"FAZ" stärkt Berichterstattung aus Griechenland: Michael Martens berichtet zukünftig aus Athen

 

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die eines der besten und größten Korrespondentennetze einer Tageszeitung weltweit unterhält, schickt ihren preisgekrönten Autoren Michael Martens nach Athen.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die eines der besten und größten Korrespondentennetze einer Tageszeitung weltweit unterhält, schickt ihren preisgekrönten Autoren Michael Martens nach Athen. Martens hat bislang seinen Dienstsitz in Istanbul.

Gebürtiger Hamburger

Michael Martens, Jahrgang 1973, kam 2001 in die Nachrichtenredaktion der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Davor war der gebürtige Hamburger unter anderem Redakteur der "St. Petersburgischen Zeitung", der ältesten deutschsprachigen Auslandszeitung. Martens berichtet seit 2009 von Istanbul aus für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Herausgeber: Werner D'Inka, Jürgen Kaube, Berthold Kohler und Holger Steltzner).

"FAZ"-Sprecherin Franziska Kipper bestätigte kress auf Anfrage, dass Martens zukünftig seinen Dienstsitz in Athen haben wird. Nach kress-infos geht es offiziell bereits am 1. August los. Martens wird dann zukünftig aus der griechischen Hauptstadt über die Entwicklungen in der Türkei, Griechenland, Zypern, Bulgarien, Serbien, Kosovo, Mazedonien sowie Bosnien und Herzegowina berichten.

Martens gilt als kritischer Kopf, exzellenter Reportagenschreiber und intimer Kenner der Region. Die vergangenen Wochen verging kein Tag, an dem nicht täglich mindestens ein Artikel über Griechenland aus seiner Feder in der "FAZ" erschien. Am Mittwoch sind es gleich drei Berichte, an denen er mindestens mitgearbeitet hat. Zudem gelang es Martens, dem früheren griechischen Finanzminister Giannis Varoufakis für die FAZ zu interviewen ("Europa hat beschlossen, uns zu erpressen").

Tsipras warf Martens raus - "zu freche Fragen"

Das Interview sorgte in Griechenland und Deutschland für große Aufregung. In Deutschland, weil der Politiker Klartext redete. In Griechenland, weil Martens im Sommer 2013 über einen Streit mit dem damaligen Oppositionspolitiker und heutigen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras berichtete ("Und willst du nicht mein Bruder sein") - Alexis Tsipras hatte Martens schon nach acht Minuten aus dem Büro geworfen, seitdem galt Martens für seine Partei Syriza als Journalist, den man mied. Später beschwerte sich Syriza sogar bei den FAZ-Herausgebern über den erfahrenen Journalisten. Martens sagte damals Newsroom.de auf die Vorwürfe, er hätte den Politiker "verhört": "Frechheit ist keine journalistische Tugend. Den damaligen griechischen Wirtschaftsminister Chrysochoidis, der einen Mordanschlag überlebt hatte, fragte ich im Februar 2012 zum Einstieg in ein Interviews ganz vorsichtig, wie er als Mensch mit dem enormen Druck umgehe, der heutzutage auf jedem griechischen Regierungspolitiker lastet. Normalerweise lege ich besonders scharfe Fragen auch nicht an den Anfang, sondern irgendwo in die Mitte oder an das Ende eines Gespräches, wenn die Gesprächspartner schon denken, da komme nichts mehr. Nun ist Tsipras aber ein Politiker mit einer dermaßen scharfen Zunge, dass ich glaubte, wer so austeilen kann, knicke auch nicht gleich ein, wenn unangenehme Fragen kommen. Ich dachte, jemand wie Tsipras könne damit umgehen. Ein Irrtum."

Türkei begehrter Korrespondentenplatz

Die Türkei gilt seit Sommer 2013 als eines der schwierigsten Korrespondentenplätze der Welt, der Druck auf Journalisten ist enorm. Noch berichten aber zahlreiche deutsche Medien von Istanbul aus über die Region. So beobachtet der frühere "taz"-Redakteur Deniz Yücel für die "Welt"-Gruppe (Chefredakteur: Jan-Eric Peters) die Türkei aus Istanbul, Hasnain Kazim schreibt für "Spiegel" und "Spiegel Online" (Chefredakteur: Klaus Brinkbäumer, SPON: Florian Harms), Can Merey verantwortet das Büro der Deutschen Presse-Agentur (Chefredakteur: Sven Gösmann), Reinhard Baumgarten und Thomas Bormann (beide SWR) recherchieren für den ARD-Hörfunk, Michael Schramm ist Studioleiter im ARD-Studio Istanbul, Jürgen Gottschlich ist Korrespondent für die "taz" (Chefredakteur: Andreas Rüttenauer), Mike Szymanski für die "Süddeutsche Zeitung" (Chefredakteur: Kurt Kister, Wolfgang Krach) oder Frank Nordhausen für "Frankfurter Rundschau" (Chefredakteure: Arnd Festerling, Bascha Mika) und "Berliner Zeitung" (Chefredakteurin: Brigitte Fehle). Mit Martens verlässt der dritte deutsche Korrespondent einer großen Tageszeitung Istanbul in relativ kurzer Zeit - Boris Kálnoky schreibt für die "Welt" inzwischen aus Budapest, Christiane Schlötzer kehrte Anfang des Jahres zurück in die Zentralredaktion der "Süddeutschen Zeitung" nach München.

Kaum deutsche Journalisten permanent in Athen

Dagegen haben bislang nur wenige Medien tatsächlich einen eigenen Korrespondenten in Athen. Bislang wurde Griechenland vor allem "mitgemacht"; die "FAZ"-Entscheidung für den eigenen Mann vor Ort liegt mit Sicherheit auch an der dramatischen wirtschaftlichen Situation in dem Land im Umbruch. So rückte Griechenland in den vergangenen Wochen zwar heftigst in den Mittelpunkt der Helikopter-Berichterstatter, kontinuierliche Reportagen von eigenen Journalisten, die dort auch leben, gibt es aber nur selten zu lesen.

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