Umsatz pro Abonnent leicht gesunken: Pay-TV hat die 7-Mio-Schwelle erreicht

 

Pay-TV befindet sich weiter auf Wachstumskurs. Laut aktuellen VPRT-Zahlen setzte die Gesamtbranche im Jahr 2014 2,22 Mrd. Euro um - rund 8% mehr als im Vorjahr. Im deutschsprachigen Raum zählt man nun 7,7 Mio Abonnenten, in Deutschland sind es - bei einem 10%-Zuwachs - nun 7 Mio zahlene Kunden. Alle Sender haben zuletzt rund 1 Mrd Euro für Programm ausgegeben. Gegenüber kress.de kündigte Elke Walthelm (Sky) spannende neue Investitionen an.

Pay-TV befindet sich weiter auf Wachstumskurs. Laut aktuellen VPRT-Zahlen setzte die Gesamtbranche im Jahr 2014 2,22 Mrd. Euro um - rund 8% mehr als im Vorjahr. Im deutschsprachigen Raum zählt man nun 7,7 Mio Abonnenten, in Deutschland sind es - bei einem 10%-Zuwachs - nun 7 Mio zahlene Kunden. Alle Sender haben zuletzt rund 1 Mrd Euro für Programm ausgegeben. Gegenüber kress.de kündigte Elke Walthelm von Sky Deutschland spannende neue Investitionen an. "Ganz wichtig ist für uns das Thema Eigenproduktionen."

Sky hofft, vor allem in Deutschland und Österreich weiter zu wachsen

"In der Gruppe sind wir stärker", lautet die Devise von Walthelm, die bei der Pay-Plattform auch für die Partner-Kanäle zuständig ist. Sie spielt damit auf den in der kommenden Woche firmenrechtlich offiziellen Zusammenschluss mit den Sky-Schwestern in Italien, UK und Irland an, durch das die Gruppe 21 Mio Haushalte europaweit erreicht. Größtes Wachstumspotenzial sieht sie weiterhin auf dem deutschen und dem österreichischen Markt. Das gilt es auch über unverwechselbare Eigenproduktionen zu stärken - teilweise im Verbund in der Gruppe.

"Wir sehen in diesem Zusammenhang großes Wachstumspotenzial", sagte sie auf einem VPRT-Termin in München. "Wir arbeiten stark an gemeinsamen Produktionen." Nächstes großes Vorzeigestück wird die "Last Panthers"-Serie werden über eine berühmt-berüchtigte Juwelen-Räuber-Bande aus Osteuropa. Und dann strahlt natürlich bereits "Babylon Berlin" ab. "Wir gehen davon aus, dass wir in diesem Jahr mit der Produktion beginnen", sagt Walthelm. 2016 soll die ARD-Sky-Beta-Koproduktion bei Sky zu sehen sein.

Turner plant bereits eine Nachfolgeproduktion für "Weinberg"

Auch Hannes Heyelmann von Turner, neuer Vorsitzender im Arbeitskreis Pay-TV des VPRT, öffnet die Kasse für neue Eigenproduktionen, um seine Angebote attraktiv zu halten. Nach der Event-Serie "Weinberg", die im Oktober bei TNT Serie zum Erst-Einsatz kommen soll (Budget: 3,6 Mio Euro), plant seine Produktionschefin Anke Greifeneder bereits weitere Formate. "Wir wollen immer mehr unser Schicksal selbst in die Hand nehmen", so Heyelmann. Zuletzt hat Greifeneder angeblich 100 Produktionsideen, die an Turner herangetragen wurden, gescreent. "Wir sind jetzt schon in der Planung für das nächste fiktionale Projekt", so Heyelmann.

Ähnlich investitionsfreudig zeigt sich auch Patrick Hörl, der als Geschäftsführer die deutschen Pay-Sender "Spiegel Geschichte" und "Spiegel TV Wissen" verantwortet. "Programm ist teuer, gute Programme sind teuer", sagt er. "Wir müssen sehen, wie wir sie finanziert bekommen." Daher freut er sich, dass er über das allgemeine Pay-TV-Wachstum in Deutschland anteilig am Umsatzplus partizipiert - und so wieder Mittel für gutes Programm bekommt. "Wir werden unsere Produktionsbudgets zweistellig erhöhen", kündigt er an. 

VPRT rechnet mit einer Pay-Penetration von 20%

Für 2015 prognostiziert der VPRT über die Pay-TV-Branche hinweg einen weiteren Anstieg des Umsatzvolumens auf knapp 2,4 Mrd Euro in Deutschland. Erwartet wird zudem eine Pay-TV-Penetration von über 20% der deutschen Haushalte. "Das Pay-TV ist sehr deutlich im Massenmarkt angekommen", schlussfolgert Frank Giersberg, Mitglied der VPRT-Geschäftsleitung, der dort für den Bereich Markt- und Geschäftsentwicklung zuständig ist. 

Umsatz wächst langsamer als die Abonnenten-Zahl

Ein Schatten fällt auf die starken Wachstumszahlen allerdings doch: Während die Zahl der Abonnenten von 2013 auf 2014 in Deutschland um knapp 10% anstieg, erhöhte sich der Umsatz der Pay-TV-Unternehmen lediglich um rund 8%. Die Ursachen für den gesunkenen Umsatz pro Abonnent will der VPRT nicht allgemeingültig über alle Marktteilnehmer hinweg festmachen. Allerdings dürfte der aggressive Markteintritt von reinen Online-Videotheken wie Netflix und Co. durchaus die Geschäftspläne in Teilen mit durcheinander gewirbelt zu haben - etwa bei den Abo-Preisen, die aufgerufen werden. "Es gab Marktteilnehmer, die an der Preispolitik gearbeitet haben", so Giersberg. 

Wie sehr verderben Netflix & Co. die Preise?

Unstrittig ist auch, dass das Vorhalten von Nicht-linearen Pay-Angeboten wie Catch-up-Services oder Serien-Marathons im VoD-Verfahren geschäftsentscheidend sind, selbst wenn etwa bei Sky der Anteil der linearen Seher immer noch bei rund 90% liegt. Der Wettkampf, sich beim Lizenz-Kauf auch die entsprechenden nicht-linearen Rechte zu sichern, wird härter - und offenbar dank Netflix & Co. auch teurer. "Die Preise für On-Demand-Rechte haben kräftig angezogen", sagte Hannes Heyelmann zu kress.de. "Netflix zahlt in Märkten, in die sie neu hineingehen, überdurchschnittliche Preise. Die Studios freuen sich natürlich." 

Eine Beobachtung, die Patrick Hörl in Ansätzen teilt. "Der Markt für Interessenten, die separat On-Demand-Rechte kaufen wollen, hat sich noch nicht gefunden." Die Preisvorstellungen schwankten daher zuletzt stark, weil es anders als bei den klassischen Pay-Lizenzen noch keine festen Listen gab. "Das ging hin und her wie ein Kuhschwanz", so Hörl.

"Wir sind nicht nervös wegen Netflix"

Dennoch zeigt sich vor allem Branchen-Primus Sky von Netflix demonstrativ unbeeindruckt. Gern verweist man auf die komplett unterschiedlichen Angebote und das enorme Quantitäts- sowie in Teilen Qualitätsgefälle. "Wir vergleichen uns nicht mit Netflix, wir sind nicht nervös wegen Netflix", so Elke Walthelm. Tatsächlich bringen die Neulinge, die auf den Pay-Markt drängen, angeblich immerhin auch einen positiven Wahrnehmungseffekt mit: "Es ist gut, dass die Vorstellung gestärkt wird, dass man für gutes Fernsehen zahlen muss", sagt sie. 

Wichtiges Ziel: So wenig Kunden wie möglich verlieren

Auch Plattformbetreiber wie Kabel Deutschland sehen das ähnlich. Florian Landgraf, Director Product Development Vodafone/KDG bestätigt die Notwendigkeit, das nicht-lineare TV-Geschäft strategisch sehr ernst zu nehmen. "Das Überleben der Sender hängt davon ab, dem Kundenbedürfnis nach Ortsunabhängigkeit nachzukommen", sagt er. Und am Ende des Tages sei die Attraktivität von Pay-Inhalten und entsprechend bequemen Services das Entscheidende. "Die Kunst des Abogeschäfts ist nicht mehr, Kunden zu gewinnen, sondern weniger Kunden zu verlieren", so Landgraf.

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