

Was die Berliner Konferenz möglicherweise bietet, sind Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich die Vorträge größtenteils ersparen - sie nutzen NOAH so, wie Rodzynek sein Werk auch begreift: als "Kommunikationsplattform". "In London geht etwa nur die Hälfte zu den Präsentationen, die anderen absolvieren ein Meeting nach dem anderen. Oliver Samwer (z.B. "European Founders Fund") schnappt sich morgens um 7 Uhr mit seinem Assistenten ein Sofa und macht rund 30 Meetings pro Tag. Dadurch, dass wir uns in der digitalen Welt gar nicht mehr treffen müssen, sind Konferenzen jetzt ein Riesen-Boom." Menschen kommen eigens aus Australien oder Afrika angereist: "Wir schaffen die Möglichkeit, an Leute zu kommen, an die es normalerweise als Internet-Unternehmer kein Herankommen gibt - egal, ob das ein Kapitalgeber, Partner oder möglicher Käufer ist. Und da haben wir auch ein ganz starkes Auge drauf, dass wir auf unserer Konferenz die Relevanz der Teilnehmer aufrecht erhalten. Wir sind keine offene Konferenz, wir checken die Bewerber meist über LinkedIn und Referenzen."

Aus Ernst wird Party

Ein Treffpunkt für mehr als 2000 Leute, die auch feiern. Die Techno-DJ-Legende - Love-Parade-Gefühle erblühen - Sven Väth wird den ersten Abend mit einer großen Party im Spindler & Klatt in Kreuzberg beschließen. Allerdings nur von 22 bis 2 Uhr morgens, die Konferenz-Teilnehmer sollen am 10. Juni schließlich noch bei Kräften sein. "Auf der Konferenz laufen die meisten mit Anzug und Schlips herum - bei uns wird Business gemacht. Wir brauchen aber auch einen Knaller auf der Fun-Seite. In London sind die ganzen ernsten Finanzmenschen vom Hocker gefallen und wurden in ihre Jugend zurückversetzt."

Autorin: Sophia-Therese Fielhauer-Resei

 

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