Wolf Schneider kommentiert: "Journalisten dürfen zu bad news ein gutes Gewissen haben"

22.07.2015
 

Zur Freude der kress-Crew hat sich auch Wolf Schneider in die Branchendiskussion um das Buch "Constructive News" von Ulrik Haagerup eingeschaltet. Einem Kommentar auf kress.de ließ der ehemalige Leiter der Henri-Nannen-Schule eine ausführliche Einordnung folgen.

Zur Freude der kress-Crew hat sich auch Wolf Schneider in die Branchendiskussion um das Buch "Constructive News" von Ulrik Haagerup eingeschaltet. Einem Kommentar auf kress.de ließ der ehemalige Leiter der Henri-Nannen-Schule eine ausführliche Einordnung folgen.  

"Liebe Kollegen - sorry, es bleibt dabei: Natürlich sind bad news interessanter als good news. Jedes abgestürzte Flugzeug ist eine Nachricht - tausend sicher gelandete sind keine. Die größten Nachrichten der letzten Monate waren Griechenland und der Absturz der German-Wings-Maschine. Journalisten können die Welt nicht besser machen als sie nun mal eingerichtet ist", kommentierte Schneider am Montag einen kress.de-Bericht, in dem Hartmut Augustin, Chefredakteur der "Mitteldeutschen Zeitung", sagte: "Ich glaube nicht, dass das Prinzip 'bad news are good news' jemals wirklich funktioniert hat. Das ist eher eine Unterstellung aus der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gegenüber kritischen Medien." 

Medien können nach Meinung des dänischen Fernseh-Chefredakteurs Ulrik Haagerup viel Vertrauen zurückgewinnen, wenn sie Themen konstruktiver angehen. Um Kollegen näher zu bringen, wie sie dies schaffen, hat Haagerup das Buch "Constructive News" veröffentlicht. Untertitel: "Warum 'bad news' die Medien zerstören und wie Journalisten mit einem völlig neuen Ansatz wieder Menschen berühren."

Wolf Schneider findet, dass Journalisten zu bad news, "falls sie korrekt sind", durchaus ein gutes Gewissen haben dürfen, "alles in allem". Wie er zu diesem Urteil kommt, hat der "Sprachpapst", Journalist und Buchautor auf Wunsch von kress.de aufgeschrieben:

Warum im Journalismus die bad news dominieren

"Erstens, weil es auf Erden nun mal mehr Elend gibt als Sonnenschein, mehr Schmerz als Wonne - und mehr Übel- als Wohltäter auch. Ja: Die Erde ist ein Jammertal (Psalm 84,7).

Zweitens, weil Journalisten aus diesem überwiegend negativen Angebot gern noch die bad news herausklauben, in der Tat: Ein Flugzeug muss schon abstürzen, wenn es, die Erde schon beben, wenn sie in die Zeitung kommen Dies nun aber in totaler Übereinstimmung mit den Vorlieben und Erwar-tungen der Leser, Hörer, Nutzer, ja in Geschäftsführung für sie: Einen Mord in ihrer Straße finden sie natürlich aufregender als das Mutterglück von nebenan und die "Titanic" interessanter als alle fröhlichen Kreuzfahrtschiffe der Welt.

Den meisten unserer Mitmenschen ist die Wirklichkeit noch nicht einmal schlimm genug: Kein Fernsehabend ohne mindestens zwei Dutzend Leichen, und wenn die Postkutsche durch den Wilden Westen rollt, dann fordern wir geradezu, dass sie von blutrünstigen Indianern überfallen wird. Mit so viel Unheil, wie die Leute sehen wollen, können selbst sensationsgierige Journalisten nur schwer konkurrieren.

Das Bild der Erde, das Journalisten malen, wäre im übrigen noch schlimmer, wenn sie über das unbeschreibliche Elend auf unserem Planeten anteilig berichten würden: Von den sieben Milliarden Menschen leben mindestens zwei Milliarden in schrecklicher Not, und weit brutalere Morde als in jedem "Tatort" finden Tag für Tag in den Partisanenkriegen des Nahen Ostens statt.

Also: Übertreibt nicht, Kollegen - aber ein gutes Gewissen zu euern bad news, fall sie korrekt sind, dürft Ihr schon haben, alles in allem."

Wolf Schneider

Herausgeber der deutschen Fassung von Ulrik Haagerups Buch "Constructive News" ist der Medienfachverlag Oberauer, in dem auch kress.de erscheint. Erst kürzlich haben beispielsweise "Süddeutsche Zeitung" oder "Neue Zürcher Zeitung" das Buch thematisiert.

"Constructive News" kann im Oberauer-Online-Shop für 24,90 Euro geordert oder über vertrieb(at)oberauer.com bestellt werden.

Ihre Kommentare
Kopf

Fritz Goergen

23.07.2015
!

Sorry, Herr Schneider, Sie haben das Buch also nicht gelesen. Denn Haagerup plädiert nicht für good news STATT bad news, sondern für das ganze Bild statt des chronisch einseitigen.
Sorry, Herr Schneider, dass es auf der Welt mehr Elend gibt als Erfreuliches, stimmt simpel nicht.


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