Vorläufiger Abschied vom ZDF-"Donnerstalk": Wie beherzt Dunja Hayali heiße Eisen anpackt

13.08.2015
 

Es war ein Experiment - und es ist voll aufgegangen: Seit acht Jahren moderiert Dunja Hayali das "Morgenmagazin" im ZDF. Mit ihrem eigenen "Donnerstalk" zog sie als Sommerpause-Vertreterin für Maybrit Illner viel Aufmerksamkeit auf sich. Und sie wagte sich an brisante Themen - Vor-Ort-Einsätze als Reporterin im Gespräch mit NPD-Demonstranten inklusive.

Es war ein Experiment - und es ist voll aufgegangen: Seit acht Jahren moderiert Dunja Hayali das "Morgenmagazin" im ZDF. Mit ihrem eigenen "Donnerstalk" zog sie als Sommerpause-Vertreterin für Maybrit Illner viel Aufmerksamkeit auf sich. Und sie wagte sich an brisante Themen - Vor-Ort-Einsätze als Reporterin im Gespräch mit NPD-Demonstranten inklusive.

Eine ihrer großen Stärke ist ihre Lockerheit: Nichts machen müssen, aber alles machen können – und sich dabei auf die eigenen Stärken besinnen und sich auch von Misserfolgen nicht entmutigen lassen. "Ich bin wie ich bin", sagt Dunja Hayali im Gespräch mit kress.de. Darin liegt ihr Erfolgsrezept. Nach der Co-Moderation des "Heute Journals" hat sie bislang acht Jahre das Morgenmagazin moderiert und hat nun als Sommerpausenvertretung von Maybrit Illner ihre eigene Talkshow. Am Donnerstag, 13. August, läuft die vorerst letzte Sendung, die eine Mischung aus Talk und Magazin ist. Dunja Hayali tritt dabei nicht nur als Moderatorin vor die Kamera, sondern auch als Reporterin.

"Ein irrsinniger Ritt mit viel Adrenalin, Anstrengung, aber auch Spaß"

"Die vergangenen vier Wochen waren ein irrsinniger Ritt mit viel Adrenalin, Anstrengung, aber auch Spaß", sagt Dunja Hayali rückblickend im Gespräch mit kress.de. Der "Donnerstalk" trägt deutlich ihre Handschrift: Deshalb waren in der ersten Sendung neben der Flüchtlingsdebatte auch Assistenzhunde ein Thema. Hayali hat selbst seit zehn Jahren einen Hund – und im vergangenen Jahr ein Buch mit dem Titel "Is' was Dog" veröffentlicht. Beinahe bekommt man als Zuschauer das Gefühl, dass Dunja Hayali wirklich das macht, worauf sie Lust hast, und was ihr persönlich wichtig ist.

"Ich versuche meinen Beruf von meinem privaten Engagement zu trennen, aber natürlich lässt sich meine Haltung nicht immer ausblenden - und im 'Donnerstalk' darf ich sie auch zeigen." Für viele Zuschauer – und auch sie selbst – sei das am Anfang ungewohnt gewesen. Aber es kam überwiegend gut an: "Eine Zuschauerin hat geschrieben, dass sie Haltungen braucht, um sich ihre eigene Meinung zu bilden", sagt Hayali.

"Die Gästeauswahl muss zu 100 Prozent sitzen"

Drei Themen in 60 Minuten, dabei nicht nur mediengeübte Gesprächspartner, sondern auch unerfahrene, die aber wirklich etwas zu sagen haben – und nicht auf der Couch verstummen, weil plötzlich Kamera und Scheinwerfer auf sie gerichtet sind. "Die Gästeauswahl muss zu 100 Prozent sitzen", sagt sie. Das sei in den vergangenen vier Wochen eine der größten Herausforderungen für sie – und ihre Redaktion gewesen. Selbstkritisch gibt Hayali aber auch zu, dass das nicht immer gepasst hat. "Wir lernen irrsinnig viel dazu, aber arbeiten und diskutieren einfach auch mit viel Leidenschaft und Herzblut."

Mit Til Schweiger im Studio und bei NPD-Anhängern auf der Demo

In drei von vier Sendungen, so auch heute Abend, spielt das Thema Flüchtlinge eine Rolle – eine Problemstellung, die auch der Moderatorin am Herzen liegt, deshalb bespricht sie das Thema nicht nur mit den Gästen wie etwa Til Schweiger im Studio, sondern geht auch dorthin, wo die Probleme sind: Hayali besuchte etwa ein Flüchtlingsheim in Berlin-Marzahn, sprach mit Anwohnern und Kleingartenbesitzern, ebenso wie mit demonstrierenden Menschen von der NPD. "Aus diesen Gesprächen, egal wie sie verlaufen, kann ich auch für meinen eigenen Erfahrungsschatz schöpfen."

Dennoch weiß sie auch, dass einige Menschen mit extremen Positionen beratungsresistent sind und es selten um den Austausch von Argument geht. "Das wird allerdings immer gefährlicher, weil diese Menschen auf Facebook ihre Parolen unter ihrem Klarnamen posten – und keine Angst mehr vor den Konsequenzen haben."

Cybermobbing für die ZDF-Frau mit dem "Migrationsvordergrund"

Sie hat es selbst erlebt: Die rassistischen Briefe, die sie bekommen hat, als sie als Frau mit "Migrationsvordergrund" beim ZDF angefangen hat, sind fast vergessen, mittlerweile kommen die Beschimpfungen über Facebook und Twitter. In einer Sendung besprach sie deshalb das Thema Cybermobbing: "Am Anfang habe ich noch versucht, mit Argumenten dagegen zu halten, mittlerweile lasse ich das im Sande verlaufen, auch juristisch gibt es kaum Möglichkeiten dagegen anzugehen", sagt Hayali. Sowohl Facebook als auch Twitter nutzt sie, weil sie "wirklich interessiert" daran ist, was die Zuschauer denken – und wie sie die Sendung fanden.

Drei Themen in 60 Minuten heißt aber auch, dass selten mehr Platz bleibt als für zwei Fragestellungen pro Thema: "Wir erheben nicht den Anspruch, ein Thema zu Ende zu diskutieren, oder gar den Anspruch auf Vollständigkeit, aber wir wollen erreichen, dass die Zuschauer zuhause auf der Couch oder am Küchentisch weiterdiskutieren", sagt die 41-Jährige. Ihr Team, "in dem alle alles machen", wie Hayali sagt, besteht aus derzeit vier Redakteurinnen und nur einem Mann.

Und was für Dunja Hayali in den kommenden Wochen ansteht? "Am 17. August klingelt um 3.45 Uhr mein Wecker – und ich moderiere wieder beim 'Morgenmagazin'", sagt sie gelassen. 

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