Jürgen Overkott zur Plasberg-Affäre: "Wo Rauch war, war auch Feuer"

02.08.2015
 
 

Und schon wieder eine "Tatort"-Wiederholung. So geht das schon seit Wochen. Das Fernsehen, egal ob werbe- oder gebührenfinanziert, wagt kaum einen Neustart. Ferienzeit, Sommerloch. Und ausgerechnet da poppt das GDV-Gekungel aus dem Hause Plasberg auf. Viel Rauch um nichts?

Und schon wieder eine "Tatort"-Wiederholung. So geht das schon seit Wochen. Das Fernsehen, egal ob werbe- oder gebührenfinanziert, wagt kaum einen Neustart. Ferienzeit, Sommerloch. Und ausgerechnet da poppt das GDV-Gekungel aus dem Hause Plasberg auf. Viel Rauch um nichts? Im Gegenteil: Wo Rauch war, war auch Feuer.

Der Reihe nach. Sicher, Plasberg hat sich nicht selbst der Versicherungslobby angedient. Sicher, Gattin Anne Gesthuysen steht nicht mehr im ARD-Sold. Sicher, sie darf sich deshalb auch in den Dienst von Verbandsinteressen stellen.

Und dennoch bleibt ein Geschmäckle. Plasbergs Produktionsfirma Ansager & Schnipselmann fand nichts dabei, den Namen des populären ARD-Talks "Hart, aber fair" als Verkaufsargument für die Kuschelrunde eines Verbandes einzusetzen, dessen Vertreter sonst vor laufender Kamera ins Gebet genommen werden. Dass es sich dabei um einmalige Gedankenlosigkeit handelte, darf bezweifelt werden. Vielmehr drängt sich der Verdacht auf, als handelte es sich um ein übliches Verfahren, dass wenn es nicht verlangt, so doch geduldet wurde. Was die "Bild am Sonntag" an diesem Wochenende nachgelegt hat - suche Urlaub, biete Seminar -, geht exakt in diese Richtung. Sollte Plasbergs CvD für die GDV-Affäre büßen müssen - er wäre ein Bauernopfer.

Auch wenn sein Chef sich ganz schnell in Reue übte - seine Ankündigung, künftig auf private Aufträge zu verzichten, trägt durchaus taktische Züge. Darauf deutet Plasbergs Aussage hin, es sei weder um Werbung noch um Produktpräsentation gegangen. Darauf deutet auch hin, es sei bei dem Auftrag um eine journalistische, sprich: unabhängige Moderation gegangen. Das nennt man wohl blauäugig. Anders herum: Es wäre das erste Mal in der Mediengeschichte, dass es sich eine Lobby bei einer eigenen Veranstaltung richtig grillen lässt. Diese Leidensbereitschaft hätte vermutlich nicht mal der Masochisten-Verband.

Vielmehr präsentierte sich Ansager & Schnipselmann in der GDV-Affäre so, als offeriere das Unternehmen sein Personal nach dem Dr.-Jekyll-und-Mr.-Hide-Prinzip: Plasberg, der Wilde; Gesthuysen, die Milde.

Dass Fälle wie das GDV-Gekungel möglich sind, ist ein Systemfehler des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Wenn schon Aufträge an freie Produktionsfirmen vergeben werden, die sich der Kontrolle durch die Gremien entziehen, sollten Verträge so gestaltet werden, dass journalistische Unabhängigkeit garantiert bleibt. Eine zweite Möglichkeit sind sendereigene Produktionsfirmen, wie sie das ZDF für den Talk "Maybrit Illner" gegründet hat.

Denn auf allzu große Selbstkontrolle prominenter Fernsehgesichter darf nicht vertraut werden. Dass sich Anne Will ihre Talkgäste nicht um Nebenjobs anmeiert, ist in der Branche eher die Ausnahme denn die Regel. Fälle wie Johannes B. Kerner, Andrea Kiewel und Anja Kohl haben in der Vergangenheit bewiesen, dass TV-Prominenz großzügig Interessen vermischt, weil sie allzu oft dem Lockruf des Geldes erliegt.

Apropos Geld. Anne Gesthuysen sollte sich schlicht selbst vermarkten - über eine Agentur oder eine eigene Produktionsfirma. Und ihr Mann? Plasberg muss jetzt alles daran setzen, seinen ramponierten Ruf zu retten. Andernfalls schrumpft sein Anspruch zur Pose, der Talk zur Show. Die selbst ernannte Nr. 2 unter den Talkern muss wieder zurück zu seinen Wurzeln: hart, aber fair statt clever & smart.

von Jürgen Overkott

 

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