"David kämpft für Goliath": "Kontext: Wochenzeitung" startet Initiative zur Pressevielfalt in Stuttgart

10.06.2015
 

Josef-Otto Freudenreich hat fast 25 Jahre für die "Stuttgarter Zeitung" gearbeitet, er war dort lange Zeit Chefreporter. Mit der von ihm 2011 mitgegründeten "Kontext:Wochenzeitung" ruft er nun zum Protest gegen die Zusammenlegung seines Ex-Blattes und der "Stuttgarter Nachrichten" auf. Motto: "David kämpft für Goliath".

Josef-Otto Freudenreich hat fast 25 Jahre für die "Stuttgarter Zeitung" gearbeitet, er war dort lange Zeit Chefreporter. Mit der von ihm 2011 mitgegründeten "Kontext:Wochenzeitung" ruft er nun zum Protest gegen die Zusammenlegung seines Ex-Blattes und der "Stuttgarter Nachrichten" auf. Motto: "David kämpft für Goliath".

Die unabhängige "Kontext-Wochenzeitung" startet zusammen mit Bürgern, Politikern, Gewerkschaftern, Künstlern, Parteien und Verbänden die "Initiative zur Presse- und Medienvielfalt in Stuttgart".

In dem Aufruf heißt es: "Seit Jahren wird bei der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) bei den Redaktionen gespart. Das zeitigt nun die schlimmste anzunehmende Variante: Das Sterben der Pressevielfalt in Stuttgart!" Und weiter: "Das ist der Lackmus-Test für alle, die wissen, dass Pressevielfalt und Qualitätsjournalismus wichtig für die Teilhabe an demokratischen Entscheidungsprozessen sind. Sie können deutlich machen, was ihnen die Pressefreiheit, die Pressevielfalt und die Qualität im Journalismus wert ist. In einem Jahr ist Landtagswahl im Lande. Frisch zur neuen Landesregierung soll der Kahlschlag im Stuttgarter Blätterwald vollzogen sein. Wir sagen: Nein!"

Stuttgart brauche viele Medien, Stuttgart brauche Qualität im Journalismus. "Beide Zeitungen 'Stuttgarter Zeitung' und 'Stuttgarter Nachrichten' müssen redaktionell eigenständig, vollständig und journalistisch von bester Qualität sein!", fordert "Kontext:Wochenzeitung".

Zu den Erstunterzeichnern der Initiative gehören neben Gewerkschaftlern und Journalistenverbands-Führenden Willi Friedmann, Geschäftsleitung Theaterhaus Stuttgart, Peter Friedrich, Minister und stellvertretender SPD-Landesvorsitzender, Brigitte Lösch, Landtagsvizepräsidentin, Edzard Reuter, Ex-Vorstandsvorsitzender der Daimler Benz AG und der SWR-Verwaltungsratsvorsitzender und Medienanwalt Hans-Albert Stechl.

Peter Welchering: "Rebmann bringt zwei Zombies zur Welt"

Kein Protestschreiben, aber einen "empörten Warnruf" hat Peter Welchering vom DJV Baden-Würtemberg abgegeben: "In neun Monaten wird der Geschäftsführer der Südwestdeutschen Medienholding, Richard Rebmann, zwei Zombies zur Welt bringen. Denn am 1. April 2016 sollen die Redaktionen von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten zusammengelegt werden", beginnt sein Text. Weiter schreibt der Ludwigsburger Journalist: "Beide Marken würde ihre Identität behalten, bekundet Rebmannn, so als handele es sich bei den beiden Stuttgarter Tageszeitungen um Wodka der Marke Rebmannowicz und nicht um meinungsbildende Zeitungen."

"Angriff auf einen Journalismus mit Haltung"

Welchering sieht einen "Angriff auf einen Journalismus mit Haltung": "Wenn eine Redaktion zwei Zeitungen machen soll, dann ist die journalistische Haltung das erste Opfer. An zweiter Stelle werden redaktionelle Arbeitsplätze auf dem Altar vermeintlicher verlegerischer Modernität geopfert. Und drittens trifft es dann nach einiger Zeit die beiden Zombie-Zeitungen, die, inhaltsneutral mit 'Content' befüllt, niemand mehr braucht und niemand mehr lesen will."

Statt eine verlegerische Strategie zu entwickeln, die den Anforderungen an einen professionellen Journalismus gerecht wird, setzten die Verlagsoberen im Stuttgarter Pressehaus auf eine "Discount-Content-Strategie", die nach den bisherigen Erfahrungen jedes ehemals noch so gute journalistische Produkt in den Ruin getrieben habe, weiß Welchering.

Ihre Kommentare
Kopf
Wolfgang Messer

Wolfgang Messer

- Freiberuflich tätig -
TV-Sprecher, Blogger und Redakteur

10.06.2015
!

So begrüßenswert die Motive sind, so naiv ist diese Initiative leider auch. Zeitungsverlage waren primär noch nie Institutionen zur Sicherung der Meinungsvielfalt oder der Demokratie, sondern immer schon Wirtschaftsbetriebe, die den finanziellen und politischen Interessen ihrer Eigentümer/Anteilseigner dienen.

Wenn also eine Unternehmenssparte nicht mehr genug Rendite abwirft, wird sie verkleinert oder abgestoßen. Da unterscheidet sich ein Verlag nicht von einem Autohersteller o. ä..


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