"Leipziger Zeitung" vs. Stadtmagazin "kreuzer": Leipzigs Indiemedien im Clinch

 

Das Führungstrio der jungen "Leipziger Zeitung" zerstreitet sich und einer geht. Das Stadtmagazin "kreuzer" berichtet darüber - und bekommt Post vom "LZ"-Anwalt. Was ist da los?

Das Führungstrio der jungen "Leipziger Zeitung" zerstreitet sich und einer geht. Das Stadtmagazin "kreuzer" berichtet darüber - und bekommt Post vom "LZ"-Anwalt. Was ist da los? kress.de hat sich umgehört.

Die "Leipziger Zeitung" ist angetreten, ein lange beklagtes Vakuum zu füllen: eine lokale Leipziger Wochenzeitung mit alternativem thematischen Zugang. Das einzige tagesaktuelle Printmedium in der Messestadt ist die "Leipziger Volkszeitung" (Chefredakteur: Jan Emendörfer, Geschäftsführer: Marc Zeimetz), die zum Madsack-Konzern gehört. "Lokal, fair, transparent", wollte die "Leipziger Zeitung" sein und einen kleinen und unabhängigen Gegenpol zur "LVZ" bilden. Doch nun ist das Führungstrio der "LZ" zerstritten. Chefredakteur Moritz Arand und Prokurist Robert Dobschütz haben sich von Cesare Stercken als Geschäftsführer getrennt. Der verschwindet eines Tages einfach aus dem Impressum. Still und heimlich, findet das Leipziger Stadtmagazin "kreuzer", das über die internen Querelen berichtet. Der Vorwurf: Die frisch gegründete Wochenzeitung lässt die Transparenz vermissen, die sie jede Woche als Claim im Seitenkopf trägt.

Es folgt Post vom Medienanwalt. Die Anwaltskanzlei "Mohns, Tintelnot, Pruggmayer, Vennemann" verspricht, die Berichterstattung des "kreuzer" "auf ihren Wahrheitsgehalt und ihre sonstige Rechtmäßigkeit hin" zu prüfen. "Kreuzer"-Chef Andreas Raabe versteht die Aufregung nicht. "Das ist normale Berichterstattung und nicht böse gemeint", so der Co-Autor des strittigen Beitrages. Und auch den Vorwurf, der "Kreuzer" habe ein Interesse an Negativ-Berichterstattung über ein Konkurrenzblatt sieht der Chefredakteur entkräftet. Im Gegenteil, die Redaktion des monatlich erscheinenden Stadtmagazins, das einst selbst aus einer Wochenzeitung hervorgegangen ist, betrachte die Leipziger Zeitung nach wie vor als ein willkommenes Mehr an Medienpluralität in der Messestadt. In Ausgabe Null der "Leipziger Zeitung" habe man deshalb auch eine Anzeige geschaltet. Und was bleibt jetzt übrig? "Ratlosigkeit", sagt Andreas Raabe.

Derzeit herrscht Funkstille zwischen Leipzigs alternativen Lokalmedien. Sagt zumindest "LZ"-Chefredakteur Moritz Arand.

Wie steht es denn nun wirklich um die drei Co-Gründer und Gesellschafter der Leipziger Zeitung UG?

"Es gibt da einiges an Auseinandersetzungen. Herr Stercken ist nach wie vor Gesellschafter und ist mit seiner Zustimmung im Juni als Geschäftsführer abberufen worden", so Arand. Genauer will er sich nicht zum Streit mit Stercken äußern. In einer offiziellen Pressemitteilung der Redaktion ist von Drohungen, Beschimpfungen und Nötigung die Rede. Gegen Stercken habe die "LZ"-Strafanzeige "wegen Veruntreuung von Firmengeldern, der Unterschlagung von Firmenunterlagen und dem Verrat von Betriebsgeheimnissen" gestellt. Warum das erst jetzt öffentlich wird? "Es ist an sich nicht unser Stil, in der Öffentlichkeit mit internen, vor allem persönlichen Belangen des Unternehmens zu hantieren", heißt es auf der Website der "LZ".

Seit längerer Zeit kommunizieren Stercken und das verbliebene "LZ"-Duo nur noch über Anwälte. Der Ex-Geschäftsführer spricht von "einer Schlammschlacht" und "verschiedenen Wahrnehmungen und Interpretationen der Ereignisse". Eine Strafanzeige, so wie in der aktuellsten Pressemitteilung der "Leipziger Zeitung" erwähnt, sei ihm allerdings noch nicht zugegangen. Er fühle sich nach wie vor loyal verpflichtet gegenüber dem Unternehmen Leipziger Zeitung, das er "maßgeblich selbst mit aufgebaut" habe. An eine Versöhnung, so lässt der Ex-Geschäftsführer durchblicken, glaubt er aber nicht mehr.

Wie geht es der "Leipziger Zeitung" wirtschaftlich wirklich?

Nach Darstellung des "kreuzer" müsste die Wochenzeitung deutlich mehr als die bisherigen 1.152 Abonennten gewinnen, um überlebensfähig zu sein. "Es wäre vermessen zu behaupten, dass die LZ in der frühen Phase wirtschaftlich vollständig stabil wäre. Jedes Unternehmen, das neu auf den Markt kommt, muss sehen, dass es sich etablieren kann. Wir arbeiten jeden Tag daran, die LZ zu stabilisieren und befinden uns in einer Phase des Aufbaus, verbunden mit allen Höhen und Tiefen", sagt "LZ"-Chef Arand. Und auch die vom "kreuzer" bemängelte Qualität des Blattes will der Chefredakteur so nicht stehen lassen. "Wir müssen sicherlich hier und dort inhaltlich noch unser Profil schärfen. Wir haben aber erst die zehnte Ausgabe produziert. Da wird noch Einiges geschehen", verspricht der Chefredakteur.

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