Politikmagazin "Frontal21": ZDF braucht neuen Redaktionsleiter

 

Christian Dezer, seit Februar 2014 Leiter von "Frontal21" im ZDF, gibt seinen Führungsjob bei einem der wichtigsten deutschen Investigativmagazine im deutschen Fernsehen auf. Wie ein ZDF-Sprecher gegenüber kress bestätigte,

Christian Dezer, seit Februar 2014 Leiter von "Frontal21" im ZDF, gibt seinen Führungsjob bei einem der wichtigsten deutschen Investigativmagazine im deutschen Fernsehen auf. Wie ein ZDF-Sprecher gegenüber kress bestätigte, hat Dezer um seine Ablösung an der Spitze gebeten.

Dezer, Jahrgang 1960, ist ein erfahrener Reporter: Er leitete beispielsweise auch das ZDF-"Auslandsjournal" und war unter anderem Vertreter des Studioleiters in den ZDF-Studios Magdeburg, Schwerin, Johannesburg, Nairobi, Kairo, Tel Aviv, London und Wien. Vor seinem Wechsel zu "Frontal21" führte Dezer als Redaktionsleiter das mehrfach preisgekrönte Reportageformat "ZDFZoom".

Laut einem ZDF-Sprecher habe Christian Dezer "aus gesundheitlichen Gründen" um seine Ablösung bei "Frontal21" gebeten. Dezer verlässt die Redaktionsspitze nach bestätigten kress-Infos zum 31. August 2015.

Streit um die Einschaltquote

Wie kress erfuhr, hat es in der Vergangenheit auch immer wieder Streit um die Einschaltquote gegeben, die schon länger die Zielvorgabe verfehlt. Um die acht Prozent Marktanteil erreicht das wöchentlich dienstags um 21 Uhr ausgestrahlte "Frontal21" im Moment mit Themen wie "Milliardenpoker um Griechenland - Europa am Scheideweg", "Hass in Halle - eine Region im Griff der Rechten" oder "Verfall macht Schule - Marode Bauten der Bildungspolitik". Interne Zielvorgabe sollen beim ZDF für die Hauptsendezeit aber zehn Prozent sein. Zwar gilt das Magazin weiterhin als eine der ersten Investigativmagazine im deutschen Fernsehen, es leidet aber auch darunter, dass das ZDF am Dienstag im Vorlauf keine Sendungen ausstrahlt, die ein großes Publikum anziehen. "Wäre das Programm um 20.15 Uhr stärker, hätte Frontal21 auch bessere Quoten", sagt ein Insider zu kress.

Der ZDF-Sprecher erklärte am kress.de-Telefon, dass der Sender "natürlich" an "Frontal21" festhalte: "Wir wissen, wie wichtig investigativer Journalismus ist."

Wenig medialer Wirbel

In der Wahrnehmung leidet "Frontal21" auch darunter, dass selbst Meldungen des Rechercheverbundes WDR, NDR und "Süddeutsche Zeitung", die von der "Bild am Sonntag" schon Monate vorher publiziert wurden, wieder als automatische Neuigkeit in der "Tagesschau" landen. Auch Steven Geyer, DuMont-Politikredakteur in Berlin, kritisierte in der "Frankfurter Rundschau" schon früh: „So beweist der erste Scoop des neuen, mächtigen Recherche-Trios zunächst nur seine Marktmacht: Wer direkten Zugriff auf die Tagesschau und eine der größten Zeitungen hat, kann leicht sein Thema auf die Agenda setzen.“

"Frontal21 macht halt nicht so einen Wirbel wie dieser Rechercheblock aus "SZ", WDR und NDR. Dabei haben die ZDF-Kollegen zum Beispiel schon über Probleme beim G36 berichtet, als die meisten Journalisten noch nicht mal wussten, dass das ein Gewehr ist. Und beim Abhören deutscher Firmen durch die NSA waren die auch weit vorne", so ein Insider gegenüber kress.

Peter Frey: "Christian Dezer hat 'Frontal 21' wesentliche Erneuerungsimpulse gegeben."

ZDF-Chefredakteur Peter Frey sagte am Dienstag zu kress: "Christian Dezer hat 'Frontal 21' wesentliche Erneuerungsimpulse gegeben. Die Erzählformen und die Themen des Magazins sind unter seiner Leitung vielfältiger und die optische Qualität größer geworden. Mit der 'ZDFzeit'-Dokumentation über die Deutsche Bank hat er als zuständiger Redakteur die Skandale um Deutschlands größtes Kreditinstitut noch vor dem Rückzug des Vorstands auf den Punkt gebracht."

In einem Interview mit kress hatte "Frontal21"-Moderatorin Ilka Brecht im März zur 500. Sendung betont: "Gerade heute ist vertiefender Journalismus wichtig." Brecht sagte über die Sendung auch: "'Frontal21' hat schon allein deswegen ein eigenes Profil, weil die Sendung - anders als zum Beispiel die ARD-Magazine - 45 Minuten lang ist und im Wochenrhythmus erscheint. Dadurch bieten wir mehr Themen, haben längere Analysen und Hintergründe und können unsere Themen nachhalten und immer wieder auf neue Entwicklungen eingehen. Außerdem haben wir unsere Frontal21-typischen Rubriken: von Anfang an die politische Satire in 'Toll', 'Nachgehakt', in der wir Entwicklungen melden und neuerdings 'Die Zahl', eine Art Kommentar zu Themen, die sich auf den Punkt bzw. auf eine Zahl bringen lassen."

Wer Christian Dezer an der Spitze von "Frontal21" nachfolgen wird, steht laut ZDF-Pressestelle noch nicht fest.

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