Neue Aufgaben für die Print-Redaktion: Burkhard Graßmann schaltet "TV Spielfilm"-Fernsehen scharf

 

Weg vom reinen Print-Programmie - hin zur TV-Plattform: Burkhard Graßmann, Vorsitzender der Geschäftsführung von BurdaNews, hat bei "TV Spielfilm live" den Startknopf gedrückt. Die schon länger angekündigte TV-App ermöglicht den Zugang zu mehr als 70 Sendern auf Mobilgeräten. Ein durchaus radikaler digitaler Umbruch für ein Magazin: Lutz Carstens hat seiner Redaktion den multimedialen Sprung nach vorn abverlangt.

Weg vom reinen Print-Programmie - hin zur TV-Plattform: Burkhard Graßmann, Vorsitzender der Geschäftsführung von BurdaNews, hat bei "TV Spielfilm live" den Startknopf gedrückt. Die schon länger angekündigte TV-App ermöglicht den Zugang zu mehr als 70 Sendern auf Mobilgeräten. Ein durchaus radikaler digitaler Umbruch für ein Magazin: Lutz Carstens hat seiner Redaktion den multimedialen Sprung nach vorn abverlangt.

Das neue Angebot, mit dem Burda Mitbewerbern wie Magine oder Zatoo die Zähne zeigt, bringt den redaktionellen "TV Spielfilm"-Programm-Guide mit dem Fernsehbouquet zusammen. Angekündigt hatte es Burkhard Graßmann bereits Ende März. Darin sind alle wichtigen öffentlich-rechtlichen und privaten Haupt- und Spartensender aus Deutschland und dem Ausland enthalten.

Bei der Auswahl der Programme hilft die Expertise der "TV Spielfilm"-Redaktion unter Chefredakteur Lutz Carstens. Damit hat sich eine große Burda-Marke auf den viel beschworenen digitalen Umbruch - mit einem Schritt in eine Richtung, die das klassische Mediengeschäft zu verlassen beginnt.

Wer die neue App herunterlädt und sich registrieren lässt, kann "TV Spielfilm live" zunächst einen Monat lang - wie auch bei den meisten Mitbewerbern üblich - kostenfrei testen. Danach kann man rund 50 Kanäle weiterhin gratis nutzen, das Abo in Höhe von 9,99 Euro monatlich ermöglicht den uneingeschränkten Zugriff auf über 70 Sendern, darunter auch die Programme von ProSieben, Sat.1, RTL sowie 25 HD-Kanäle.

"Medienmarken müssen dort sein, wo der Konsument ist"

kress.de: Herr Graßmann, was hat Sie bewogen, mit dem neuen "TV Spielfilm live"-Angebot quasi unter die Fernseh-Veranstalter oder -Weiterverbreiter zu gehen?

Burkhard Graßmann: Sowohl die Internetnutzung als auch die Rezeption von Bewegtbildinhalten wandeln sich grundlegend: Immer mehr Menschen nutzen ihre Smartphones heute ständig und überall als Universalgerät. Diese sind heute persönlicher Organizer, mobiles Büro sowie Unterhaltungszentrale in einem. Diesem Trend zur Mobile-Nutzung folgen wir seit Jahren konsequent. Medienmarken müssen heute zu multimedialen Plattformen ausgebaut werden. Sie müssen dort sein, wo der Konsument ist. Seine Bedürfnisse sind unser unternehmerischer Imperativ.

kress.de: Welchen zusätzlichen Riechweiten-Schub erhoffen Sie sich bei Ihrer Leserschaft konkret?

Burkhard Graßmann: Alleine mit unseren digitalen Angeboten erreichen wir rund sieben Millionen Menschen. Das bedeutet einen Marktanteil von weit über 50 Prozent. Wir sind also Marktführer und wollen diese Position natürlich auch unbedingt behaupten. Wichtiger ist aber im ersten Schritt, dass wir das neue Angebot unseren bereits vorhandenen Nutzern näher bringen.

"Erfordert ein anderes journalistisches Denken"

kress.de: Herr Carstens, in wie weit löst das neue Angebot die Grenzen dessen auf, was man noch traditionell als journalistische Magazin-Leistungen bezeichnen kann?

Lutz Carstens: Unsere Redakteure sind längst Multimedia-Journalisten, nicht mehr nur Magazin-Journalisten. Wir veröffentlichen unsere Inhalte bereits seit Jahren erfolgreich über verschiedene Kanäle und selbstverständlich auch weiterhin gedruckt. Dies erfordert ein anderes journalistisches Denken – Inhalte müssen anders aufbereitet werden. Dabei orientieren wir uns an den Nutzungsgewohnheiten und Nutzungssituationen der Menschen.

kress.de: Wie sehr sorgen Sie sich, dass die Hinwendung Ihrer Leser direkt zu den Fernsehbildern die Aufmerksamkeit von Ihren Texten und Einordnungen abzieht, wenn alles komfortabel in einer App verfügbar ist?

Lutz Carstens: Ich glaube im Gegenteil, dass wir noch mehr Menschen dafür begeistern können, unsere Programmempfehlungen und Sendungskritiken zu lesen. Wer bei uns live fernsieht und Informationen sucht, bekommt sie von uns in der gewohnten Qualität mit einem Wisch.

kress.de: Wie viel Raum lässt das neue Angebot eigentlich Ihren Kollegen von der Anzeigen-Abteilung? In wie weit wird klassische Werbung, wie Sie in "TV Spielfilm" abgedruckt werden kann, über die App-Lösung überhaupt noch wahrgenommen?

Burkhard Graßmann: Unsere Anzeigenverkäufer sind überglücklich. Es ist ja nachgewiesen, dass Werbekunden ihre kommunikativen Ziele am besten erreichen, wenn sie crossmedial aktiv sind. Hierfür bieten wir mit unserer Plattform, zu der natürlich auch die Zeitschrift gehört, viele attraktive Varianten. Es freut uns auch sehr, dass eine so zeitgemäß werbende Marke wie Opel gleich zu Beginn in die multimediale Kraft der Angebote von TV Spielfilm vertraut.

kress.de: Ab wann werden Sie eigene Bewegtbild-Angebote der "TV Spielfilm"-Redaktion in Ihr Angebot aufnehmen? Wird es einen eigenen Kanal geben?

Burkhard Graßmann: Wir werden in der Tat viele Visionen und Ideen prüfen, die für diese Plattform irgendwann infrage kommen könnten. Allerdings möchten wir erst die Pflicht erfüllen und unser Produkt erfolgreich in den Markt einführen, bevor wir uns der Kür widmen. Fragen Sie mich in einem Jahr nochmals.

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