Start im September: dpa zieht ins "next"-Lab

 

Nike hat eins, die "New York Times" und natürlich auch Google - die Rede ist von einem Lab, einem geschützten Raum, in dem über neue Produkte und Wege in die Zukunft gesprochen wird. Wie sieht die Arbeit einer Nachrichtenagentur der Zukunft aus? Dieser Frage geht ab Mitte September die Deutsche Presse-Agentur intensiv nach.

Nike hat eins, die "New York Times" und natürlich auch Google - die Rede ist von einem Lab, einem geschützten Raum, in dem über neue Produkte und Wege in die Zukunft gesprochen wird. Wie sieht die Arbeit einer Nachrichtenagentur der Zukunft aus? Dieser Frage geht ab Mitte September die Deutsche Presse-Agentur intensiv nach. Zum Auftakt von dem auf zwei Jahre angelegten Projekt "dpa next" steht nach kress-infos das auf drei Monate angelegte dpa next lab, das schon Mitte September startet - Leiter ist der stellvertretende dpa-Chefredakteur Roland Freund.

Dabei interessiert die dpa vor allem eins: Was braucht der Kunde, was erwartet der Kunde von der Nachrichtenagentur? Das lab, so das klare Ziel von dpa, denkt zunächst ausschließlich von den Kunden her - was brauchen sie und was sollen sie künftig von ihrer dpa bekommen können? Es sollen etwa zehn, zwölf Kundenwünsche direkt angegangen, Lösungsvorschläge erarbeitet werden, die dann als Basis für die Arbeit vom dpa next ab Januar 2016 dienen sollen.

Freund, Homburger und Virtel in der lab-Mannschaft

Das Kernteam bilden Roland Freund, Antje Homburger und Martin Virtel. Freund, der unter anderem Katholische Theologie studiert hat, kam 1995 zur dpa. Im Sommer 2010 rückte er in die dpa-Chefredaktion auf. Antje Homburger verantwortet seit Mai 2010 die Wirtschaftsberichterstattung von dpa. Davor war sie Leiterin des Wirtschaftsressorts bei Associated Press. Martin Virtel ist Entwicklungsredakteur bei dpa, Schnittstelle zwischen Digitaltechnik und Journalismus.

"Wir holen den Spirit des Silicon Valley zu uns nach Kreuzberg" 

Nach kress-infos hat dpa-Chefredakteur Sven Gösmann intern klargemacht: "Andere fahren ins Silicon Valley, wir holen den Spirit des Silicon Valley zu uns nach Kreuzberg." Das Lab selbst entsteht außerhalb der dpa-Zentrale in Berlin. Nach kress-Infos plant die Nachrichtenagentur, Arbeitsplätze im Betahouse (Coffee Flatrate pro Person: 25 Euro) anzumieten. Dort arbeiten schon andere Labs und Startups, eine gute Basis, um etwas Neues zu schaffen. Das Lab, so das Ziel, soll vor allem auch Treffpunkt für Gespräche, Diskussionen sein.

Wie ihre Kunden steht auch die dpa vor der Frage, wie auch in Zukunft Journalismus finanziert werden kann. Gesellschafter der Nachrichtenagentur sind Medienhäuser, vor allem Zeitungsverlage. Die bezahlen für die Nachrichten von dpa nach Auflage - je mehr die Auflagen der Zeitungen fallen, desto weniger Einnahmen aus dem klassischen Geschäft kann die dpa verbuchen.

Warum das Neugeschäft für dpa so wichtig ist

Mit Neugeschäft in anderen Bereichen außerhalb der klassischen Medien fängt dpa diese Rückgänge auf. "In einem nicht einfachen Marktumfeld haben wir uns gut behauptet und weiterentwickelt", sagte Michael Segbers, Vorsitzender der dpa-Geschäftsführung, kürzlich bei der dpa-Gesellschafterversammlung in Hamburg. Der Umsatz der dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH stieg im dritten Jahr in Folge - diesmal um 1,5 Prozent auf 88,6 Millionen Euro (Vorjahr: 87,2 Millionen). Auch der Jahresüberschuss nach Steuern lag mit gut 1,2 Millionen Euro über dem Vorjahreswert von 910 000 Euro. Zum positiven Ergeben der dpa haben laut Unternehmensangaben die Tochtergesellschaften "erheblich" beigetragen.

Chefredakteur der Deutschen Presse-Agentur ist seit dem 1. Januar 2014 Sven Gösmann. Die dpa-Chefredaktion komplettieren Michael Ludewig (Chef Ausland) und Roland Freund (Chef Inland). Insgesamt sind bei dpa nach Unternehmensangaben rund 1000 Journalisten fest angestellt. Vorsitzender der Geschäftsführung ist Michael Segbers, den Aufsichtsrat führt David Brandstätter, Geschäftsführer der in Würzburg erscheinenden "Main-Post". Seine Stellvertreter sind Laurent Fischer, Geschäftsführender Verleger vom "Nordbayerischen Kurier" in Bayreuth sowie Verleger Valdo Lehari jr. vom "Reutlinger General-Anzeiger". Weitere Mitglieder des dpa-Aufsichtsrats sind Holger Paesler von der Verlagsgruppe Ebner Ulm (Schriftführer), Karl Hans Arnold, Thomas Düffert, Peter Frey, Hans-Dieter Hillmoth (FFH), Hans Homringhausen, Joachim Knuth (NDR), Stephan Kolschen (Brune-Mettcker), Torsten Rossmann (WeltN24), Daniel Schöningh (Münchener Zeitungsverlag) und Achim Twardy.

Deutschland gilt als einer der weltweit vielfältigsten Märkte für Nachrichtenagenturen. Neben dem Marktführer dpa konkurrieren die britische Agentur Reuters, die deutsche Tochter der französischen Nachrichtenagentur AFP, die kirchlichen Agenturen epd und KNA, die zur AFP-Gruppe gehörende Sportagentur SID, sowie Spezialdienste für Wirtschaftsnachrichten wie Dow Jones oder Bloomberg um Kunden aus dem Medienbereich.

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