Online-Petition gegen Absetzung gestartet: Wirbel um die düstere Zukunft der BR-Literatursendungen

 

Kultursendungen haben es schwer im durchformatierten Fernsehbetrieb, besonders hart tun sich die Literaturprogramme. Gegen Pläne des Bayerischen Rundfunks unter BR-Intendant Ulrich Wilhelm, die Sendungen "Lesezeichen" und "Lido" im Zuge einer Programmreform für das nächste Jahr abzusetzen, wird jetzt massiver Widerstand laut. In einer Online-Petition wird der Erhalt der etablierten Literatursendungen gefordert.

Kultursendungen haben es schwer im durchformatierten Fernsehbetrieb, besonders hart tun sich die Literaturprogramme. Gegen Pläne des Bayerischen Rundfunks unter BR-Intendant Ulrich Wilhelm, die Sendungen "Lesezeichen" und "Lido" im Zuge einer Programmreform für das nächste Jahr abzusetzen, wird jetzt massiver Widerstand laut. In einer Online-Petition wird der Erhalt der etablierten Literatursendungen gefordert.

Im Rundfunkrat des BR stehen für Donnerstag Beratungen über Wilhelms Programmreform an, der die festen Sendeplätze für Buch-Sendungen zum Opfer fallen könnten. Die Internet-Abstimmung, an der sich bis Dienstagmittag bereits über 3.500 Unterstützer beteiligt hatten, möchte Kräfte mobilisieren, den Rundfunkrat noch einmal umzustimmen.

Gegenwind vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Dabei erhält die Online-Petition namhafte Unterstützer - etwa von Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V. "Literatur ist nicht nur ein zentraler Bestandteil von Bildung und Kultur, sie weitet zudem den Blick, trägt bei zu Toleranz und Weltoffenheit", so Riethmüller.

"Wenn der Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks entscheiden sollte, die beiden einzigen Literatursendungen des Bayerischen Fernsehens abzusetzen, dann steht damit der Bildungs- und Kulturauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zur Disposition. Moderne Literaturvermittlung in einem Medium wie dem Fernsehen ist eine wichtige Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und trägt zur Meinungsbildung in der Gesellschaft bei. Wenn das nicht mehr möglich sein sollte, wäre das nicht nur ein Armutszeugnis für das öffentlich rechtliche Fernsehen, es würde damit auch zunehmend seine Existenzberechtigung aufs Spiel setzen."

"Dem Bildungs- und Kulturauftrag auch in Zukunft nachkommen"

In der Protest-Abstimmung bei Open Petition unterstützen namhafte Verlag die Forderungen. "Wir finden, dass der von Gebührengeldern finanzierte Bayerische Rundfunk auch in Zukunft seinem Bildungs- und Kulturauftrag nachkommen muss", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.

"Wir können nicht zulassen, dass die Literaturvermittlung immer weiter aus den öffentlich-rechtlichen Medien zurückgedrängt und allein den sozialen Netzwerken überlassen wird. Auch im Fernsehen brauchen wir eine professionelle Literaturberichterstattung - Interviews, Buchbesprechungen, Autorenporträts und Reportagen. Es geht um kulturelle Identität, um das Bewusstsein für Sprache, um das Einüben von Empathie."

BR liebäugelt mit neuen Sendeplätzen für Kulturthemen

Beim BR dementiert man die Lesart, dass sich die ARD-Tochter ab dem 1. Januar 2016 aus der Berichterstattung über Literaturthemen zurückziehen wolle. "Selbstverständlich wird es die Literatur und professionelle Literaturberichterstattung auch weiterhin im Bayerischen Fernsehen geben. Sie soll sogar noch breiter im Programm vorkommen, verteilt auf mehreren Sendeplätzen, zum Beispiel auch auf denen der Aktualität. Das entsprechende Online-Angebot soll außerdem ausgebaut werden", ist in einer Stellungnahme des Senders zu lesen.

"Zu den Vorschlägen der Programmschemareform zählt ein fester Sendeplatz für die Kultur, der von unterschiedlichen Redaktionen bespielt wird. Dazu gehören u.a. Inhalte der Redaktionen von 'Lesezeichen', 'Lido', 'Klickklack', etc. Wie dieser Sendeplatz einmal heißen soll, steht noch nicht fest. Wie genau die Inhalte aussehen werden, wird noch gemeinsam mit den Redaktionen entwickelt. Eine größere Rolle werden darüber hinaus Literatur-Events wie zum Beispiel Lesungen, Festivals oder Slams spielen."

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