"FAS" in der Stil-Kritik: Was Zeitungsdesigner vom neuen Layout halten

 

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" gilt als stilbildendes Blatt - weltweit. Aber kann sie mit ihrem neuen Design auch die Experten überzeugen? KRESS hat bei den Zeitungsdesignern Hans Peter Janisch, Stefan Knapp, Norbert Küpper und Eberhard Wolf nachgefragt.

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" gilt als stilbildendes Blatt - weltweit. Aber kann sie mit ihrem neuen Design auch die Experten überzeugen? KRESS hat bei den Zeitungsdesignern Hans Peter Janisch, Stefan Knapp, Norbert Küpper und Eberhard Wolf nachgefragt.

Zwei Ausgaben sind bereits im neuen Design erschienen, die neue Aufmachung trägt die deutliche Handschrift von Art Director Peter Breul. "Die schönste Zeitung der Welt soll noch schöner werden" - so lautet das selbstbewusste Ziel, dass sich Redaktion und Verlag gesetzt haben (kress.de berichtete). Auffällig ist, wie weit weg die neue "FAS" sich von der "FAZ" entwickelt hat, auch beim Um- und Ausbau der Ressorts.

Janisch: "Kein Hinderungsgrund für eine erneute Krönung"

"Die Neugestaltung der FAZ am Sonntag reflektiert sehr schön alle momentan herrschenden Gestaltungstrends von Zeitungen. Das Produkt ist ordentlich, aufgeräumt, vielleicht sogar ein bisschen "über-geordnet", so Hans Peter Janisch gegenüber KRESS. "Luftigkeit und damit auch die Lesbarkeit wurden verbessert, das Hauptgestaltungselement bleibt die Typografie. Diese wird zelebriert in gewünscht langen Artikeln, die oft leider ohne jede den Textfluss störende Zwischenzeile oder Strukturierung dem geneigten Leser präsentiert werden. Große Schriftgestaltung auch auf den Aufschlagseiten der Ressorts. Die im Zuge des Relaunchs auch kräftig durcheinander gewürfelt wurden. Warum 'Geld & Mehr' im Sportteil versteckt werden muss, erschließt sich den meisten Lesern sicher nicht", findet Janisch. Ansonsten lebe diese Neugestaltung vom Detail, wolle Flagge zeigen am umkämpften Sonntag. Das suggeriere der Titel durch die neue Betonung der "Sonntagszeitung". Mit einem eigenen "Fraktur F " als Logo auf der Titelseite und auf der "Meinung". Leichte Farben und vor allem viel mehr dezentes Grau umspielten das neue Gesicht der FAS.

Janischs Fazit: "Ein Beispiel für geschickte und zeitgerechte Umsetzung starker Themen, die auf Firlefanz und unnötige Ablenkung verzichtet. Die Zeitung sah im alten Layout gut aus und ist mit dem leicht veränderten Bild ihrer Linie treu geblieben. Nicht umsonst ist die FAS vielfach als 'Worlds Best Designed Newspaper' ausgezeichnet worden - das neue Layout ist gewiss kein Hinderungsgrund für eine weitere solche Krönung", so Hans Peter Janisch.

Knapp: "Zielvorgaben zu 98% erfolgreich umgesetzt"

"Wenn man das neue Design der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ganzheitlich, mit dem gebührenden Zeitaufwand und sehenden Auges beurteilt - und die Hintergründe der Gestaltung kennt -, gibt es nur ein Urteil: Die Zielvorgaben der Macher - und nur darauf kommt es an - wurden zu 98 Prozent erfolgreich umgesetzt. Denn Ziel war es, nicht weiter die siebte Ausgabe der FAZ zu sein, sondern dem Sonntagsleser zu gefallen, der - von der Werktätigkeit befreit - mit Zeit und Muße Qualitätsjournalismus erleben möchte", so Stefan Knapp, Regionaldirektor der Society for News Design (SND) und Organisator des internationalen SND-Kongresses 2014 in Frankfurt am Main. Und Stefan Knapp ergänzt: "Nun kann man selbstverständlich darüber diskutieren - das betrifft die übrigen zwei Prozent -, ob und wann sich durch die neue und sachlichere Gestaltung, die weitestgehend auf die spielerischen Elemente der vormaligen FAS verzichtet, das gewünschte 'Sonntagsgefühl' einstellt. Das entscheidet jeder Leser selbst. Meinem Sonntag kommt die neue FAS jedenfalls sehr entgegen."

Küpper: "Kommentar auf der Meinungsseite schwer lesbar"

Für den Zeitungsdesigner Norbert Küpper ist der Zeitungskopf die auffallendste Veränderung der Sonntagszeitung aus Frankfurt: "Die zweizeilige Typo und das F links sind weit voneinander entfernt. Rechts bleibt auf jeden Fall Platz für Freisteller, wie zum Beispiel Pinguine. Ansonsten bleibt die FAS sich treu. Viele Fehler hat man früher ja auch nicht gemacht. Allerdings war das Layout in die Jahre gekommen. Vieles wirkte lustlos", so Küpper, Gründer und Veranstalter des European Newspaper Award.

Und fügt hinzu: "Durch die Beibehaltung der Überschriftentype wird Kontinuität signalisiert. Die Typografie wirkt von jeher entspannt und auf Freizeitthemen abgestimmt. Ich empfand Inhalt und Typografie bei dieser Zeitung immer im Einklang." Als "schwer lesbar" beurteilt Küpper den Kommentar auf der Meinungsseite ("sehr breit und endlos lang"): "Der Umgang mit Bildern ist von jeher gut. Sehr gute Bild-Überschrift-Kombinationen und oft witzige Visualisierungen von Themen. Zwischenzeilen und Ergänzungsboxen scheinen aber nicht zum Repertoire dieser Zeitung zu gehören. Aufgrund von Bild, Überschrift und Vorspann/Unterzeile soll der Leser sich also entscheiden, ob er den Artikel liest oder nicht. Da könnte man noch was verbessern."

Küppers Fazit: "Insgesamt folgt die FAS dem Trend zu reduziertem, aufgeräumtem Layout. Bei vielen Zeitungen könnte man noch den Zuckerguss an typografischen Dekorelementen abschlagen, wie beispielsweise überbordende Seitentitel, Rubrikenköpfe mit englischen Linien, kursive Unterzeilen, die schlecht lesbar sind."

Wolf: "Der völlige Verzicht auf Zwischentitel & Zitate in den Texten ist unverständlich"

"Der Relaunch der FAS ist aus handwerklicher Sicht gelungen, aber nicht spektakulär", so Prof. Eberhard Wolf. Wolf unterrichtet unter anderem an der Leipzig School of Media, der Ludwig-Maximilian-Universität München und hat eine Professur für visuelle Kommunikation an der Akademie für Mode und Design/Hochschule Fresenius. Für Wolf steht fest: "Die Titelseite hat durch den markanten Schriftzug 'Sonntags Zeitung' gewonnen. Die Sonntags Zeitung ist nun besser als eigenständiges Produkt sichtbar. Das grüne FAZ-Logo ist im Kontext der Schriftzüge 'FAZ' und 'FAS' allerdings zu viel und störend. Die Vielzahl der Themenankündigungen ist verwirrend, wenn man die Ausgabe vom vergangenen Sonntag sieht", so Wolf, der als Art Director den visuellen Auftritt der Süddeutschen Zeitung und ihrer Beilagen verantwortete, die Infografik aufbaute und die Bildredaktion neu aufstellte.

"Innen ist der Relaunch ein Schritt in Richtung Mutterzeitung", so Wolf: "Die Kluft zwischen der Woche und dem Wochenende ist nun geringer - anders als bei der SZ. In der Vergangenheit hat sich die FAS durch eine ausgewählte Gestaltung von Bild und Text einen Namen gemacht. Die Gestaltung der 'neuen' FAS wirkt nun sehr konservativ. In meinen Augen zu konservativ - aber vielleicht ist das der neue Retrotrend. Unverständlich ist für mich der völlige Verzicht auf Zwischentitel und Zitate in den Texten. Als Leser verspüre ich nicht immer Lust, mich durch die Textwüsten zu kämpfen. Hier hätte ich elegantere Lösungen erwartet."

Was die FAS-Leser sagen

Wie immer bei Veränderungen am Erscheinungsbild von Zeitungen ist auch die Leserschaft der "FAS" gespalten. Auf einer ganzen Seite hat die Redaktion am vergangenen Sonntag Reaktionen veröffentlicht - die reichen von "Chapeau" über "Brutal" bis hin zu "Jawohl, schlimm": "Ihre Zeitung sieht jetzt aus wie jede andere auch. Frisches Design? Eher altbacken und langweilig. Hat mir sogar wirklich den Sonntagslesegenuss getrübt." Eine andere Leserin erklärt: "Wer hat Ihnen denn erzählt, dass sich Ihre Zeitung besser verkauft, wenn Sie die einzelnen Seiten (wie im Internet) durch Werbeaufplopper verunstalten - und vor allem, wie viel hat er dafür bekommen?!". Anders ein Leser: "Glückwunsch zur neuen Sonntagszeitung. Der stärkste Eindruck: Inhalte, die dem Sonntagsinteresse entsprechen. Schon lange nicht mehr habe ich am Sonntagmorgen so lange Zeitung gelesen. Die neue Sortierung passt zu mir. Da stört auch das neue Layout nicht. Form follows function."

Hart umkämpfter Sonntagsmarkt

Bundesweit gibt es die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" seit dem 30. September 2001. Zusätzlich zu der Möglichkeit, auf die "FAZ"-Redaktion zuzugreifen, verfügt die "FAS" auch über ein eigenes Kernteam, die das Blatt prägen. Herausgeber der "FAS" und der "FAZ" sind Werner D’Inka, Jürgen Kaube, Berthold Kohler und Holger Steltzner. Die verkaufte Auflage der "FAS" beträgt 288.123 Exemplare, vor zehn Jahren waren es noch 309.625 Exemplare (IVW 1/2015 zu IVW 1/2005, Minus von 6,94%).

Zum Vergleich: Die vor allem in Baden-Württemberg als siebte Ausgabe von Regionalzeitungen erscheinende "Sonntag aktuell" (Chefredakteur: Christoph Reisinger) hat eine verkaufte Auflage von 556.117 Exemplaren (IVW 1/2015). Die "Welt am Sonntag" (Chefredakteur: Jan-Eric Peters) kommt zusammen mit ihrer Kompakt-Ausgabe auf 400.985 Exemplare (IVW 1/2015). Unangefochtene Marktführerin am siebten Tag der Woche ist die von Marion Horn verantwortete "Bild am Sonntag" mit einer verkauften Auflage von 1.066.033 Exemplaren (IVW 1/2015).

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