Die neue netzwerk-recherche-Vorsitzende: Julia Stein - investigativ in Beruf und Ehrenamt

 

You'll never walk alone. Dies gilt in diesen Tagen vor allem für die Investigativ-Journalisten von Netzpolitik.org, gegen die die Bundesanwaltschaft ermittelt. Sie können sich auf die Solidarität ihrer Kollegen - ob Blogger, Zeitungskollegen, Hörfunker oder Fernsehreporter - verlassen. Auch netzwerk recherche unterstützt Netzpolitik.org. Julia Stein ist seit Juli Vorsitzende des Vereins.

You'll never walk alone. Dies gilt in diesen Tagen vor allem für die Investigativ-Journalisten von Netzpolitik.org, gegen die die Bundesanwaltschaft ermittelt. Sie können sich auf die Solidarität ihrer Kollegen - ob Blogger, Zeitungskollegen, Hörfunker oder Fernsehreporter - verlassen. Auch netzwerk recherche unterstützt Netzpolitik.org. Julia Stein ist seit Juli Vorsitzende des Vereins. kress.de verriet Stein, was sie sich vorgenommen hat.

Dass sie Journalistin werden will, hat die neue "netzwerk recherche"-Vorsitzende Julia Stein, 1972 in Hamburg geboren, erst "sehr spät gewusst". Ein Praktikum bei der Lokalzeitung 1996 und eine Jahreshauptversammlung der Jäger haben sie überzeugt. Die Herren, teilweise sogar in Steins Alter, berichteten etwa darüber, wie viele Tiere erlegt wurden. "Es war faszinierend, in welch fremde Welten man als Journalist abtauchen kann."Chronik sollte es nicht werden: "Ich wollte unbedingt immer Politikberichterstattung machen", erklärt Stein. Sie studierte Politologie, Romanistik und Medienkultur an der Uni Hamburg und zwei Jahre an der Sorbonne in Paris. Schon während ihrer Schulzeit lebte sie für ein Jahr auf einem Bauernhof im Schwarzwald, arbeitete ebenfalls für ein Jahr als Au-pair in Paris - "ich bin frankophil und der Stadt sehr zugetan".

Ganze 19 Jahre ist die stellvertretende Leiterin im Ressort Investigation (seit 2014) im NDR bereits tätig, hat 1996 als Freie beim Radio angefangen, 1997 ein Praktikum beim "Hamburg Journal" gemacht, wurde 1999 Redakteurin, dann Politik-Redakteurin und CvD beim "Hamburg Journal", Redaktionsleiterin "ZAPP" und Chefin des Teams Recherche beim NDR Fernsehen.

Dem Verein netzwerk recherche (nr) - rund 700 Mitglieder, 2001 für u.a. Informationsfreiheit, investigativen Journalismus und die Vermittlung von Recherchetechniken gegründet - ist Julia Stein seit rund 10 Jahren "verbunden" - damals, 2006, Redaktionsleiterin des NDR-Medienmagazins "ZAPP", fand die Jahrestagung des Vereins auch schon beim Norddeutschen Rundfunk statt. "Andere Kollegen zu treffen und netzwerken zu können, Streitgespräche zu führen, wie wir berichten, war großartig."

Vor zwei Jahren wurde Stein zur zweiten nr-Vorsitzenden neben Oliver Schröm gewählt. Nun fragte der Vorstand, ob sich die Journalistin auch die Nummer eins vorstellen könnte. Am Freitag, den 3. Juli, wurde Stein bei der Jahreskonferenz in Hamburg mit großer Mehrheit gewählt. Zweite Vorsitzende ist Cordula Meyer (Deutschland-Ressort "Spiegel"), als Schatzmeisterin fungiert Renate Daum ("Stiftung Warentest"), Schriftführerin ist Christina Elmer ("Spiegel Online"). In ihrer Antrittsrede vermerkte Julia Stein: "Ich freue mich auf die Teamarbeit und die zwei Jahre, dir vor uns liegen." Vier Frauen an der Spitze des nr, das Recherche für alle fordert und fördert, ist schon eine glückliche Fügung: "Das hat sich so ergeben. Unser Vorstand ist nun 50/50 besetzt - besser geht es natürlich nicht." Als Beisitzer wurden Markus Grill ("Correctiv"), Bernd Kastner ("Süddeutsche Zeitung"), Egmont R. Koch (Autor und Produzent) und Gert Monheim ("Die Story") bestätigt.

Die neue Vorsitzende des journalistinnenbundes (jb), Rebecca Beerheide, fordert u.a., dass es viel mehr Frauen in Führungspositionen von Medien gibt. nr-Vorsitzende Stein hegt keine Zweifel: "Die Zahlen sind ja eindeutig. Da muss und wird sich noch viel tun, das wird es aber auch."

Dass es in der Medienbranche auch andere Probleme gibt, etwa wenn es um die Krisenberichterstattung wie beim "Germanwings"-Unglück geht und "hohes Tempo" wie "Konkurrenz" die Nachricht erdrücken, weiß die NDR-Journalistin nur zu gut. "Die gesamte Journaille hätte längst etwas lernen können. Es geht nicht darum, die Boulevardpresse zu verteufeln, die Anforderung für seriöse Medien ist viel größer, denn da kann viel mehr Glaubwürdigkeit verloren gehen." Stein hat sich einiges vorgenommen: "Wir stecken in einer Glaubwürdigkeitskrise, die wir selbst mit verschuldet haben. Wir müssen uns unbedingt darüber austauschen, wie wir mit Fehlern umgehen, um Vertrauen zurück zu gewinnen. Das netzwerk recherche führt diese Diskussion mit Leidenschaft: wir brauchen einen neuen, schnörkellosen und transparenten Umgang mit Fehlern!" Das nr will sich dafür stark machen und hat etwas zu bieten, wie Stein versichert: "Im Zeitalter der journalistischen Kooperation müssen wir Kontaktmöglichkeiten bieten. Egal, ob fest oder frei, lokal oder international, alt oder jung, Buchstaben-, Zahlen- oder Bildjournalist - bei unserer Jahrestagung kommt jeder mit jedem zusammen. Das ist umso wichtiger, weil die journalistischen Welten zunehmend auseinanderklaffen, dabei können alle voneinander lernen."

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