Wer alles schon Ärger hatte: Dauerzündstoff Journalisten-Nebenjobs

 

Mehr als einmal haben Nebentätigkeiten von Journalisten der Öffentlich-Rechtlichen für Schlagzeilen und Diskussionen gesorgt. Das Problem: Moderatoren bekannter Sendungen werden stets so sehr mit einer Sendung in Verbindung gebracht, dass eine Nebentätigkeit nicht mehr losgelöst von ihrer Tätigkeit für die Öffentlich-Rechtlichen betrachtet wird - auch wenn sie Interessenkonflikte mit sich bringt.

Mehr als einmal haben Nebentätigkeiten von Journalisten der Öffentlich-Rechtlichen für Schlagzeilen und Diskussionen gesorgt. Das Problem: Moderatoren bekannter Sendungen werden stets so sehr mit einer Sendung in Verbindung gebracht, dass eine Nebentätigkeit nicht mehr losgelöst von ihrer Tätigkeit für die Öffentlich-Rechtlichen betrachtet wird - auch wenn sie Interessenkonflikte mit sich bringt.

Die Bildschirm-Präsenz können Moderatoren zu viel Geld machen, wenn sie Unternehmensgalas oder die Eröffnung eines Autohauses präsentieren oder Events großer Unternehmen. Über den früheren "Tagesthemen"-Moderator und heutigen WDR-Intendanten Tom Buhrow wurde berichtet, dass seine Agentur beim Internationalen Kapitalmarktforum der Deutschen Bank auf der Auszahlung des Gesamthonorars in Höhe von 20.000 Euro bestand, obwohl die Veranstaltung abgesagt worden war.

Viele Moderatoren bekannter Nachrichtensendungen sind freie Mitarbeiter und müssen sich Nebentätigkeiten nicht genehmigen lassen. Untersagen kann man freien Mitarbeitern anderweitige Tätigkeiten nicht. Jeder Moderator einer bekannten Sendung in ARD und ZDF weiß jedoch, dass sich sein Marktwert bei bezahlten Moderationen nicht zuletzt auch aus seiner Tätigkeit für die Öffentlich-Rechtlichen generiert. Wenn ARD und ZDF ihre Moderatoren zu Festangestellten machen würden, wäre das Risiko von Interessenkonflikten wohl geringer.

Was Nebentätigkeiten angeht, hat jeder Sender eigene Regeln, manche sind öffentlich, manche nicht. Der NDR, der für ARD-aktuell und damit für "Tagesschau" und "Tagesthemen" zuständig ist, hat eine Dienstanweisung für die Beschäftigung freier Mitarbeiter, einen Verhaltenskodex für Mitarbeiter im NDR und eine Dienstanweisung gegen Korruption, in der ebenfalls etwas zu Nebentätigkeiten steht. In der Dienstweisung für freie Mitarbeiter ist geregelt, dass freie Mitarbeiter nicht beschäftigt werden dürfen, "wenn die Besorgnis besteht, dass durch Tätigkeiten außerhalb des NDR, insbesondere für konkurrierende kommerzielle Veranstalter sowie in der Werbung, Interessen des NDR beeinträchtigt werden". Was die "Interessen des NDR" sind, kann unterschiedlich ausgelegt werden.

In der Korruptions-Dienstanweisung des NDR heißt es: "Mitarbeiter, die regelmäßig Nachrichtensendungen oder Sendungen zum politischen Zeitgeschehen präsentieren, dürfen nicht in der Hörfunk- oder Fernsehwerbung, beim Sponsoring oder beim Teleshopping auftreten." Ähnlich handhabt es auch der SWR.

Seit Jahren gelangen trotz aller Regeln immer wieder Fälle in die Medien, in denen Nebentätigkeiten von Moderatoren der Öffentlich-Rechtlichen für Schlagzeilen sorgen. Kress.de hat zehn problematische Nebentätigkeiten gesammelt - von problematischen Moderationsaufträgen über Werbepartnerschaften, die es bis ins Programm schafften bis hin zu wahren Korruptionsfällen.

Jürgen Emig

Der Ex-Sportchef des Hessischen Rundfunks schloss Sponsoring-Verträge zwischen Veranstaltern ab. Dabei floss Geld nicht an den HR, sondern an eine Firma, an der Emigs Frau stille Teilhaberin war. Von mehr als 300.000 Euro war damals die Rede. Emig wurde als Amsträger wegen Untreue, Bestechlichkeit und Beihilfe zur Bestechung zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.

Wilfried Mohren

Der frühere MDR-Fernsehsportchef Mohren hatte über Jahre am MDR vorbei Geld von Sponsoren kassiert. Mit dem Sponsor eines Hallen-Fußballturniers, über das der MDR berichtete, hatte Mohren einen Beratervertrag. Die Staatsanwaltschaft warf Mohren vor, "Sendungen des MDR verkauft und sich so ein erhebliches dauerhaftes Einkommen verschafft zu haben". Am Ende wurde er wegen Bestechlichkeit zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Mitte Juni berichtete "Bild", Mohren sei jetzt Busfahrer in Leipzig.

Doris Heinze

Die frühere NDR-Fernsehspielchefin schob unter Pseudonym ihrem Arbeitgeber Drehbücher zu, die sie selbst oder ihr Mann verfasste hatte. Von einem Gericht wurde sie dafür zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre gefordert, dann hätte Heinze ins Gefängnis gemusst.

Andrea Kiewel

Die ZDF-Moderatorin machte bei "Kerner" Schleichwerbung für "Weight Watchers". Dabei erwähnte Kerners Kollegin den Namen so häufig, dass sogar Kerner in der Sendung eine mögliche Zusammenarbeit zwischen Kiewel und "Weight Watchers" ansprach. Kiewel hatte eine PR-Kooperation mit Weight Watchers Deutschland abgeschlossen und moderierte eine Diskussionsrunde für "Weight Watchers".

Thomas Gottschalk

Gottschalk war nicht nur Moderator von "Wetten, dass..", sondern seit 1991 auch Markenbotschafter des Süßwaren-Unternehmens Haribo. Das brachte ihm sogar einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde. Über die Jahre war immer wieder Thema, dass die Goldbären in der öffentlich-rechtlichen Sendung "Wetten, dass.." auf dem Tisch standen. Später stand die von Gottschalks Bruder gegründete Firma Dolce Media wegen Schleichwerbung in "Wetten, dass.." im Gerede.

Hademar Bankhofer

Der selbsternannte Medizin-Experte Hademar Bankhofer pries über Jahre verdeckt die Produkte der Klosterfrau-Gruppe an. Der Verdacht, er habe Schleichwerbung im ARD-Morgenmagazin gemacht, löste eine Untersuchung des WDR aus, die den Verdacht nicht bestätigte. Dennoch beendete der WDR seine Zusammenarbeit mit Bankhofer. Wegen eines Beratervertrages mit Klosterfrau bestünden erhebliche Interessenkonflikte.

Anja Kohl

Die ARD-Börsenmoderatorin moderierte auch für DAX-Firmen, Banken und Atomindustrie. Kohl erklärte erst, nicht für Unternehmen tätig gewesen zu sein, die auch Gegenstand ihrer Berichterstattung sind. Nach Aussage eines Sprechers von Kohls Arbeitgeber, dem Hessischen Rundfunk, informierte Kohl ihren Redaktionsleiter Michael Best von jeder ihrer Nebentätigkeiten. Best, Leiter der HR-Redaktion Fernsehen Börse, ließ sich von derselben Agentur wie Kohl als Referent vermitteln.

Johann Lafer

In der ZDF-Sendung "Lafer! Lichter! Lecker!" war eine Küchenmaschine von Kenwood zu sehen. Das Logo war zu erkennen, obwohl die Regeln vorsehen, dass es abgedeckt sein muss. Lafer war Markenbotschafter von Kenwood. Auch ein Wok der Firma WMF, deren Reklamepartner Lafer war, kam zum Einsatz. Darüber hinaus verwendete Lafer seltene Zutaten wie "Tasmanischen Leatherwoodhonig", die es auch in der Johann-Lafer-Selection zu kaufen gab.

Werner Sonne

Der ARD-Hauptstadtkorrespondent Werner Sonne moderierte mehrere Diskussionsrunden mit Gesundheitspolitikern beim Lobbyverband der Krankenhausbetreiber und eine Konferenz unter Schirmherrschaft von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP). Die Moderation standen nicht im Einklang mit Anforderungen einer internen Mitteilung, die WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn ausgegeben hatte. Die WDR-Chefredaktion prüfte den Fall, sah dann jedoch "keinen Widerspruch".

Maybrit Illner

In der Debatte um die Nebentätigkeiten von Journalisten forderte die ZDF-Moderatorin Maybrit Illner im Spiegel einen "Kodex, auf den sich alle verpflichten". Sie selbst habe "ein paar sehr klare Regeln", unter anderem moderiere sie nur Veranstaltungen, die nicht nur einen Finanzier haben. Dann kam heraus: Illner moderierte auf zumindest einer Veranstaltung, die nur einen einzigen Finanzier hatte: Ein Event der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Die Lobbyinitiative machte Schleichwerbung in der ARD-Serie "Marienhof".

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