IP-Chef Matthias Dang im kress.de-Interview: "Ich finde es schade, dass Stefan Raab geht"

 

Matthias Dang, Chef des RTL-Gruppen-Vermarkters IP Deutschland, hat kräftig umgebaut und die Trennung im Verkauf aufgehoben. Im exklusiven Gespräch mit kress.de bilanziert er. "Es gibt jetzt keinen TV-ler und keinen Onliner mehr, wir ziehen an einem Strang, um der beste Videovermarkter zu sein", so Dang. Seine Kollegen von der SevenOne bemitleidet er sogar ein wenig. "Stefan Raab hat tolle, innovative Ideen für das Fernsehen entwickelt und insofern die Gattung bereichert. Ich finde es schade, dass er geht."

Matthias Dang, Chef des RTL-Gruppen-Vermarkters IP Deutschland, hat kräftig umgebaut und die Trennung im Verkauf aufgehoben. Im exklusiven Gespräch mit kress.de bilanziert er. "Es gibt jetzt keinen TV-ler und keinen Onliner mehr, wir ziehen an einem Strang, um der beste Videovermarkter zu sein", so Dang. Seine Kollegen von der SevenOne bemitleidet er sogar ein wenig. "Stefan Raab hat tolle, innovative Ideen für das Fernsehen entwickelt und insofern die Gattung bereichert. Ich finde es schade, dass er geht."

Nach einem radikalen Change-Prozess führt Matthias Dang die neu ausgerichtete IP als Geschäftsführer. An seiner Seite steht Paul Mudter, zuletzt zuständig für Interactive, nun Geschäftsleiter Operations. Der bisherige Geschäftsleiter Marketing/Produkt, Julian Weiss, übernimmt das Marketing der Mediengruppe RTL Deutschland (kress.de berichtete). 

Im Gespräch mit kress.de erklärt Matthias Dang, welche Vorteile das neue Vermarktungsmodell bietet, wie sich die IP-Preise entwickeln werden - und wie sehr er es bedauert, dass Stefan Raab der Münchner Sendergruppe den Rücken kehrt. In der RTL-Welt wird Raab - trotz Kölner Nähe - allem Anschein nach nicht wieder auftauchen. Weiten Teilen der Brainpool-Belegschaft wurde bereits die Kündigung ausgesprochen, der letzte Raab-Auftritt bei ProSieben erfolgt kurz vor Weihnachten.

"Stefan Raab stand nicht nur für ProSieben"

kress.de: Herr Dang, Ihr Münchner Mitbewerber hat derzeit einige Baustellen. Wie schnell wird es Ihnen gelingen, an der SevenOne ohne Stefan Raab wieder vorbeizuziehen und die Marktführerschaft als Familie zu erringen?

Matthias Dang: Das als Vermarkter zu kommentieren, finde ich schwer. Stefan Raab hat tolle, innovative Ideen für das Fernsehen entwickelt und insofern die Gattung bereichert. Ich finde es schade, dass er geht. Er stand nicht nur für ProSieben – er stand fürs Fernsehen allgemein. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass er nichts mehr in dieser Richtung macht. Aber vielleicht läuft er mir in Köln mal über den Weg, dann frage ich ihn. (lacht)

kress.de: Schon bald stehen wieder die neuen Agentur- und Kundengespräche an. Wie gut fühlen Sie sich gewappnet?

Matthias Dang: Wir stellen ja gerade die Programme für die nächste Season vor – da kommt erfreuliches Feedback – und steigen damit dann Ende August in die Jahresgespräche für 2016. Sehr schön finde ich, dass Video-Bewegtbild und Fernsehen so positiv besetzt sind. Wir befinden uns vier Jahre hintereinander im Plus. Auf der Welle schwimmen wir weiter.

"Wir treiben lieber, als dass wir getrieben werden"

kress.de: Sie haben in den vergangenen Wochen die Strukturen der IP stark umgebaut. Warum war diese Neuausrichtung nötig und was erhoffen Sie sich mittelfristig davon?

Matthias Dang: Wir sind bei Marktentwicklungen immer gern vorn, wir treiben lieber, als dass wir getrieben werden. TV, Online und Mobile sind nicht mehr trennscharf – unsere Inhalte finden ja inzwischen auf allen Plattformen und über alle Verbreitungswege statt. Dass wir an diese neue Welt auch unsere Aufstellung anpassen würden, war absehbar, wir wollten aber auch nicht zu weit vor unseren Marktpartnern sein. Heute haben viele Agenturen und Kunden ganz ähnliche Überlegungen, insofern sind wir jetzt den Schritt gegangen, uns ganz auf "Fourscreen" auszurichten.

"Es wird natürlich noch ruckeln"

kress.de: Wie sehen die ersten Erfahrungen aus der Arbeit in der neuen Struktur aus? Fällt den Mitarbeitern die Neuakzentuierung schwer?

Matthias Dang: Der Umbruch ist natürlich spürbar, kam aber für keinen IP-ler überraschend: Wer "Fourscreen" draufschreibt, muss auch "Fourscreen" leben. Das Organisatorische – von den Umzügen bis hin zur Meetingstruktur – ist erledigt, jetzt geht es ans operative Geschäft. Da wird es natürlich noch ruckeln, aber das sehe ich auch positiv. Wir verabschieden uns nur von alten Strukturen und finden neue, effektivere, wenn wir die "alte" Denke hinterfragen. Es gibt jetzt keinen TV-ler und keinen Onliner mehr, wir ziehen an einem Strang, um der beste Videovermarkter zu sein. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir zum Start der Verhandlungen schon sehr gut in der neuen Struktur arbeiten.

kress.de: Nehmen Sie mit der Zusammenführung von TV- und Online-Vermarktung die tatsächlichen Marktentwicklungen nicht etwas arg früh voraus?

Matthias Dang: Wir sind zwar vorn, aber nicht zu weit weg von den anderen: Auf Kundenseite wird schon ganzheitlich gedacht und geplant, auf Agenturebene mindestens in den strategischen Bereichen. Auch die Forschung betrachtet TV, Online und Mobile im Videobereich seit einiger Zeit als eins, und die AGF hat den Standard für die Videomessung schon auf den Weg gebracht.

kress.de: Wie kommt Ihr neues Vermarktungsangebot bislang bei den Kunden an und wo möchten sie in den nächsten Wochen noch nachjustieren?

Matthias Dang: Für Kunden bleibt unser Angebot bestehen, manche bekommen allerdings einen neuen Ansprechpartner. Unsere neue Struktur und die Idee dahinter wurden durchweg positiv kommentiert.

"Nicht nur auf der Brutto-, sondern auf der Netto-Ebene durchsetzen"

kress.de: Wie werden sich denn die Preismodelle in der nächsten Saison entwickeln?

Matthias Dang: Wir fahren ja jedes Jahr einen gewissen Inflationsausgleich. Ich gehe davon aus, dass es Inflation auf bescheidenem Niveau auch im nächsten Jahr geben wird. Für eine Aussage darüber, wie genau sich unsere Preise entwickeln werden, ist es noch zu früh. Wichtig ist ja, dass wir unsere Vorstellungen nicht nur auf der Brutto-, sondern vor allem auf der Netto-Ebene durchsetzen.

kress.de: Für TV und Online wird es ja trotz aller Zusammenführungen weiter unterschiedliche Preislisten geben, oder?

Matthias Dang: Unsere unterschiedlichen Preismodelle werden weiterhin bestehen bleiben. Im Online-Bereich gibt es ja ohnehin nicht nur ein Preismodell. Wir diskutieren mit unseren Kunden die unterschiedlichsten Fragen – vom normalen Rabatt-Modell, über Programatic- und Real-Time-Bidding-Lösungen bis hin zu Versteigerungsthemen. Im Fernsehen gibt es im Prinzip ein Preismodell – und links und rechts des Hauptweges kommen noch ein paar Kleinigkeiten hinzu. Jeder Verkäufer, der mit Kunden und Agenturen spricht, hat eine ganze Palette an Angeboten im Gepäck, zunächst geht es aber um die Frage: Wie viel machen wir eigentlich miteinander?

Anteil von Nicht-Linearem soll sich verdoppeln

kress.de: Wenigstens in Ihrer Bilanzbuchhaltung werden die Zahlen dann ja wieder eindeutig. Wie sieht denn das Umsatzverhältnis zwischen dem weiterhin starken Brocken klassischer TV-Werbung und dem Nicht-Linearen aus und wie wird es sich mittelfristig für Sie entwickeln?

Matthias Dang: Das Nicht-Lineare liegt unterhalb von 10 Prozent. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Anteil in den nächsten drei bis fünf Jahren verdoppeln wird.

kress.de: Aber doch hoffentlich nicht nur zu Ungunsten von TV?

Matthias Dang: Zum Glück sehen hier die Prognosen für uns sehr gut aus: Wir werden auch im Fernsehen wieder eine positive Entwicklung in den nächsten fünf Jahren haben. Video wird zwar deutlich stärker wachsen, Fernsehen aber auch.

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