Literatur trifft Computerkultur: Verleger suchen auf der Gamescom nach der Zukunft

 

Zum zweiten Mal besuchte eine Gruppe von Verlegern die Kölner Computerspielmesse Gamescom, die noch bis 9. August in Köln gastiert. Beim Messerundgang mit kress.de zeigt sich: Die beiden scheinbar so gegensätzliche Branchen eint mehr als sie trennt.

Zum zweiten Mal besuchte eine Gruppe von Verlegern die Kölner Computerspielmesse Gamescom, die noch bis 9. August in Köln gastiert. Beim Messerundgang mit kress.de zeigt sich: Die beiden scheinbar so gegensätzliche Branchen eint mehr als sie trennt.

Für die Vertreter von Bastei Lübbe, dem Deutsches Literaturinstitut Leipzig, dem Ravensburger Buchverlag, der Verlagsgruppe Random House, den Egmont Verlagsgesellschaften, dem Loewe Verlag  und Feder & Schwert ist das keine Expedition in unbekannte Welten, sondern Geschäft. Es geht um den Kauf und Verkauf von Lizenzen. Zum sechsten Mal reisen die Verleger, organisiert von der Frankfurter Buchmesse, zur Gamescom. Die Computerspielmesse findet vom 6. bis zum 9. August in Köln statt und ist die weltweit größte Messe ihrer Art.

Seitdem auf Buchmessen am Stand von Schneider beim Anblick von Minecraft-Büchern schreiende Jungs gesichtet wurden, ist klar: Auch Computerspiele können auch die Grundlage für erfolgreiche Romane sein. Für Maximilian Schenk, den Geschäftsführer des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU), sind Verlage und Spielehersteller ohnehin natürliche Partner: "Wir haben uns lange nur als Softwareindustrie verstanden, aber das ist vorbei. Mit den zunehmenden technischen Möglichkeiten wird das erzählende Element bei Spielen immer wichtiger." Noch sei die Branche Marketing-getrieben, die Autoren und Kreativen ständen nicht im Mittelpunkt, was auch an den Stars im Hintergrund der Spieleindustrie läge: "Schauspieler und Schriftsteller sind es mehr gewohnt, über rote Teppiche zu laufen."

Gut geölte Vermarktungsmaschinerie für "Die Säulen der Erde"

Ein Beispiel für die Zusammenarbeit wurde im Vorfeld der Gamescom präsentiert. "Die Säulen der Erde" von Ken Follet stehen nicht nur für eine in aller Welt millionenfach verkaufte Romanreihe, sondern auch für perfekte Vermarktung. Neben den klassischen Büchern gibt es ein Hörbuch, ein Hörspiel, einen mehrteiligen Film und ein Brettspiel. 2017 wird dann auf Basis des Buches in enger Abstimmung mit Follets Büro ein Computerspiel dazu kommen, das zeitgleich mit  dem dann dritten Band erscheinen wird. Der Kölner Verlag Bastei Lübbe und der Hamburger Computerspielehersteller Daedalic arbeiten bei dem Projekt eng zusammen, die Texte stammen aus Follets Bestseller, die Figuren, die durch die Geschichte leiten auch. 

Oliver Graute vom Verlag Feder & Schwert war die Adaption von Follets Bestseller dann auch zu eng am Original und lasse den Spielern zu wenig Freiheit. Graute sagte, im Ideal würden Spiele und Bücher Welten schaffen, in denen sich die Menschen aufhalten können. "In diesen Welten können dann neue Ideen für Computerspiele entstehen oder auch für Filme und Romane."

Leuchtendes Vorbild: die Marvel-Superhelden

Der Comicverlag Marvel würde es richtig machen. Figuren wie Batman oder Spiderman werden immer wieder neu erfunden, ihre Geschichten variiert und dann für Filme, Comics und Spiele umgesetzt. Die Autoren, egal ob sie Texte oder Programmcode schreiben, werden also immer auch ein wenig mit der Erschaffung von Welten beschäftigt sein. Neu ist das nicht: John Ronald Reuel Tolkien schuf mit seiner Saga vom "Herrn der Ringe" eine Welt, die immer wieder neu erzählt wird und doch seit 60 Jahren nichts von ihrer Faszination verloren hat.

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