"Aus wirtschaftlichen Gründen": Madsack will Druckstandort Hannover komplett schließen

 

Die Mediengruppe Madsack steht vor dem größten Umbau in ihrer Geschichte. Bis 2018 will Madsack-Chef Thomas Düffert (Foto) sein Meisterstück abliefern. Nur Ballast wäre da aus seiner Sicht eine in die Jahre gekommene Druckerei. Ab 2017 will der Konzern die in Hannover erscheinenden Tageszeitungen "HAZ" und die "NP" im gut 30 Kilometer entfernten Rodenberg drucken.

Die Mediengruppe Madsack steht vor dem größten Umbau in ihrer Geschichte. Bis 2018 will Madsack-Chef Thomas Düffert sein Meisterstück abliefern. Nur Ballast wäre da aus seiner Sicht eine in die Jahre gekommene Druckerei. Ab 2017 will der Konzern die in Hannover erscheinenden Tageszeitungen "HAZ" und die "NP" im gut 30 Kilometer entfernten Rodenberg drucken. 170 Mitarbeiter würden ihre Arbeitsplätze verlieren. Die Gewerkschaft Verdi will kämpfen.

"Entscheidung schwer gefallen"

"Die Entscheidung am bisherigen Druckstandort in Hannover nicht zu investieren, ist uns sehr schwer gefallen. Aufgrund der vorhandenen Infrastruktur aus den 70er-Jahren ist jedoch ein Invest wirtschaftlich nicht darstellbar", wird Düffert in einer am späten Montagabend verbreiteten Pressemitteilung zitiert. "Die baulich veralteten und angesichts des gesunkenen Druckvolumens überdimensionierten Gebäude und Anlagen am bisherigen Standort in Hannover hätten im Fall des Fortbetriebs viel zu hohe Investitionen erfordert", so Christoph Rüth, im Madsack-Vorstand für Druckereien zuständig.

Gewerkschaft will kämpfen

Verdi will die Schließung der Traditionsdruckerei in Hannover-Kirchrode dagegen nicht akzeptieren. Über 150 Mitarbeiter, mehr als 90 Prozent der Beschäftigten, sind bei Verdi organisiert. Der Kampf habe gerade erst begonnen, die Mitarbeiter würden "im Rahmen eines betrieblichen Sozialtarifvertrages um Ersatzarbeitsplätze und Qualifizierungen für neue Jobs genauso ringen wie um angemessen hohe Abfindungszahlungen und Altersteilzeitregelungen". Zudem, so die Gewerkschafter: "Auch wenn es in den Printmedien eine Umbruchsituationen gibt - besonders im Zeitungsdruck wegen sinkender Druckauflagen - werden die von Madsack in der gesamten Gruppe produzierten Zeitungen in Höhe von 280 Millionen Exemplaren weiterhin auf Papier gedruckt werden. Madsack setzt 429 Mio. Euro im Vertrieb und Anzeigenmarkt um, der Gesamtumsatz lag laut letzter Konzernbilanz bei 669 Mio. Euro. D.h. 2/3 des Umsatzes werden durch die Druckereien gewährleistet. Madsack lebt vom Printumsatz und muss dieses Geschäft auch künftig qualitativ ausgestalten. Daraus ergeben sich auch die finanzielle Mittel für eine langfristige Digitalstrategie. Wenn heute Madsack 32 MIo. € (von 669 Mio. €) m Digitalgeschäft umsetzt, besagt dies auch, dass noch lange Geld aus dem Printgeschäft erforderlich sein wird. Jede Zukunftsstrategie setzt darauf, dass die Druckereien von Madsack das Kerngeschäft absichern, mehr noch, sie sind sogar dringend erforderlich, um das diversifizierte Printgeschäft erfolgreich zu begleiten."

Oppermann druckte bis 2013 "Die Harke"

Bei der Druckerei Oppermann sollen ab 2017 neben der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", der Zeitung "Neue Presse" Hannover, den Heimatzeitungen der Region Hannover auch die "Hildesheimer Allgemeine Zeitung" gedruckt werden. Laut Madsack erscheinen die Hannoveraner Blätter zukünftig im "Rheinischen Format" (bislang: Nordisches Format). Ob auch andere Madsack-Blätter wie die "Leipziger Volkszeitung" in einem nächsten Schritt in einem kleineren Format erscheinen müssen, war am Abend bei Madsack nicht zu erfahren.

Als Zeitungsverlag verlegt Oppermann auch eigene Anzeigenblätter wie das "Schaumburg Wochenblatt", "Lippe aktuell" oder "Wunstorfer Stadtanzeiger". Bis 2013 wurde auch die Tageszeitung "Harke" aus Nienburg bei Oppermann gedruckt. Laut Madsack-Manager Rüth muss Oppermann für den Druckauftrag aus Hannover "lediglich einen Anbau an die bereits bestehende Druckerei vornehmen und kann zudem - anders als es Madsack beim Fortbetrieb gekonnt hätte - im operativen Druckbetrieb vielfältige Synergien mit der bereits bestehenden Druckerei in Rodenberg heben." Um dem Madsack-Druckauftrag gerecht zu werden, plane die Druckerei Oppermann einen zweistelligen Millionenbetrag in neue Druckmaschinen und Gebäude zu investieren.

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