Die Aufwandsentschädigungen der Aufseher: Was die Rundfunkräte kosten

 

Was bei einem Konzern der Aufsichtsrat ist, sind bei den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten die Rundfunkräte. Sie bestimmen die Senderchefs und achten darauf, dass die Programm-Grundsätze eingehalten werden. Aufwandsentschädigungen sorgen dafür, dass ein Sitz im Rundfunkrat unter Politikern und Verbandsfunktionären beliebt ist.

Was bei einem Konzern der Aufsichtsrat ist, sind bei den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten der Rundfunkräte. Sie bestimmen die Senderchefs und achten darauf, dass die Programm-Grundsätze eingehalten werden. Aufwandsentschädigungen sorgen dafür, dass ein Sitz im Rundfunkrat unter Politikern und Verbandsfunktionären beliebt ist.

Rundfunk ist Ländersache

Deutschland hat keinen Staatsrundfunk, auch wenn Spötter die Sender der ARD, das ZDF und den das Deutschlandradio gerne so bezeichnen. Zu verdanken ist dies dem Bundesverfassungsgericht, das den damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) in die Parade fuhr, als es die Deutschland-Fernsehen GmbH, das so genannte Adenauer Fernsehen, untersagte und festschrieb, das Rundfunk Ländersache sei und in den Gremien der Sender "Repräsentanten aller bedeutsamen politischen, weltanschaulichen und gesellschaftlichen Gruppen" vertreten sein müssen.

Diese Vertreter sitzen in den Rundfunkräten und sorgen dafür, dass die Programm- Grundsätze der öffentlich-rechtlichen Sender eingehalten werden. In das Tagesgeschäft der Sende mischen sie sich so wenig ein wie die Aufsichtsräte es bei Unternehmen tun, doch da sie bestimmen, wer Intendant wird und wer nicht, ist ihr Einfluss beträchtlich. Beträchtlich, und auch da unterscheiden sie sich nicht von klassischen Aufsichtsräten.

Rolle der Rundfunkräte ein Spagat

Fritz Wolf beschreibt in seinem Buch "Im öffentlichen Auftrag" die Rolle der Rundfunkräte als Spagat: "Sie werden zwar von Organisationen und Verbänden als Interessenvertreter benannt, dürfen aber nicht als solche agieren. Der Verfassungsrechtler Dieter Grimm spricht von "Spagat" und "Rollenwechsel", die Rekrutierung laufe über Organisationen. "In den Rundfunkräten sitzen Politiker, Vertreter von Kirchen, Gewerkschaften, Unternehmerverbänden - es ist die alte, kooperatistische Bundesrepublik, die hier fröhliche Urständ feiert. Der Teil der Bevölkerung, die sich nicht in Verbänden organisiert hat, findet sich hier nicht wieder, kann auch praktisch kaum erfasst werden. Aber so entsteht ein Widerspruch zwischen dem Ziel, die Allgemeinheit abzubilden und der Wirklichkeit in den Gremien. Aber bei der Aufgabenwahrnehmung dürften sich die Mitglieder der Gremien nicht als die Repräsentanten derjenigen Interessen verstehen, die ihre Organisationen vertreten. Vielmehr müssten sie einen Rollenwechsel vollziehen und sich hier als die Sachwalter des Gesamtwohls verstehen."

Die Tätigkeit als Rundfunkrat ist unter Politikern und Verbandsfunktionären beliebt. Rundfunkräte stehen selten in der Kritik, die Nähe zu den bekannten Sendern verschafft zusätzliches Renommee und auch die Aufwandsentschädigungen sind zum Teil attraktiv, aber von Land zu Sender zu Sender sehr unterschiedlich.

kress.de hat sich einen Überblick über die Aufwandsentschädigungen der ehrenamtlichen Rundfunkräte verschafft. Hinweis: Die Aufwandsentschädigungen werden monatlich bezahlt. Nur die Sitzungsgelder werden immer pro Sitzung ausbezahlt.

WDR

Mitglied Rundfunkrat: 1035 Euro
Mitglied, das Mitglied in einem Ausschuss ist: 1250 Euro
Stellvertreter/in eines Mitglieds: 475 Euro
Vorsitzende des Rundfunkrats: 3015 Euro
stellv. Vorsitzende des Rundfunkrats: 1985 Euro
Tagesgeld: 15 Euro pro Sitzungstag

Mitglieder im Rundfunkrat sind unter anderem: Ruth Hieronymi, Vorsitzende (CDU); Oliver Keymis MdL (Grüne); Tayfun Keltek (Bürger mit Migrationshintergrund); Andreas Meyer-Lauber (DGB); Petra Windeck (Landesarbeitsgemeinschaft der Familienverbände und Frauenrat NW).

Bayerischer Rundfunk

Mitglied Rundfunkrat: 700 Euro
Vorsitzende des Rundfunkrats: 1400 Euro
stellv. Vorsitzende des Rundfunkrats, Schriftführer, Ausschuss- und Projektgruppenvorsitzende: 825 Euro
Sitzungsgeld: 100 Euro

Mitglieder im Rundfunkrat sind unter anderem: Dr. Lorenz Wolf, Vorsitzender (Katholische Kirche); Inge Aures (SPD); Christa Baumgartner (Verband der freien Berufe); Dr. Otmar Bernhard (CSU); Matthias Fack (Bayerischer Jugendring); Anni Fries (Bayerischer Bauernverband).

SWR

Mitglied Rundfunkrat: 600 Euro
Vorsitzende des Rundfunkrats: 1350 Euro
Stellvertretender Vorsitz des Rundfunkrats: 1050 Euro
Vorsitz von Ausschüssen: 900 Euro

Sitzungsgelder:
Eine Sitzung an einem Tag: 75 Euro,
mehrere Sitzungen an einem Tag: 125 Euro

Mitglieder im Rundfunkrat sind unter anderem: Margit Rupp, stell Vorsitzende (Evangelische Landeskirchen Baden-Württemberg); Karin Augustin (Landessportbund Rheinland-Pfalz); Jürgen Rollin (Landesfamilienrat Baden-Württemberg); Jürgen Walter (Landesregierung Baden-Württemberg); Hans- Joachim Schulze (Dt. Journalistenverband / ver.di Fachgr. Journal. RP); Hermann Wilske (Landesmusikrat Baden-Württemberg)

RBB

Mitglied Rundfunkrat: 350 Euro
Vorsitzender des Rundfunkrats, Vorsitz von Ausschüssen: 410 Euro
Stellvertretender Vorsitz des Rundfunkrats: 590 Euro
Sitzungsgeld: 50 Euro

Mitglieder im Rundfunkrat sind unter anderem: Friederike von Kirchbach, Vorsitzende (Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz); Martin Rennert (Landesrektorenkonferenz Berlin und Landesrektorenkonferenz Brandenburg); Beate Fernengel (Industrie- und Handelskammer Berlin und Industrie- und Handelskammern Brandenburgs); Dieter Pienkny (DGB); Ariane Ullrich (Landeselternausschuss Berlin und Landesrat der Eltern des Landes Brandenburg).

Radio Bremen

Mitglied Rundfunkrat: 21,33 Euro 
Vorsitzender des Rundfunkrats: 128 Euro
Stellvertretender Vorsitz: 96 Euro
Sitzungsgeld: 41 Euro

Mitglieder im Rundfunkrat sind unter anderem: Eva-Maria Lemke-Schulte, Vorsitzende (Stadtgemeinde Bremen); Annette Düring (DGB); Elke Heyduck (Arbeitnehmerkammer); Matthias Dembski (Evangelische Kirche); Mustafa Yavuz (Muslimische Verbände SCHURA, DITIB und VIKZ); Alice Bachmann (Deutsche Journalisten Union).

NDR

Mitglied Rundfunkrat: 589,33 Euro
Vorsitzender des Rundfunkrats, Vorsitz von Ausschüssen: 979,31 Euro
Stellvertretender Vorsitz des Rundfunkrats: 784,94 Euro
Vorsitz von Ausschüssen: 900 Euro
Sitzungsgeld: 63,68 Euro für Mitglied des Rundfunkrat pro Tag
Sitzungsgeld: 123,05 Euro Vorsitzenden des Rundfunkrats sowie Ausschussvorsitzende pro Tag

Mitglieder im Rundfunkrat sind unter anderem: Dagmar Pohl-Laukamp, Vorsitzende (Landesnaturschutzverband Schleswig-Holstein); Ute Schwiegershausen, (Unternehmerverbände Niedersachsen e.V.); Uwe Grund (SPD Hamburg); Ursula Thümler (Landesfrauenrat Niedersachse); Ilka Lochner-Borst (CDU-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern).

MDR  

Mitglied Rundfunkrat: 665,40 Euro
Vorsitzender des Rundfunkrats, Vorsitz von Ausschüssen: 961,30 Euro
Stellvertretender Vorsitz des Rundfunkrats, Ausschussvorsitzende: 813,20 Euro
Sitzungsgeld: 55,47 Euro für Mitglied des Rundfunkrat pro Tag
Sitzungsgeld: 110,94 Euro für Vorsitzenden des Rundfunkrats und der Ausschüsse pro Tag

Mitglieder im Rundfunkrat sind unter anderem: Gabriele Schade, Vorsitzende (Bund für Umwelt und Naturschutz, Thüringen); Horst Saage (Landesbauernverband, Sachsen-Anhalt); Heinz-Joachim Aris (Jüdische Gemeinde, Sachsen); Stefan Gebhardt (Die Linke Landesverband Sachsen-Anhalt); Peter Heinzel (Landesverband der Verfolgten des Naziregimes und der Antifaschistinnen und Antifaschisten Sachsen-Anhalt).

ZDF/Fernsehrat

Mitglied Rundfunkrat: 511,29 Euro
Vorsitzender des Rundfunkrats, Vorsitz von Ausschüssen 1022,58 Euro
Stellvertretender Vorsitz des Rundfunkrats, Ausschussvorsitzende: 766,93 Euro
Sitzungsgeld: 51,13 pro Tag zuzüglich Tagegeld 23,01 Euro

Mitglieder im Fernsehrat sind unter anderem: Vorsitz Ruprecht Polenz, Vorsitzender (CDU); Hans Ulrich Anke (Evangelische Kirche in Deutschland); Marc Jan Eumann (SPD); Reinhard Klimmt (SPD); Gesine Lötzsch (Die Linke); Holger Zastrow (FDP).

Hessischer Rundfunk 

Vorsitzender des Rundfunkrats: 750 Euro
Mitglieder: 500 Euro
Sitzungsgeld: 75 Euro pro Sitzung

Mitglieder im Rundfunkrat sind unter anderem: Jörn Dulige, Vorsitzender (Evangelischen Kirchen); Rolf-Dieter Postlep (Hochschulen); Baldur Schmitt (Volkshochschulverband); Ute Wiegand-Fleischhacker (Beamtenbund); Siegbert Ortmann (Bund der Vertriebenen).

Saarländischer Rundfunk

Vorsitzender des Rundfunkrats: 150 Euro
Stellvertretender Vorsitz des Rundfunkrats: 125 Euro
Sitzungsgeld Rundfunkrat Mitglied: 60 Euro pro Sitzung
Sitzungsgeld Ausschussvorsitzende: 120 Euro pro Sitzung

Mitglieder im Rundfunkrat sind unter anderem: Wolfgang Krause, Vorsitzender (Paritätischen Wohlfahrtsverband); Michael Hilberer (Piraten-Landtagsfraktion); Richard Schreiner (Landwirtschaftskammer); Bettina Jung (Verband der Freien Berufe); Monika Lambert-Debong (Saarländische Natur- und Umweltschutzvereinigung).

Ihre Kommentare
Kopf

Hartmut Klenke

doc.station Medienproduktion GmbH
Produzent

06.07.2015
!

Bekommen die Rundfunkräte das Geld pro Sitzung, pro Monat oder stündlich. Wäre doch gut zu wissen! Denn wenn es pro Sitzung wäre, dass ist das nicht zu viel. Aufsichträte vergleichbarer Unternehmen haben da wesentlich mehr in der Tasche.......


Kay Krüger

06.07.2015
!

... wer in keinem nur denkbaren gesellschaftlichen Kontext organisiert ist, also in keiner Kirche, nicht im Tierschutzverband, in keiner Partei ist, keinem Sport- oder Musikverein, nicht als Gewerkschaftsmitglied und auch nicht bei den Landfrauen
:-) ... der wird in der Tat nicht abgebildet beim repräsentativen Konstrukt "Mikroabbildung der Gesellschaft durch ihre relevanten Gruppen". Allerdings wird er als "Passivraucher" dieses auch nicht vermissen ... oder gar einfordern.


Justus Demmer

Justus Demmer

Rundfunk Berlin-Brandenburg rbb
Leiter Presse und Information

06.07.2015
!

Hallo,
beim rbb ist was falsch, s. rbb-Satzung § 25, Satz 2: "Die Aufwandsentschädigung beträgt für jedes Mitglied monatlich 350,- €, für die/den Stellvertretende/n Vorsitzende/n des Rundfunk- bzw. Verwaltungsrates, jede/n Ausschussvorsitzende/n des Rundfunkrates sowie die/den Vertreter/in im ARD-Programmbeirat monatlich 410 ,- € sowie für die/den Vorsitzende/n des Rundfunk- bzw.Verwaltungsrates monatlich 590,- €. Das Sitzungsgeld beträgt 50,- €."
Beste Grüße,
Justus Demmer


Justus Demmer

Justus Demmer

Rundfunk Berlin-Brandenburg rbb
Leiter Presse und Information

07.07.2015
!

Hallo,
immer noch falsch, also noch mal:
- Aufwandsentschädigung für jedes Mitglied monatlich 350,- €
- Vorsitzende des Rundfunk- bzw.Verwaltungsrates monatlich 590,-
- Stellv. Vorsitz Rundfunk- bzw. Verwaltungsrat, Ausschussvorsitz Rundfunkrat, Vertreter im ARD-Programmbeirat monatlich 410 ,- €
- Sitzungsgeld 50,- €
Merci, Justus Demmer


Stefan Laurin
07.07.2015
!

@Justus Demmer: Sorry, zuviel gelöscht. Danke für den Hinweis! Jetzt müsste es stimmen :-)


Michael Glöckner

Radio Bremen
Pressesprecher

07.07.2015
!

Der Betrag der Aufwandsentschädigung für die Rundfunkratsmitglieder von Radio Bremen ist falsch. Der ausgewiesene Betrag ist mit 256 Euro pro Monat angegeben. Richtig ist, dass die Bremer Rundfunkratsmitglieder 256 Euro im Jahr ! erhalten. Zudem fehlt bei Radio Bremen im Gegensatz zu allen anderen Rundfunkanstalten der Name der Rundfunkratsvorsitzenden: Eva-Maria Lemke-Schulte, Vorsitzende (Stadtgemeinde Bremen). Besten Dank für die Korrektur im Voraus. Michael Glöckner, Radio Bremen Presse


Michael Glöckner

Radio Bremen
Pressesprecher

08.07.2015
!

Besten Dank für die prompte Richtigstellung an das kress-Team! Michael Glöckner, Radio Bremen Presse


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