"SchwäPo"-Chefredakteur Lars Reckermann: "Negative Nachrichten bleiben in Erinnerung"

 

"Als Lokalzeitung berichten wir über viele positive Veranstaltungen, über Kümmerer, über Menschen, die Großartiges leisten. Zur Wahrheit zählt aber auch, dass vor allem die negativen Nachrichten im Gedächtnis bleiben", sagt Lars Reckermann, Chefredakteur der "Schwäbischen Post". Negative Nachrichten würden Leser nicht vertreiben, so Reckermann zu kress.de.

"Als Lokalzeitung berichten wir über viele positive Veranstaltungen, über Kümmerer, über Menschen, die Großartiges leisten. Zur Wahrheit zählt aber auch, dass vor allem die negativen Nachrichten im Gedächtnis bleiben", sagt Lars Reckermann, Chefredakteur der "Schwäbischen Post". Negative Nachrichten würden Leser nicht vertreiben, so Reckermann zu kress.de.

In Journalistenkreisen sorgen derzeit die Thesen des dänischen Journalisten Ulrik Haagerup für große Aufregung. Sein Buch "Constructive News" ist gerade auf Deutsch erschienen, Haagerup glaubt beispielsweise, dass Journalisten ein falsches Bild der Welt zeichnen.

In einer Buchbesprechung für kress.de betont die Journalistin und Autorin Tania Witte: "Seine Gedankengänge mögen streitbar sein, doch im Endeffekt sind es oft die Kritisierenden, die auf nur einem Ohr hören – und wieder geht es dabei um Angst: Die vor dem Verlust der journalistischen Ehre, die vor weichgespültem Feel-Good-Getue" (kress.de berichtete).

"Ich glaube nicht, dass das Prinzip 'bad news are good news' jemals wirklich funktioniert hat", machte Hartmut Augustin, Chefredakteur der in Halle erscheinenden "Mitteldeutsche Zeitung", im Gespräch mit kress deutlich (kress.de berichtete hier).

"Subjektive Aussage"

"Nachrichten sind erst einmal Nachrichten, für den einen sind sie negativ, für den anderen positiv. Das ist immer eine sehr subjektive Aussage. Ein Beispiel: Einige Menschen freut es, wenn Flüchtlinge bei uns einen sicheren Ort finden, andere sehen darin den Untergang der europäischen Zivilisation", so Lars Reckermann, der seit November 2013 "Schwäbische Post" und "Gmünder Tagespost" verantwortet, zwei erfolgreiche Heimatzeitungen in Ostwürttemberg.

Herausgeber sind Bernhard Theiss und Ulrich Theiss, die gemeinsam mit Christian Kaufeisen auch die Geschäfte führen; die verkaufte Auflage der Tageszeitung beträgt 32.793 Exemplare (IVW 2/2015). Bei der überregionalen Berichterstattung kooperiert die Zeitung mit der in Ulm erscheinenden „Südwest Presse“ (Chefredakteur: Ulrich Becker, stellv. Chefredakteur: Ulf Schlüter; Geschäftsführer: Thomas Brackvogel; Verleger: Ruth Aberle, Eberhard Ebner).

"Bei weitem nicht nur negative Nachrichten im Blatt"

"Als Lokalzeitung berichten wir über viele positive Veranstaltungen, über Kümmerer, über Menschen, die Großartiges leisten. Zur Wahrheit zählt aber auch, dass vor allem die negativen Nachrichten im Gedächtnis bleiben", betont Reckermann. Und berichtet einen aktuellen Fall: "Mich rief eine Leserin an, die sich darüber beschwerte, dass wir immer nur Unfälle in der Zeitung haben. Sie bezog sich auf zwei Unfälle in einer Woche. Im gleichen Zeitraum hatten wir - ich habe nachgezählt - 14 aus meiner Sicht positive Nachrichten. Da wurde ein lang gewünschter Radweg realisiert. Ein Kindergarten wurde ausgezeichnet. Wir haben eine Frau vorgestellt, die ihre Freizeit für Pflegearbeit opfert, wir haben einen Jungen begleitet, der endlich ins Ensemble der Jungen Oper Stuttgart aufgenommen wurde und wir haben Tipps fürs schöne Wetter gegeben. Kurzum: Wir haben bei weitem nicht nur negative Nachrichten im Blatt", so Reckermann.

Was Leser mögen

Mögen Leser keine schlechten News, Herr Reckermann? "Die These, vermeintlich negative Nachrichten verscheuchen Leser, trage ich nicht mit. Da zeigt jedes Klick- und Leseverhalten in eine völlig andere Richtung. Blaulicht ist sowohl bei Readerscan, als auch bei Lesewert und im Netz immer das meistgelesene Ressort", so der Chefredakteur von "Schwäbische Post" und "Gmünder Tagespost".

Aber er fügt hinzu: "Die These, dass negative Nachrichten durchaus konstruktiv sein sollte, trage ich indes mit. Erneut ein Beispiel: Wir haben über einen Ärztefehler berichtet. Die Kritik aus der Leserschaft: 'Warum beschreibt ihr nicht, was für Rechte ein Patient in so einem Fall hat.' Das haben wir dann nachgezogen. Wir hätten es aber sofort machen müssen", macht Reckermann deutlich.

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