Berliner Agentur Kompaktmedien: Wie Norbert Schmedt und Stefan Zowislo politische Kommunikation machen

24.07.2015
 
 

Norbert Schmedt und Stefan Zowislo verbindet nicht nur ihre große Leidenschaft für Borussia Mönchengladbach. Schmedt, Gründer und Geschäftsführer von Kompaktmedien, hat Zowislo jüngst in die Geschäftsleitung der Berliner Agentur geholt, die sich u.a. auf politische Kommunikation ausgerichtet hat. Wie Schmedt und Zowislo, die sich seit den 90ern kennen, zueinandergefunden haben, was sie antreibt, was für Ziele sie haben -

Norbert Schmedt und Stefan Zowislo verbindet nicht nur ihre große Leidenschaft für Borussia Mönchengladbach. Schmedt, Gründer und Geschäftsführer von Kompaktmedien, hat Zowislo jüngst in die Geschäftsleitung der Berliner Agentur geholt, die sich u.a. auf politische Kommunikation ausgerichtet hat. Wie Schmedt und Zowislo, die sich seit den 90ern kennen, zueinandergefunden haben, was sie antreibt, was für Ziele sie haben. Ein kress.de-Agentur-Porträt.

In der Berliner Pappelallee ist Kompaktmedien - Agentur für Kommunikation GmbH (www.kompaktmedien.de) beheimatet - in direkter Nachbarschaft zum renommierten Suhrkamp-Verlag. Was die Agentur ausmacht, ist die Themenorientierung: u.a. Gleichstellung, Arbeitsmarkt, Ökologie, Umwelt, Gesundheit, Prävention, demographischer Wandel. "Hier arbeiten ausgebildete Journalistinnen und Journalisten. Wir schreiben spannende Geschichten so auf, dass der Kunde seine Botschaft im Bereich der politischen Kommunikation platziert sieht. Und helfen dabei, dass auch etwas ankommt - ganz klassisch", erklärt Gründer und geschäftsführender Gesellschafter Norbert Schmedt. Der gebürtige Westfale aus Ibbenbüren, 1963 geboren, lebt seit 1996 in Berlin, hat in Münster u.a. Geschichte und Publizistik studiert und war aktiv in der Hochschulpolitik. Heute wirkt Kompaktmedien v. a. im Bereich der politischen und institutionellen Kommunikation für Bundes- und Landesministerien, Verbände, Stiftungen.

Zeitungsjunge wie Opa

Die ganze Oberstufe hindurch hat Schmedt als Zeitungszusteller der "Ibbenbürener Volkszeitung" gearbeitet, das Revier von seinem Opa übernommen. "Morgens bei Wind und Wetter. Es gehörte zu den Regeln, dass die Zeitungen spätestens um 6.15 Uhr im Briefkasten sein mussten - wenn ich um 6.45 Uhr aufschlug, wurde es schwierig." Bei der "Volkszeitung" absolvierte Schmedt auch sein erstes Zeitungspraktikum, noch während des Studiums gründete er das Kulturmagazin "Malheur" und war 1989 ein halbes Jahr Korrespondent der katholischen Nachrichtenagentur (KNA) in Chile. Nach dem Studium arbeitete Schmedt ab Anfang der 1990er Jahre als Redakteur des Bonner Stadtmagazins "Schnüss" (www.schnuess.de), damals ein selbstverwalteter Betrieb. "Geht nicht, gibt's nicht, war das Credo - das war nicht die schlechteste Schule." Überzeugungsarbeit ohne Geldverdienst - in dieser Zeit lernte Norbert Schmedt seinen späteren Kompaktmedien-Kollegen Stefan Zowislo kennen.

2004 gab's die erste "Regierungskommunikation"

Für den grünen Bundesvorstand entwickelt Schmedt 1993 im Alleingang die neue Mitgliederzeitung - es gibt weder Konzept, Layout noch Druckerei, E-Mail existiert noch nicht -, in vier Wochen ist alles fertig. In einer WG mit zwei Journalisten teilt er sich ein Kombi-Fax. "Damals hat mir ,geht nicht, gibt's nicht' sehr geholfen." Schmedt ging nach Berlin, seine Freundin war Redakteurin beim Deutschlandfunk, heute ist sie Lehrerin und seine Frau. Das Mitgliedermagazin namens "Schrägstrich" mit zunächst 27.000 Stück Auflage kam auch bei den grünen Landesverbände gut an, mehr Aufträge kamen, aus dem ersten Büro namens "Rheinprint" gründete Schmedt 2001 Kompaktmedien: "Was wir Regierungskommunikation nennen, gab es bei uns erstmals 2004, eine Kampagne für die damalige Familienministerin Renate Schmidt im Themenfeld ,Frauen, Wirtschaft und Arbeitsmarkt'. Bis heute geht es bergauf, bis auf ein Jahr, wo wir von 18 auf 13 Mitarbeiter abbauen mussten", erzählt der Agenturchef. Von 2004 bis 2008 waren Inhalte besonders auf Webseiten und in Broschüren wichtig, danach flaute der Bedarf an solider Information kurzzeitig ab. "Seit drei Jahren reden alle über Content-Marketing, es sind immer unterschiedliche Kanäle, die gerade hipp sind. Es ist einfach viel, viel schneller geworden - doch die Aufgabe bleibt immer die gleiche."

Aufträge und Dienstleistungen

Gemeinsam mit einer anderen Agentur wurde ein Rahmenvertrag für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gewonnen, eigenständig ein einjähriger Vertrag für die Krankenhausgesellschaft Nordrhein Westfalen, dazu die Fachkräftekampagne im Land Rheinland-Pfalz. "Wir sind innerhalb eines Jahres auf 30 Mitarbeiter gewachsen, erleben oft Absender-Orientierte Kommunikation und empfehlen, es nicht so zu machen. Am Ende entscheidet der Kunde und wir sind Dienstleister, aber wir sagen klar unsere Meinung, beziehen Position und wollen einen Rat geben." Im Bereich der ähnlich großen Berliner Agenturen für politische Kommunikation gibt es keine fünf, die das "ähnlich erfolgreich machen", wenn es um Presse- und Medienarbeit geht, schätzt Norbert Schmedt. Bei neuen Mitarbeitern achtet der Agenturchef stets auf die "wirkliche Motivation", und dass den Bewerbern alles gleich viel Spaß macht, glaubt er ihnen ohnehin nicht. "Hundert Prozent haben ein Hochschulstudium, ob das in der politischen Kommunikation ohne geht, kann ich nicht sagen. Ich habe aber noch nie jemanden ohne getroffen - außer vielleicht Joschka Fischer."

Treffpunkt Schnüss

Stefan Zowislo aus Mönchengladbach, geboren 1963, ist seit diesem Sommer Mitglied der Geschäftsleitung von Kompaktmedien (kress.de berichtete). Mit Schmedt teilt er die große Leidenschaft für Borussia Mönchengladbach, gemeinsam fahren sie zu Heimspielen, neuerdings besonders gerne dann, wenn es um europäische Ehren geht. Nach dem Studium (Politikwissenschaft, Katholische Theologie, Soziologie) in Münster und Frankfurt a. M. arbeitet Zowislo in Bonn für CDU-Abgeordnete. "Es gab aber auch immer die Lust am Schreiben und dann war ich froh, Norbert bei der ,Schnüss' zu treffen. Gemeinsam saßen wir dann einmal bei Peter Glotz auf dem Sofa und machten ein großes Interview mit dem SPD-Denker." Im "Zeitbild-Verlag" (Jugend- und Schulkommunikation) war er u. a. als Chefredakteur tätig, danach CDU-Geschäftsführer in Mülheim an der Ruhr (zu Zeiten der ersten schwarz-grünen Koalition in einer deutschen Großstadt), anschließend für Stadtmarketing und Tourismus in der Stadt an der Ruhr verantwortlich und von 2004 bis 2012 Marketingchef der WAZ Mediengruppe, mit zahlreichen "Nebenaufgaben" betraut wie beispielsweise Ticketing, Call Center, Vertrieb und Buchgeschäft (Klartext Verlag). Zwischendurch, 2009, ein erfolgloser Versuch als OB-Kandidat in Mülheim an der Ruhr, und zuletzt, seit Herbst 2012, war Zowislo Geschäftsführer der Staatlichen Geschäftsstelle "Luther 2017" mit Sitz in Lutherstadt Wittenberg, ins Leben gerufen von der Bundesregierung und insgesamt sieben Bundesländern, um v. a. die Marketing-Aktivitäten im Hinblick auf das Reformationsjubiläum 2017 zu bündeln und umzusetzen.

Inhouse-Agentur als Haltung

Mit der Expansion von Kompaktmedien, über die ihn Schmedt auf dem Laufenden hielt, stand er vor der Entscheidung - zurück ins (politische) Medien- und Kommunikationsgeschäft? Zowislo sagte Ja und erzählt nach den ersten Wochen an Bord von Kompaktmedien von "vielen positiven Erfahrungen: Mit unseren Kunden, unserem Dienstleistungsempfinden und unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern können wir auf dem Berliner Markt professionell arbeiten und bestehen." Bei Kompaktmedien, so Zowislo, "sind die Dinge, bevor sie beim Kunden das Licht der Welt erblicken, mehr als einmal durchgekaut, gedreht, durchdacht worden." In seinen bisherigen Jobs hat er die passenden Schachzüge zu beherrschen gelernt. "Ob WAZ oder Partei, Stadtmarketing oder Luther 2017 - es geht darum, Akzeptanz zu erwerben. Dafür ist eine ausgeprägte Dienstleistungshaltung notwendig und am besten versteht man sich stets als eine Art Inhouse-Agentur. So zu arbeiten, hat mir immer gefallen."

Unternehmenskommunikation als Ergänzung

Ist ihre (parteipolitische...) Herkunft auch unterschiedlich - Norbert Schmedt und Stefan Zowislo sind sich einig: "Wir sind die Dienstleister unserer Kunden. Das wir dabei, schon im agenturinternen Vorfeld gewissermaßen, dialektisch an die Dinge herangehen können, ist unser Plus." Und Erweiterungen, so Schmedt, nicht ausgeschlossen: "Kompaktmedien hat bislang vor allem institutionelle Kommunikation betrieben, Produktwerbung und Produktmarketing liegen da eher am Rande. Wir werden keine Werbeagentur sein, was aber mit Stefan dazu kommt, ist die Möglichkeit, für Unternehmen zu kommunizieren - Unternehmenskommunikation glaubhaft anbieten zu können. Das ist schon eine Ergänzung, die klassische Möglichkeit für eine Geschäftsfelderweiterung." Wenn Schmedt und Zowislo montags die Woche beginnen, steht zunächst eine Runde mit ihren Teamleitern auf dem Programm. Wenn anschließend die Ergebnisse dieses Austauschs für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter "vermailt" werden, ziert die Zusammenfassung stets ein sog. "Schlussstein". Über einen haben sich die beiden zuletzt besonders gefreut - er stammt von Ernst Primosch, dem CEO von Hill+Knowlton Strategies Deutschland, und lautet: "Content ist das neue Gold im Marketing und mindestens so wichtig wie Big Data."

Autoren: Bülend Ürük, Sophia-Therese Fielhauer-Resei

 

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