"Das kann immer noch platzen": ProSieben und Axel Springer sprechen über Fusion

 

So viel steht fest - weder bei Axel Springer noch bei ProSiebenSat1 werden die Vorstände am Montagabend in Sektlaune verfallen sein, als das "Wall Street Journal" zuerst meldete, dass die Konzerne über eine Fusion sprechen. Niemand wisse, ob die Gespräche erfolgreich verliefen, sagte ein ProSieben-Mann am Abend zu kress:

So viel steht fest - weder bei Axel Springer noch bei ProSiebenSat1 werden die Vorstände am Montagabend in Sektlaune verfallen sein, als ausgerechnet das "Wall Street Journal" zuerst berichtet hat, dass die Konzerne über eine Fusion sprechen. Niemand wisse, ob die Gespräche erfolgreich verliefen, sagte ein ProSieben-Mann am Abend zu kress: "Das kann immer noch platzen."

Wie "Wall Street Journal" und im Anschluss auch Bloomberg und Reuters berichteten, sollen die Gespräche 1.) ganz am Anfang und 2.) diesmal Axel Springer Junior-Partner eines möglichen Zusammenschlusses sein.

Gegenüber kress bestätigte am Abend ein ProSieben-Manager, der nicht genannt werden möchte, dass es Gespräche zwischen beiden Häusern gebe. Jedoch sei es noch viel zu früh, um abzusehen, ob sie auch tatsächlich erfolgreich verlaufen würden: "Das kann immer noch platzen." Zudem müsse am Ende auch das Bundeskartellamt den Deal genehmigen. Würde der Zusammenschluss gelingen, kämen zukünftig "Bild" (Chefredakteur: Kai Diekmann), "Welt" und "N24" (Chefredakteur: Jan-Eric Peters), ProSieben (Geschäftsführer: Wolfgang Link), SAT1 (Geschäftsführer: Nicolas Paalzow), Kabel1 (Geschäftsführerin: Katja Hofem) oder sixx (Geschäftsführerin: Eun-Kyung Park) aus einem Haus. Weder Axel Springer noch ProSieben waren am späten Montagabend für offizielle Stellungnahmen erreichbar.

Schon einmal standen die Unternehmen vor einem Zusammenschluss. Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) und die KEK (Kommission für die Ermittlung der Konzentration im Medienbereich) hatten 2006 die für die Übernahme der ProSiebenSat.1 Media AG erforderliche medienkonzentrationsrechtliche Unbedenklichkeitsbestätigung verweigert. Damals wollte Axel Springer für die Sendergruppe ProSiebenSat1 vier Milliarden Euro auf den Tisch bezahlen.

Axel Springer klagte durch - und gewann Anfang 2014 in letzter Instanz vor dem Bundesverwaltungsgericht. Das erklärte die KEK-Verweigerung für rechtswidrig.

Neuer Versuch zehn Jahre danach

Jetzt könnten beide Unternehmen einen neuen Versuch starten. Der geschätzte Marktwert von AxelSpringerProSiebenSat1 beträgt rund 14,4 Milliarden Euro. Axel Springer ist ist an der Börse derzeit 4,7 Milliarden Euro wert, ProSiebenSat.1 liegt bei etwa 9,7 Milliarden Euro. Die Börse goutiert das Versprechen auf potenzierte Größe offensichtlich - nachbörslich legte die Aktie von Axel Springer SE um acht Prozent zu, ProSiebenSat1 um vier Prozent.

Zusammenschluss würde Vorstandsumbau bedeuten

Ein Zusammenschluss würde auch einen Umbau im Vorstand mit sich bringen. Neben Mathias Döpfner als CEO gehören dem Vorstand von Axel Springer Jan Bayer (Vorstand Bild- und Welt-Gruppe), Julian Deutz (Vorstand Finanzen und Personal) auch Andreas Wiele (Vorstand Vermarktungs- und Rubrikenangebote) an. Bei ProSiebenSat1 hat der Aufsichtsrat gerade erst den Vertrag von CEO Thomas Ebeling bis 2019 verlängert. Dem Vorstand gehören außerdem Gunnar Weidenfeld (Finanzen), Conrad Albert (Legal, Distribution & Regulator Affairs), Christian Wegner (Digital & Adjacent) auch Ralf Schremper (Corporate Strategy & Investments) an. Wer von ihnen am Ende in welcher Funktion noch dabei wäre, wäre zum aktuellen Zeitpunkt absolute Spekulation.

97,7 Prozent der Stammaktien der ProSiebenSat.1 Media AG befinden sich seit Ende Mai 2015 im Streubesitz, bei Axel Springer befinden sich 39,8 Prozent im Streubesitz. Friede Springer hält direkt und über ihre Axel Springer Gesellschaft für Publizistik 57 Prozent an Axel Springer, Springer-Boss Döpfner besitzt persönlich 3,1 Prozent an Axel Springer.

Springer: "Spekulationen bezüglich der Abgabe [der] Kontrolle entbehren jeder Grundlage"

Axel Springer gab zu den angeblichen Fusionsgesprächen mit ProSiebenSat.1 am Dienstagvormittag folgende Stellungnahme ab: "Auch wenn sich die Axel Springer SE zum Wahrheitsgehalt von Marktspekulationen grundsätzlich nicht äußert, gilt: Die Axel Springer SE arbeitet unverändert an der Umwandlung der Rechtsform des Unternehmens in eine KGaA mit dem Ziel, die Kontinuität der Kontrolle durch die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH & Co./Friede Springer langfristig sicherzustellen und Wachstumsoptionen zu erschließen. Deswegen entbehren Spekulationen bezüglich der Abgabe dieser Kontrolle jeder Grundlage."

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