"Euro am Sonntag" klaut "BamS"-Exklusiv-Interview: "Das habe ich noch nicht erlebt"

 

Riesen-Ärger für Herausgeber Frank-B. Werner - seine Finanzzeitung "Euro am Sonntag" hat ein Interview aus der "Bild am Sonntag" übernommen, ohne Springers Sonntagszeitung zu erwähnen. Werner spricht unter anderem von einem "Unfall", Marion Horn ist sauer: "Das habe ich noch nicht erlebt", so die Chefredakteurin der "Bid am Sonntag" zu kress.

Riesen-Ärger für Herausgeber Frank-B. Werner - seine Finanzzeitung "Euro am Sonntag" hat ein Interview aus der "Bild am Sonntag" übernommen, ohne Springers Sonntagszeitung zu erwähnen. Werner spricht unter anderem von einem "Unfall", Marion Horn ist sauer: "Das habe ich noch nicht erlebt", so die Chefredakteurin der "Bid am Sonntag" zu kress. Die Spur führt nach Zürich.

Die Story ist rund, das Interview gelungen. Martin Winterkorn ist schließlich nicht irgendjemand, der Chef von Volkswagen hat in den vergangenen Monaten einen Machtkampf mit seinem eigenen Aufsichtsratsvorsitzenden gewonnen. Für "Euro am Sonntag" Grund genug, das Gespräch auf der Titelseite anzukündigen und im Innenteil auf drei Seiten zu erzählen. 

"Martin Winterkorn - Der VW-Chef im Interview über Piech, Pläne und Pferdestärken" heißt es auf der Titelseite neben Winterkorns Portrait, im Innenteil ist Winterkorn "Kopf der Woche", wird in der Überschrift mit "Mich gibt es trotzdem noch" zitiert. 

Abdruck-Affäre

Auf den nächsten Seiten erzählt Winterkorn aus den stressigen Monaten, in denen er um seinen Job bangen musste.

Das Problem ist nur - das Interview erschien so bereits vor drei Wochen in der "Bild am Sonntag". Zahlreiche Zeitungen, Fernsehsender und Nachrichtenportale sprangen auf das Interview auf, zitierten Winterkorns Ausführungen mit Verweis auf die Springer-Zeitung - sie war das erste Medium, mit dem Winterkorn nach dem Kampf bei Volkswagen offen sprach. 

Geführt haben es Kayhan Özgenc, Investigativ-Chef von "Bild am Sonntag", und Investigativ-Reporterin Tanja Treser, die dafür bekannt ist, DAX-Vorstände zum Reden zu bringen, sowie "Bild"-Auto-Chefin Sissi Benner. In der "Bild am Sonntag" ist Benner natürlich auch auf dem Foto zu sehen, doch schon in der "Handelszeitung" fehlt ihr Name, während Treser und Özgenc dort korrekt aufgeführt werden.

Die Story, die bis zu den kress-Recherchen auch online auf der "Euro-am-Sonntag"-Website abrufbar war, sorgt zwischen München und Berlin für großen Ärger. Marion Horn verantwortet seit Oktober 2013 Europas grösstes Sonntagsblatt. Auf Anfrage von kress erklärte die Chefredakteurin von "Bild am Sonntag": "Wir freuen uns ja, wenn unsere Interviews zitiert werden. Aber komplett nachdrucken ohne Absprache: Das habe ich noch nicht erlebt", so Marion Horn.

Frank-B. Werner gilt als seröser Journalist und Verleger. Seine Finanzzeitungen wie "Euro" oder "Börse Online" zählen zu den Titeln, auf die vor allem private Anleger gerne zurückgreifen, bevor sie ihr Erspartes investieren. Seit Ende Mai erscheint die "Euro am Sonntag" in einem handlicheren Format, der Druck und die Optik sind besser, alles wirkt aufgeräumter. Chefredakteur von "Euro am Sonntag" ist Joachim Spiering, die Zeitung erscheint wöchentlich, die verkaufte Auflage beträgt 79.452 Exemplare (IVW, 2/2015).

"Keine böse Absicht"

"Das war keine böse Absicht, sondern ein Unfall", erklärt Frank-B. Werner. Und fügt hinzu: "Den Kollegen ist das mehr als peinlich, und ich als Herausgeber ärgere mich – sehr sogar. Es sind hier ein paar laute Worte gefalle", so Werner zu kress.

Doch wie kam es zu dem "Unfall"? "Euro am Sonntag" und die Schweizer "Handelszeitung" tauschen laut Werner "seit vielen Jahren" Artikel aus. Die "Handelszeitung" (Chefredaktor: Stefan Barmetter) gehört zu Axel Springer Schweiz. Und die hatte am 2. Juli das Interview aus der "Bild am Sonntag" nachgedruckt, am Ende des Interviews auch den Hinweis "Quelle: Bild am Sonntag" notiert.

"Ob der Text mit oder ohne Quellenhinweis übermittelt wurde, kann ich nicht nachvollziehen. Ich kann mir nur vorstellen, dass der zuständige Euro-am-Sonntag-Redakteur den Teaser in der Handelszeitung gesehen hat und daraufhin das Interview zum Abdruck in Euro am Sonntag bestellt hat. Als er es im Rahmen der üblichen Routine bekommen hat, war für ihn alles in Ordnung", so Werner.

Für Frank-B. Werner ein "Lapsus"

Für den Verleger steht fest: "Eigentlich hätte die Kollegin Sabrina Iselin uns das Stück gar nicht zur Verfügung stellen dürfen, weil es ja kein originäres Interview der Handelszeitung war, sondern eine Übernahme aus der BamS. Peinlich ist anderseits, dass sich hier wohl niemand an das Stück in der BamS erinnert hat. Wir werden jedenfalls am kommenden Wochenende auf den Lapsus hinweisen", macht Werner deutlich.

Frank-B. Werner zu  kress: "Ich bin überzeugt davon, dass die Kollegen, die die Kooperation mit der Handelszeitung betreuen, in Zukunft einen Extra-Check machen werden."

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