"Tagesschau"-Moderatorin: Susanne Holst und ihre Nähe zur Techniker Krankenkasse

 

Wie eng ist eigentlich zu eng? Fast ein ganzes Jahrzehnt lang hatte "Tagesschau"-Moderatorin und Gesundheitsjournalistin Susanne Holst eine eigene Kolumne in "TK aktuell", dem Magazin der Techniker Krankenkasse. Sie findet aber, dass diese Kolumne nichts mit ihrer Tätigkeit für die "Tagesschau" zu tun habe. "Es gibt keine Beziehungen zwischen meiner Tätigkeit bei der Tagesschau und der früheren Arbeit als TK-Kolumnistin.

Wie eng ist eigentlich zu eng? Fast ein ganzes Jahrzehnt lang hatte "Tagesschau"-Moderatorin und Gesundheitsjournalistin Susanne Holst eine eigene Kolumne in "TK aktuell", dem Magazin der Techniker Krankenkasse. Sie findet aber, dass diese Kolumne nichts mit ihrer Tätigkeit für die "Tagesschau" zu tun habe. "Es gibt keine Beziehungen zwischen meiner Tätigkeit bei der Tagesschau und der früheren Arbeit als TK-Kolumnistin. Ich schrieb diese Beiträge als freie Medizinjournalistin und Medizinerin, nicht als Nachrichtenmoderatorin", so Holst auf KRESS-Anfrage.

Keine Auskunft zu TK-Honoraren

Die Kolumne im TK-Magazin (von 2005 bis 2014) ist allerdings nicht die einzige Verbindung der ARD-Gesundheitsjournalistin zu einer der größten Krankenkassen in Deutschland. Auf Anfrage teilte Holst mit, sie habe für die TK auch die Gala des "Pulsus"-Gesundheitspreises moderiert. Holst wurde hier mindestens in den Jahren 2013, 2014 und 2015 als Moderatorin gebucht. 2010 gehörte sie der Jury des Preises an. Zudem habe sie für die TK "den Organspendedialog und einige Diskussions-Foren zum Thema 'betriebliches Gesundheitsmanagement' moderiert". Wie bei der TK-Kolumne will Holst auch hier keine Auskunft zu Honoraren geben. Ein TK-Sprecher erklärt, es verstehe sich von selbst, dass von "TK aktuell" beauftragte Journalisten für ihre Arbeit "ein angemessenes Honorar erhalten". Dies gelte "auch für Moderationen".

"Keine Berührungsfelder oder Interessenkonflikte"

Holst moderiert in der ARD die Rubrik "Wissen vor acht - Mensch" in der ARD. Von 2004 bis 2012 war sie Vertretungsmoderatorin in den "Tagesthemen". Die studierte Ärztin präsentierte von 2011 bis 2013 den "ARD-Ratgeber" Gesundheit, von 2004 bis 2005 führte sie durch die wöchentliche Gesundheitssendung "Visite persönlich" im NDR. "Die Gesundheitskolumnen hatten keinen Einfluss auf Reputation und Glaubwürdigkeit von Tagesschau und NDR, da es inhaltlich keine Berührungsfelder oder Interessenskonflikte gab", erklärt die ARD-Journalistin.

Ein Problem darin, gleichzeitig für die ARD-Rubrik "Wissen vor acht - Mensch" und die Techniker Krankenkasse tätig zu sein, sieht Holst, die nach eigener Auskunft auch bei der TK versichert ist, nicht: "Es besteht kein Interessenskonflikt. Die Themen für die Wissensrubrik legt der WDR fest, die Themen der Tagesschau bestimmt die Redaktion von ARD-Aktuell." Auch für den Zeitraum, in der Holst gleichzeitig TK-Kolumnistin und Moderatorin der Gesundheitssendung "Visite persönlich" war, sieht Holst kein Problem: "'Visite persönlich' war keine Gesundheitssendung, sondern ein Gespräch mit einer Person über deren individuellen Krankheits- und Genesungsweg."

Moderation von Pressekonferenzen und Galas

Die ARD-Journalistin arbeitet mit der Hamburger Moderatorenagentur H&S Medienservice, die auch "Medizinjournalismus" anbietet, zusammen. Auf deren Webseite heißt es in einem Profil über die "Tagesschau"-Moderatorin: "Susanne Holst moderiert hochkarätige Symposien, Kongresse, Podiumsdiskussionen, Pressekonferenzen, Jubiläen und Galas". In einem Lebenslauf von Holst auf der Agentur-Homepage werden unter "Specials" auch "Patientenforen" genannt. Auf die Frage, welche Veranstaltungen Holst moderierte, heißt es bei der Agentur: "Dazu geben wir keine Auskünfte." Beim NDR verweist man an Holst, die erklärt: "Dazu äußere ich mich nicht."

Agentur vermittelt auch ARD-Kollegen

Die Firma H&S Medienservice führt auf ihrer Homepage ein ganzes Bündel von ARD- und NDR-Journalisten: Claus-Erich Boetzkes ("Tagesschau"/ARD), Susanne Stichler ("Panorama 3"/NDR, "Nachtmagazin"/ARD), Astrid Frohloff ("Kontraste"/ARD, "Klartext"/RBB), Jörg Boecker ("plusminus"/ARD), Vera Cordes ("Visite"/NDR), Susanne Kluge ("Visite"/NDR) und Julia Westlake ("Kulturjournal", "Bücherjournal"/NDR). Die frühere "NDR Talk Show"-Moderatorin Westlake moderierte den Pulsus-Gesundheitspreis der TK in den Jahren 2005 bis 2011.

Da Holst nicht festangestellt, sondern freie Mitarbeiterin ist, braucht sie sich Nebentätigkeiten nicht genehmigen lassen - eine Praxis, die man hinterfragen müsste. "Gleichwohl ist der Sender von mir darüber informiert worden", so Holst. Das gelte "auch für den publizistischen Bereich". Zum Portfolio der umtriebigen ARD-Journalistin gehören neben Büchern nämlich auch Kolumnen für diverse Medien. So hatte Holst lange Zeit eine Gesundheitskolumne in der Fernsehzeitschrift "Prisma". Artikel von ihr erschienen auch in den Magazinen "Fit for Fun" und "Vital". Bei Holst' Agentur heißt es, man sei im Fall Holst "mit inhaltlichen Recherchen in folgende Kolumnen involviert" gewesen: "vital, BamS, Gesundheitsbild".

Holst-Kollege Thorsten Schröder in aktueller "TK aktuell" präsent 

Am Donnerstag hatte kress.de über einen Kollegen von "Tagesschau"-Moderatorin Susanne Holst und seine vermeintliche Nähe zur Techniker Krankenkasse berichtet: Thorsten Schröder hat sich offenbar für PR der TK einspannen lassen. In der aktuellen Ausgabe des Magazins der Krankenkasse, "TK aktuell", ist ein zweiseitiger Beitrag mit dem "Tagesschau"-Frontmann abgedruckt. Schröder selbst findet nicht, dass der Beitrag auf die "Tagesschau" abfärbt, "weil er nicht für die TK wirbt, sondern für Sport und Bewegung", wie er auf Anfrage erklärte.

Ihre Kommentare
Kopf
Ulf J. Froitzheim

Ulf J. Froitzheim

Redaktionsbüro UJF.biz
Freier Journalist

26.06.2015
!

Erinnert mich an "Journalisten machen keine PR" und den einstigen Netzwerkchef Leif, der aus dem Glashaus mit Steinen warf. Solange Holst in ARD-Beiträgen nichts über Krankenkassen sagt, halte ich das nicht für problematisch. Auch der verlinkte Beitrag zu Thorsten Schröder ist grenzwertig, weil der Autor unbedingt skandalisieren will, dass die TK dessen Buch vorgestellt hat, statt ihn eine Anzeige dafür schalten zu lassen. So argumentieren sonst eher Finanzbeamte ("geldwerter Vorteil").


Carlson Reinhard

26.06.2015
!

Sehr geehrter Marvin Oppong,

nun lassen Sie aber bitte die Kirche im Dorf. In Ihrem Beitrag wird nicht erkenntlich, ob Ihr mehr als unterschwellig vorgebrachter Korruptionsverdacht gegen Frau Holst auch nur einen Hauch an Substanz besitzt. Gut, Sie schreibt ihre Kolumne, gut, sie moderiert Veranstaltungen - und das wahrscheinlich sicher zu einem recht "erfreulichen" Honorar. So what?!
Wollen wir auf Leute wie sie nur noch neidisch sein und alles ohne Ansehen von Person & Fakten gleichbügeln?!


Konrad Meister

26.06.2015
!

Gibt es denn irgendwelche Anzeichen dafür, dass Holst in ihrer journalistischen Tätigkeit zu TK-freundlich berichtet hätte? Falls ja, verstehe ich den Skandal nicht.
Und bei Herrn Schröder: Hat er denn Geld von der TK bekommen?

Falls nein: Warum veröffentlicht Kress.de sowas?


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