Nachrichtenchef Michael Klein über "Constructive News": "Auswahl von News ist eine ständige Gratwanderung"

 

Macht es sich Ulrik Haagerup in seinem Buch "Constructive News" zu einfach? Für den dänischen Top-Journalisten, Chefredakteur beim dänischen Rundfunk DR, steht fest: "Millionen Leser, Hörer und Zuschauer kehren den alten Medien den Rücken. Einer der Gründe dafür ist sicherlich, dass die Menschen krank und müde vom negativen Bild der Welt sind, das die Journalisten ihnen präsentieren." Im Gespräch mit kress.de hält Michael Klein, Nachrichtenchef bei der "Wetzlarer Neuen Zeitung", dagegen.

Macht es sich Ulrik Haagerup in seinem Buch "Constructive News" zu einfach? Für den dänischen Top-Journalisten, Chefredakteur beim dänischen Rundfunk DR, steht fest: "Millionen Leser, Hörer und Zuschauer kehren den alten Medien den Rücken. Einer der Gründe dafür ist sicherlich, dass die Menschen krank und müde vom negativen Bild der Welt sind, das die Journalisten ihnen präsentieren." Im Gespräch mit kress.de hält Michael Klein, Nachrichtenchef bei der "Wetzlarer Neuen Zeitung", dagegen.

"Die Einteilung der täglichen Nachrichten in positiv und negativ ist mir zu grob", sagt Michael Klein. Tatsächlich könne ein und dieselbe Nachricht je nach Sicht des Betrachters positive wie negative Aspekte beinhalten. Als Beispiel nennt Klein die Pflegereform. Ein Arbeitnehmer könne es negativ sehen, dass ihm durch den Anstieg des Pflegebeitrags weniger auf dem Gehaltszettel bleibe. "Ein älterer Mensch wird sich hingegen freuen, dass sich dadurch die Qualität der Pflege und der Betreuung verbessert - und vielleicht sogar ein Jüngerer, der sich Gedanken über sein Leben im Alter macht."

"Es kommt auf die Dosis an"

"Eines ist aber richtig: Die bloße Aneinanderreihung von Kriegs- und Katastrophenmeldungen dürfte die Leser auf Dauer abschrecken", so Klein. "Insofern legt Ulrik Haagerup den Finger in die Wunde." Die Nachrichtenauswahl sei eine ständige Gratwanderung. Klein: "Einerseits müssen wir über Krisenherde wie die Ukraine, Syrien oder den Irak berichten. Das ist tatsächlich negativ und schon für die handelnden Politiker häufig ausweglos. Dennoch berichten wir auch über konstruktive Vorschläge, wie diese Konflikte eingedämmt werden könnten." Das allein reiche aber nicht, um das Interesse der Leser wachzuhalten. Klein sieht nämlich eine ganz andere Gefahr: "Ob konstruktiv oder nicht: Eine Dauerberieselung mit Themen, bei denen der Leser keine eigene Betroffenheit wahrnimmt, führt zur Abstumpfung. Es kommt deshalb sehr auf die Dosis dieses Teils der Nachrichten an."

"Das Negative nicht verschweigen, über Auswege berichten"

Für Klein gehört zur Abbildung der Realität auch die "leichte Kost - vom Promi-Klatsch bis zum Badewetter. Vor allem aber setzen wir in Wetzlar stark auf Nutzwert, also auf Themen aus dem unmittelbaren Lebensbereich der Leser." Am Ende komme es auf die Mischung an: "Das Negative nicht verschweigen, über Auswege berichten, wo immer das möglich ist - und positive Nachrichten ebenso als Teil der Wahrheit verstehen wie praktische Tipps für den Alltag."

Die deutsche Fassung von "Constructive News" ist im Medienfachverlag Oberauer erschienen und kann im Online-Shop für 24,90 Euro geordert oder über vertrieb(at)oberauer.com bestellt werden.

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