Helmut Thomas Pläne fürs Regionalfernsehen: NRW.TV-Neustart mit Warcraft und Counter-Strike?

 

Der Österreicher Helmut Thoma hat schon einmal das deutsche Fernsehen revolutioniert. Von seinem Büro im Düsseldorfer Medienhafen aus plant er nun das Regionalfernsehen zum Erfolg zu führen. "Mit guten Angeboten lässt sich im Fernsehen Geld verdienen. Auch kleine Sender können gut Gewinne abwerfen", so der Ex-RTL-Chef.

Der Österreicher Helmut Thoma hat schon einmal das deutsche Fernsehen revolutioniert. Von seinem Büro im Düsseldorfer Medienhafen aus plant er nun das Regionalfernsehen zum Erfolg zu führen. "Mit guten Angeboten lässt sich im Fernsehen Geld verdienen. Auch kleine Sender können gut Gewinne abwerfen", so der Ex-RTL-Chef. kress.de verriet Thoma, dass es bei NRW.TV künftig blutig zugehen könnte.

Kaistraße 3, ein altes Bürohaus im Düsseldorfer Medienhafen. Hier hat NRW.TV seinen Sitz, nach eigenen Angaben der größte regionale Fernsehsender Deutschlands. Der Geschäftsführer des Senders ist eine Fernsehlegende: Helmut Thoma. Er war der Mann, der den Deutschen als RTL-Chef zeigte, dass Fernsehen auch Spaß machen kann, Millionen dazu brachte, sich in den 90er Jahren den Kopf bei dem Versuch zu zerbrechen, die Regeln der Sex-Show "Tutti Frutti" zu verstehen und bei "Alles nichts oder" das legendäre Moderatorenpaar Hugo Egon Balder und Helga von Sinnen mit Torten bewerfen ließ. Er raubte der ARD die Bundesliga und holte die Formel1 ebenso und verhalf Filmen wie "Liebesgrüße aus der Lederhose" zu einem zweiten Frühling. Und nun versucht er das Regionalfernsehen neu zu erfinden.

"In den USA sind die regionalen und lokalen Sender die Basis des Fernsehens. Die großen Networks wie CBS und NBC setzen auf lokalen Sendern auf. In Österreich gibt es Dutzende von lokalen TV Angeboten und selbst im kleinen Holland sind sie erfolgreich", so Thoma im Gespräch mit kress.de.

"Die Verlage haben das Potential des Lokalfernsehens bis heute nicht erkannt"

Nur in Deutschland ist die Geschichte der lokalen TV-Sender eher traurig. Die meisten Stationen bewegen sich am Rand der Bedeutungslosigkeit. Vorbei die Zeit, als der ehemalige RTL-Korrespondent Andre Zalbertus mit Center TV in NRW zumindest einen Achtungserfolg erzielte. Die Stationen in Köln und Düsseldorf wurden immerhin von den Verlagsplatzhirschen Rheinische-Post und DuMont-Schauberg übernommen, der CenterTV-Ableger im Ruhrgebiet, Bremen und Münster einfach abgeschaltet. Groß sind die Verlage in das Geschäft mit dem Lokalfernsehen nie eingestiegen. Thoma hält das für einen Fehler: "Sie haben das Potential bis heute nicht erkannt." Immerhin: An NRW.TV ist die Funke-Mediengruppe mittlerweile wieder aktiv beteiligt, aber auch das brachte NRW.TV, das es schon seit zehn Jahren gibt, bislang nicht auf die Erfolgsspur. Das Programm besteht vor allem aus Shopping-Sendungen und Wiederholungen.

"Ich bin mit dem, was wir machen, nicht zufrieden, aber das wird sich bald ändern"

Thoma ist nun angetreten, die Misere des deutschen Regionalfernsehens zu beenden. Vor einem Jahr stieg er bei NRW.TV ein. Noch läuft es nicht rund: "Wir haben 360.000 Zuschauer, die uns täglich mindestens 50 Minuten lang anschauen und das ist erst einmal eine gute Basis. Damit sind wir die Nummer Eins unter den deutschen Regionalsendern. Wir schreiben leicht rote Zahlen und ich bin mit dem, was wir machen, nicht zufrieden, aber das wird sich bald ändern."

Thoma will E-Sport aus der Nische holen

Die Idee mit Volks.tv einen bundesweiten Verbund privater und regionaler Fernsehsender aufzubauen, verfolgt Thoma unter dem Namen Nix.tv weiter. Eine gleichnamige interaktive Sendung auf NRW.TV wurde im März nach 8 Monaten pausiert. Nach der Gamescom will er einen neuen Anlauf starten. "Gemeinsam mit Regionalsendern in Hessen, Baden Württemberg und NRW will ich E-Sport und Gaming ins TV holen. Mir geht es um ein Angebot für Jugendliche. Im Web sind E-Sport Übertragungen erfolgreich und ich will das ins Fernsehen holen." E-Sport, die Live-Übertragung von Computerspielen, sind in Ländern wie Südkorea Quotenhits, die Stars der E-Sport Liga kennt dort jeder Teenager. Sie zocken dort vor Publikum Spiele Klassiker wie Warcraft, Counter-Strike und Fifa. Für Fans kommt dabei auch Spannung auf, auch wenn das Gamepad ungenutzt auf dem Tisch liegt. In Deutschland allerdings blieb der ganz große Erfolg bislang aus. Giga-TV übertrug auf seinem Internetkanal Giga2 Spiele, doch der wurde 2007 abgeschaltet. Seitdem wird E-Sport vor allem von ESL TV übertragen, auch das ein Internetsender. Thoma will E-Sport aus der Nische holen. Welche Spiele ab Herbst übertragen werden, weiß Thoma noch nicht. Es wird noch geplant. Wichtig ist, dass das Programm preiswert und populär wird und Geld ins Haus kommt. "Ich habe noch jede Menge Ideen, aber dem Sender fehlt es an Geld."

Irgendwann will Thoma dann mit Smartphones aus Bundesligastadien berichten: "Es gibt ein Recht auf Kurzberichterstattung und das werden wir uns nehmen, wenn wir das Geld haben, eine Bundesligasendung zu starten." Der Streit mit den Bundesligaverantwortlichen ist vorprogrammiert, aber das Recht ist auf Thomas Seite und der zu erwartende PR-Effekt des Konflikts wird seinem Sender sicher nicht schaden.

Thoma sieht für Regionalsender in Deutschland einen großen Markt: "Mit guten Angeboten lässt sich im Fernsehen Geld verdienen. Auch kleine Sender können gut Gewinne abwerfen, das zeigen ja die beiden großen, privaten Sendergruppen." Bei NRW.TV-Mit-Besitzer Funke scheint die Begeisterung über die Thoma-Pläne nicht ganz so groß zu sein. Auf Anfrage von kress.de antwortete Funke-Sprecher Tobias Korenke: "Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu NRW.TV im Moment nicht äußern."

Ihre Kommentare
Kopf
Weitere Beiträge zu diesem Thema
Inhalt konnte nicht geladen werden.