Neue Zentrale: Funke plant in Berlin die "skalierbare Redaktion"

 

Funkes neue Zentralredaktion nimmt langsam Gestalt an. Zwischen Friedrichstraße und Gendarmenmarkt erstreckt sich das Berlin-Büro über einen ganzen Häuserblock. 130 Mitarbeiter werden hier ab September schreiben, Apps programmieren und ein Start-up züchten.

Es ist ein denkbar knapper Zeitplan: Anfang August kommt die Inneneinrichtung, ab 10. August beginnen die ersten Redakteure. Nach einem dreiwöchigen Testlauf liefern sie überregionale Politik-, Wirtschafts- und Ratgeber-Themen für "Berliner Morgenpost" und "Hamburger Abendblatt" – die Belieferung der Ex-Springer-Titel durch die "Welt" endet zum 1. September. "Just in time", sagt Chefredakteur Jörg Quoos, der wegen langer Kündigungsfristen noch nicht mit komplettem Team starten wird. Geplant sind 51 redaktionelle Stellen – eingeschlossen Autoren, Koordinatoren, Assistenz und Layout.

Redaktion sucht externe Kunden

Von Funkes Digitalsparte ziehen 60 Produktmanager und Programmierer in den Komplex um, Funkes Start-up Watchmi bringt weitere 15 bis 20 Mitarbeiter ein.

Die Redaktion will als nächstes nicht nur Funkes NRW- und Thüringen-Titel sowie die "Braunschweiger Zeitung" beliefern – sie sucht auch Kunden außerhalb der Mediengruppe. "Die Zentralredaktion ist angelegt als skalierbares Modell. Wir sind offen für weitere Kunden intern wie extern", sagt Andreas Schulte, der als Leiter Innovationsmanagement zu den Chef-Planern gehört. Im Haus bleiben auch mit 130 Mitarbeitern zu Beginn noch Freiräume für weitere Schreibtische.

Einige Essener bleiben auf der Strecke

Aus der Essener Funke-Zentrale wechseln einige Mitarbeiter nach Berlin, der 2009 aufgebaute Content Desk wird dicht gemacht. Chefredakteur Quoos konnte aber weniger Leute als erhofft zum Umzug bewegen, sagt er und betont: "Das Projekt lautet nicht, NRW entkernen und unwichtig machen, sondern: Einem starken Standbein im Regionalen wird ein starkes Standbein in der Hauptstadt hinzugefügt." Dennoch ist in Essen gewaltig Druck im Kessel. Mitarbeiter fühlen sich übergangen, einige bleiben auf der Strecke. Funke-Sprecher Tobias Korenke rechnet auf kressreport-Nachfrage nicht damit, dass alle einen Job bei "WAZ", "Westfalenpost" und im neuen zentralen Sport-Team finden werden.

Was die DuMont-Hauptstadtredaktion und Madsacks Redaktionsnetzwerk Deutschland der neuen Funke-Einheit entgegensetzen, warum Quoos und Schulte Print weiterhin getrennt von Online denken und was Digital-Chef Thomas Kloß plant, lesen Abonnenten im aktuellen kressreport 13.15, der am 10. Juli erscheint. Hier geht's zum Abo.

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