kress.de-Interview mit COO Ambuj Goyal: Wie MagineTV die Fernsehwelt auf den Kopf stellen will

 

Schluss machen mit dem Wirrwarr in den Senderlisten von Programmen, die man ohnehin nicht sehen will, möchte Ambuj Goyal. Der COO und Präsident der schwedischen Online-TV-Plattform MagineTV, die in Deutschland Zugang zu den Inhalten von ARD, ZDF, RTL, ProSieben, Sat.1 und über 60 nationalen und internationalen Sendern anbietet, erlaubt es den Nutzern demnächst, das Programm im "MagineTV for me"-Verfahren radikal zu personalisieren - und so weniger zu zahlen.

Schluss machen mit dem Wirrwarr in den Senderlisten von Programmen, die man ohnehin nicht sehen will, möchte Ambuj Goyal. Der COO und Präsident der schwedischen Online-TV-Plattform MagineTV, die in Deutschland Zugang zu den Inhalten von ARD, ZDF, RTL, ProSieben, Sat.1 und über 60 nationalen und internationalen Sendern anbietet, erlaubt es den Nutzern demnächst, das Programm im "MagineTV for me"-Verfahren radikal zu personalisieren - und so weniger zu zahlen.

Mittels "Incentive Points" die Abo-Rechnung reduzieren

Demnächst lassen sich bei MagineTV auf Wunsch die Startliste für den Empfang von TV-Inhalten auf Endgeräten wie Tablets, Smartphones, Computern und Smart-TV nach eigenen Vorgaben zu ordnen und die Kanallisten individuell umzuformatieren. Dabei kann man unerwünschte Sender, für deren Angebot man sich nicht interessiert und daher eigentlich auch nicht bezahlen möchte, "pausieren". MagineTV belohnt das Personalisieren mit sogenannten "Incentive Points", die man sich durch das Verändern des Line-ups verdienen kann.

Künftig bietet MagineTV for me drei sogenannte "Plans" an - das "Free"-Angebot mit 42 frei empfangbaren Sendern, das "Master"-Modell mit insgesamt 87 Sendern sowie das "Magic/Max"-Angebot mit Inhalten von Pay-Sendern, das 113 Anbieter umfasst. Das Master-Paket kostet monatlich 6,99 Euro, das Magic/Max-Paket 15,99 Euro. 

Für jede Änderung kann man sich im Master-Plan 10 "Incentive Points" verdienen, bei Magic/Max sind es 25 Pointes. Diese werden im Master-Plan für jeweils 10 Cent pro Point, bei Magic/Max für 25 Cent pro Point verrechnet und reduzieren entsprechend das individuelle Abo-Angebot von MagineTV for me. 

Zunächst ist MagineTV for me fürs Web und für Android-Geräte erhältlich. In den nächsten wochen kommen Lösungen für iOS und Windows hinzu. Das bestehende konventionelle MagineTV-Angebot läuft weiter. Wer nichts personalisieren möchte, muss das nicht tun.

Ende April war bekannt geworden, dass ab Mitte Juni Olaf Kroll neuer Deutschland-Chef von MagineTV ist. Er löst Friederike Behrends, Schwester der Universal Studio Networks Germany-Geschäftsführerin Katharina Behrends, ab. Friederike Behrends soll dem Dienst aber als Senior Strategie-Beraterin erhalten bleiben. 

"Eine kritische Phase, in der sich die gesamte Industrie verändert"

kress.de: Dr. Goyal, Immer mehr Menschen empfangen Fernsehen online und lassen sich nicht länger auf das alte Konzept ein, dass man sich bestenfalls mit der ganzen Familie zu einer festen Uhrzeit vor dem Fernseher versammelt. Nun führen Sie eine personalisierte Auswahl ein, die Ihren Kunden beim Einschalten Ihrer Devices genau das Programm anbietet, das sie sehen wollen – ohne noch einmal extra danach suchen zu müssen. Führen Sie durch die Hintertür das lineare Sehen doch wieder ein?

Ambuj Goyal: Meine Aufgabe ist wirklich aufregend – und gleichzeitig sehr fordernd. Wir befinden uns in einer kritischen Phase, in der sich die gesamte Industrie verändert – vom Massenfernsehen zu einem Fernsehen, das auf mich selbst zugeschnitten ist. Ich möchte nicht Dutzende von Paketen mit Hunderten von Kanälen bekommen, durch die ich mich durcharbeiten muss. Ein Programm, das mich interessiert mag dann vielleicht auf Kanal 72, das nächste auf 17 sein – und ich verpasse es, weil ich es nicht rechtzeitig finde.

kress.de: Nachvollziehbar. Die Fülle kann erdrückend sein.

"Nicht für Sachen zahlen, die mich gar nicht interessieren"

Ambuj Goyal: Wenn man davon ausgeht, dass lineares Fernsehen immer noch 85 Prozent der Zuschauer in Deutschland erreicht, ist es unser Ziel, wieder neue Begeisterung für Live-Fernsehen zu schaffen – auch wenn wir Catch-up und Start-Over-Angebote bereithalten. Wir wollen sicherstellen, dass der beeindruckende Content, den die Fernsehhäuser erstellen, auch tatsächlich sein Publikum findet – und das sich die Zuschauer darauf freuen. Aber verschiedene Zuschauer haben unterschiedliche Vorlieben. Wir müssen das Publikum aufteilen. Wenn man bis vor kurzem zu MagineTV kam, sah das Angebot für alle gleich aus. Jetzt kann man sein Angebot nach individuellen Vorgaben eigens zuschneiden – für "TV for me". Es ist ein Service, der mir hilft, mein eigenes Fernsehprogramm zusammenzustellen. Und ein Angebot, das mich darin unterstützt, das zu sehen, was ich möchte und nicht für Sachen zu zahlen, die mich gar nicht interessieren. Mein Fernsehangebot unterscheidet sich dann von Ihrem – weil jeder von uns eigene Vorlieben hat.

kress.de: Sie wollen den Zuschauer ja Bonus-Anreize bieten, Ihr Programm zu individualisieren. Warum?

Ambuj Goyal: Wir belohnen es, wenn Sie Ihr Programm personalisieren – damit mehr solche Personalisierungen stattfinden. Das Ziel muss doch sein, dass Ihr Programm besser wird – und Sie nicht dafür bezahlen müssen, dass Sie etwas gar nicht sehen. Wenn ich ein News-Zuschauer bin, muss ich nicht für Tele 5- oder TLC-Angebote zahlen. MagineTV verändert sich radikal. Wir werden weiterhin eine fantastische Vertriebsplattform für Live-Fernsehen inklusive Catch-up und Start-Over sein. Wir werden auch weiterhin Premium-Kanäle sowie Pakete anbieten und dabei mit den Sendern zusammenarbeiten. Aber unser bisheriges Experiment in Deutschland mit mehr als einer Million registrierten Usern hat uns gezeigt, dass die Menschen ihr Fernsehangebot anders sehen wollen. Wir wollen, dass sie zufrieden sind und machen uns für die Zuschauer stark. Einige von ihnen werden weiterhin das Programm so sehen, wie es die Sender im Push-Modus verbreiten. Andere werden es komplett personalisieren wollen. Man hat dann etwas, womit man zufrieden ist und das man sogar stolz im Bekanntenkreis herzeigen kann – nach dem Motto: Schau dir mein Fernsehen an!

kress.de: Wie viel Personalisierung ist auf Haushaltsebene möglich?

"Eine neue Kategorie von Fernsehen"

Ambuj Goyal: Maximale. Jeder User kann sein Angebot individualisieren. Eltern können so das Programm für ihre Kinder personalisieren. Natürlich gibt es Jugendschutzvorgaben, aber so kann man wirklich sicher sein, dass die Kinder auch wirklich nur die Inhalte sehen, die man selbst für sie ausgewählt hat. "TV for me" ist wirklich eine neue Kategorie von Fernsehen. Es geht nicht mehr um TV-Verbreitung für die breite Masse.

kress.de: Werden Sie bei der Bereitstellung von Inhalten auch so weit gehen können, Pay-Pakete für MagineTV-Nutzer individuell zu entpacken? Etwa wenn man als Fan lediglich eine bestimmte Serie auswählen möchte.

Ambuj Goyal: Die Zuschauer sollen sehen, was sie sehen wollen – inklusive der Inhalte aus den Premium-Paketen. Aber wir werden die Pakete nicht entpacken. Wenn sich die Kunden in der MagineTV-Welt befinden, sollen sie sich heraussuchen können, was sie wirklich interessiert. Den Kunden ist doch egal, aus welcher Art von Paket die Inhalte stammen. Alles, was sich bei MagineTV befindet, kann personalisiert werden.

kress.de: Wie muss man sich die Suchfunktion bei MagineTV vorstellen?

Ambuj Goyal: Wir haben das so programmiert, dass die Suche den Nutzern, die selbst ihr Programm personalisiert haben, Angebote vorschlägt, die zu ihrer Auswahl passen, die sie vermutlich selbst personalisieren wollen und auf die sie sich deswegen freuen können. Unsere Suchmaschine schlägt auch Programme vor, die noch ausgestrahlt werden und an die wir die Nutzer so erinnern. Wir lernen viel über unsere Kunden, wenn sie uns etwa sagen, dass sie sich für 10 bis 15 bestimmte Kanäle und darunter ihre Lieblingsprogramme entschieden haben. Wir geben Anreize dafür, die Auswahl stärker zu personalisieren, weil wir so mehr über Sie lernen können. Je mehr mal personalisiert, desto mehr Incentives bekommt man wiederum.

Unterstützung aus der Welt der Sender

kress.de: Sie werden das nicht allein aus gutmenschlichen Gründen machen. Welchen Extra-Nutzen ergibt sich aus der massiven Datensammlung für MagineTV als Unternehmen? Können Sie so etwa Ihre Verträge mit den Anbietern nachverhandeln, wenn bestimmte Programm so gut wie gar nicht nachgefragt werden?

Ambuj Goyal: Unser Ziel ist es, für die Zuschauer einzutreten. Wenn wir ihnen das geben, was sie haben wollen, dann wird sich längerfristig auch die Industrie davon profitieren. Die Sender werden gewinnen, MagineTV wird gewinnen – weil die Zuschauer dann mehr lineares Fernsehen sehen werden. Deswegen unterstützt uns die Senderwelt ja auch. Nur 15 Prozent der Zuschauer nutzen Video-on-Demand, 85 Prozent schauen lineares Fernsehen. Wenn wir die Aufmerksamkeit für das linear Ausgestrahlte erhöhen, werden alle etwas davon haben. Unsere Marktforschung zeigt uns, dass unsere Kunden MagineTV im Durchschnitt über drei Stunden täglich nutzen. Mehr als 30 Prozent unserer Kunden haben dabei nicht mal ein Fernsehgerät. Mehr als 50 Prozent, die MagineTV und ein herkömmliches Fernsehgerät haben, schauen sich die Inhalte nur bei MagineTV an. Diese Nutzer sagen uns deutlich, was sie wollen. Und unser Ziel ist es, ihnen zu geben, was sie wollen. Wir stehen für lineares Fernsehen ein – und die Freude darauf, was es als nächstes zu sehen gibt.

kress.de: Was Sie nun einführen, ist ein großer Schritt für MagineTV. In welchem Stadium befindet sich das Unternehmen Ihrer Wahrnehmung nach in Deutschland? Wie viele Nutzer wollen Sie bis zum Jahresende haben?

MagineTV for me setzt auf Weiterempfehlungs-Werbung

Ambuj Goyal: Ich wäre natürlich glücklich, wenn wir eines Tages alle deutschen Zuschauer auf MagineTV haben könnten. Aber so ehrgeizig sind wir gar nicht. Wir wollen etwas entwickeln, was die Leute lieben und auf das sie stolz sein werden. So wird sich ein viraler Weiterempfehlungseffekt ergeben. Mir geht es nicht um eine bestimmte Nummer – sondern um das Feedback, das wir von unseren Kunden bekommen.

kress.de: Absorbiert Ihr großes Engagement auf dem deutschen Markt derzeit ein wenig die Energie für weitere Expansionspläne? Wann werden Sie den nordamerikanischen Markt in Angriff nehmen?

Ambuj Goyal: Wir haben eine starke Technologie entwickelt. Unser Ziel ist es, ein weltweites Fernsehunternehmen zu werden. Und wir werden noch in diesem Jahr in einige weitere Märkte expandieren. Was jetzt ansteht, ist dass wir in Deutschland nicht mehr nur das „alte“ Fernsehen verbreiten. "TV for me" ist eine neue Art von Fernsehen. Sobald wir dadurch positiven Rückenwind erhalten, werden wir damit in weitere Länder gehen. 

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