Malu Dreyer fordert mehr Kontrolle: "Fall von Gottschalk macht mehr als nachdenklich"

25.06.2015
 

Die Aufsichtsgremien von ARD und ZDF sollen nach Ansicht der Mainzer Ministerpräsidentin Malu Dreyer auch die Tochterfirmen der Sender kontrollieren. "Natürlich machen solche Verträge und die Höhe der Honorare ohne Gegenleistung wie im Fall von Thomas Gottschalk mehr als nachdenklich", sagte die SPD-Politikerin dem Magazin "Cicero (Juliausgabe).

Die Aufsichtsgremien von ARD und ZDF sollen nach Ansicht der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer auch die Tochterfirmen der Sender kontrollieren. "Natürlich machen solche Verträge und die Höhe der Honorare ohne Gegenleistung wie im Fall von Thomas Gottschalk mehr als nachdenklich", sagte die SPD-Politikerin dem Magazin "Cicero (Juliausgabe). "Daher meine Forderung: Die Rundfunkanstalten müssen die Kontrolle durch die Gremien auch auf die Beteiligungsunternehmen ausdehnen."

Der WDR strahlte von Januar bis Juni 2012 gerade mal 70 der geplanten 144 "Gottschalk live"-Folgen aus. Gottschalk bekam dennoch das volle Honorar. Der Vertrag mit dem Entertainer sah nämlich vor, dass die Gesamtgage von 4,6 Mio Euro auch bei Misserfolg fließt. Ausgehandelt hatte das die ARD-Werbegesellschaft WDR mediagroup. Verträge, die die WDR mediagroup abschließt, müssen die Gremien der Anstalten nicht genehmigen. Der WDR-Rundfunkrat verlangt deshalb, künftig auch bei ausschließlich werbefinanzierten Programmvorhaben mitreden zu dürfen (kress.de berichtete).

Der WDR hatte den viel diskutierten Vorgang in einer Stellungnahme so erklärt: "Es wurde ein Honorar für Thomas Gottschalk vereinbart, das aus Sicht der damals Beteiligten seiner Bekanntheit und seinem Marktwert als einer der beliebtesten Moderatoren in Deutschland und der exklusiven Zusammenarbeit Rechnung trug." Und auch auf die "Abbruchkosten" kam man zu sprechen: "In diesen Abbruchkosten, die die Werbetöchter der Landesrundfunkanstalten übernommen haben, war die Fortzahlungdes Honorars des Moderators bis zum Ende der Vertragszeit enthalten", stellte der WDR klar.

"Die Quote darf nicht der alleinige Maßstab sein"

Die Einschaltquote zeige, ob die Bürgerinnen und Bürger das Programm akzeptierten. Sie dürfe aber nicht der alleinige Maßstab sein, so Dreyer im Interview mit "Cicero". "Qualität und Quote schließen sich nicht aus". Dreyer betonte auch, sehr hinter dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk stehe.

Weniger Werbung und Sponsoring gewünscht

Rundfunk ist in Deutschland Sache der Bundesländer, deren Medienpolitik Dreyer koordiniert. Sie vertraute "Cicero" an, es gebe den "starken Wunsch vieler Ministerpräsidentinnen und -präsidenten, den Umfang von Werbung und Sponsoring zu reduzieren." Dreyer kündigt Beratungen darüber an. Eine völlige Werbefreiheit von ARD und ZDF lehnt sie ab: "Das würde die Anstalten finanziell sehr schwächen." Zum Rundfunkbeitrag äußerte sich Dreyer in diesem Zusammenhang so: "Wir wollen, dass es uns gelingt, den Beitrag bis 2020 stabil zu halten, dann schauen wir nach Spielräumen."

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