Kommentar von kress-Chefredakteur Bülend Ürük: Ein Ärgernis namens GDV

 

Keinen guten Ruf genießt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) unter Medienschaffenden. Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass ein prominenter Medienschaffender heftigste Kritik erntet, weil er sich mit der Lobbytruppe ins Bett legt.

Keinen guten Ruf genießt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) unter Medienschaffenden. Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass ein prominenter Medienschaffender heftigste Kritik erntet, weil er sich mit der Lobbytruppe ins Bett legt. Ein Kommentar von kress-Chefredakteur Bülend Ürük.

Wenn sich jetzt ausgerechnet GDV-Chef Jörg Freiherr von Fürstenwerth hinstellt, und lakonisch erklärt, er wolle ja keinen Einfluss ausüben, nur ein exzellentes Produkt, scheint das ja aller Ehren wert zu sein. Und natürlich wolle er auch keine Sonderbehandlung in der Berichterstattung. Nur - glaubt er das wirklich, was er da schreibt?

Die GDV besitzt am Stammsitz in Berlin eine der größten pseudojournalistischen Einheiten der Lobbyisten, täglich entstehen Nachrichten aus einem eigenen Newsroom, angeblich, weil die unabhängigen Medien zu wenig und offenbar auch zu kritisch mit der Fürstenwerth-Gruppe umgehen. Da schafft man sich seine Presse lieber selbst, ist ja auch einfacher.

"Mehr Angriff, weniger Defensive" lautete das Motto in Berlin, mehr "gute Geschichten" werden in den eigenen Medien erzählt, den Dialog mit unabhängigen Journalisten halten sie in Berlin schon länger für Unsinn, PR soll es richten.

Der erste prominente Journalist war Star-Autor Harald Martenstein vom "Tagesspiegel", der Ärger für seine Tätigkeit für das Magazin "Positionen" vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erhielt. Die "Zeit"-Chefredaktion verbot Martenstein die weitere GDV-Tätigkeit.

Oder jetzt Frank Plasberg - seine Produktionsfirma "Ansager & Schnipselmann" steht massiv in der Kritik, nachdem die "Bild am Sonntag" zuerst darüber berichtet hatte, dass ein leitender Angestellter des Unternehmens mit der "Hart-aber-fair"-Signatur zu einem Podium der Versicherungslobby einlud. Trotz Plasbergs Beteuerung, seine Firma werde keine Fremdaufträge mehr annehmen - der Schaden ist da, der Ruf des polarisierenden Journalisten, der von seinem hohen moralischen Sockel gefallen ist, ist angekratzt.

Dass GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Freiherr Frank von Fürstenwerth laut "Bild" zudem in einer Finanz-Affäre im noblen Golfclub Wannsee verwickelt ist - die "Bild" warf im vergangenen Jahr die Frage auf, ob Verbands-Gelder fürs Familien-Golfen missbraucht wurden.

Der GDV versucht mit journalistischen Mitteln und auf allen Kanälen, unabhängige Medienschaffende zu beeinflussen. Ihr Produkt ist kein Journalismus, er ist und bleibt Werbung für die Versicherungswirtschaft.

Vielleicht sollte der Versicherungsverband GDV sich einfach mal darauf einlassen, dass es zu der Aufgabe von Journalisten gehört, kritisch zu sein. Niemand mag Organisationen, die sich ihren eigenen Journalismus mit dem Scheckbuch zusammenkaufen.

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