Lehrstück mit zwei Gewinnern: Wie Hans-Jürgen Jakobs Unister Kritik aus den Segeln nahm

 

Manchmal reicht es, wenn man zuhört, sich auf sein Gegenüber einlässt, Stellung bezieht - vorbildlich hat Hans-Jürgen Jakobs, Chefredakteur vom "Handelsblatt", einen Angriff des Internetkonzerns Unister in dieser Woche pariert. Thomas Wagner, Gründer und Geschäftsführer der Unistet-Holding, hatte über einen Offenen Brief massiv Druck auf das "Handelsblatt" aufgebaut, offen von einer Kampagne gegen das Leipziger Unternehmen gesprochen. 

Manchmal reicht es, wenn man zuhört, sich auf sein Gegenüber einlässt, Stellung bezieht - vorbildlich hat Hans-Jürgen Jakobs, Chefredakteur vom "Handelsblatt", einen Angriff des Internetkonzerns Unister in dieser Woche pariert. Thomas Wagner, Gründer und Geschäftsführer der Unistet-Holding, hatte über einen Offenen Brief massiv Druck auf das "Handelsblatt" aufgebaut, offen von einer Kampagne gegen das Leipziger Unternehmen gesprochen. 

"Offener Brief" äußerst selten

Nur selten greifen Unternehmen zum Mittel des Offenen Briefes. Viele versuchen, lieber im persönlichen Gespräch zu klären, was denn da genau falsch gelaufen ist. Andere meinen, sie geben sich eine Blöße, wenn sie ihr Entsetzen über einen Bericht öffentlich kundtun. Unister, das in den vergangenen Monaten immer wieder in der Kritik stand, scheint unter Führung ihres neuen Kommunikationschefs Dirk Rogl jetzt wieder eine klare Sprache gefunden zu haben - wir lassen uns nicht alles gefallen.

"Das Himmelfahrtskommando" lautete die Überschrift von dem Artikel im "Handelsblatt", der den Zorn des Leipziger Unternehmens auf sich zog: "Mit Ihrem Bericht haben Sie unserem Unternehmen großen Schaden zugefügt", steht da unter anderem. Und: "Schlimmer noch: Wir wissen nicht, aus welchen Gründen uns, wie von Ihnen behauptet, der Ruin drohen sollte. Und Ihnen wird es nach Lektüre Ihres Textes nicht besser gehen können. Jene versierten Branchenanalysten in Ihrer Redaktion, die bei diesem Text sichtbar nicht am Werk waren, werden Ihnen bestätigen, dass sich selbst etablierte europäische Touristik-Konzerne mit operativen Margen von wenigen Prozentpunkten zufrieden geben."

Das gesamte Schreiben an die Düsseldorfer Wirtschaftszeitung gibt es hier: Offener Brief an die Chefredaktion des Handelsblatts: Steht das Handelsblatt vor dem journalistischen Ruin? 

Beim "Handelsblatt" ging Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs persönlich auf die Kritik aus Leipzig ein. In einem persönlichen Brief an Gründer Wagner nahm er Stellung zu den Vorwürfen, legte die  Standpunkte der "Handelsblatt"-Redaktion dar.

"Handelsblatt": "Fahren keine Kampagne gegen Unister"

Den verantwortlichen Journalisten nimmt das "Handelsblatt" in Schutz. Kerstin Jaumann, Sprecherin der Verlagsgruppe Handelsblatt, erklärt die Arbeit der Redaktion kress.de so: "Unser Autor hat, im Zusammenspiel mit dem zuständigen Ressort, gewissenhaft alles Geschriebene geprüft und auf Grundlage von Dokumenten geschrieben. Er hat mit dem Kommunikationsverantwortlichen des Hauses Unister gesprochen, dessen Standpunkt wiederholt ausführlich dargestellt und sich auch um ein Gespräch mit Thomas Wagner, Geschäftsführer der Unister Holding, bemüht. Wie dem Artikel zu entnehmen ist, wollte keiner der Protagonisten mit dem Handelsblatt sprechen. Das Handelsblatt beabsichtigt weder dem Unternehmen Unister Schaden zuzufügen noch eine Kampagne zu betreiben. Das Handelsblatt berichtet über Unister in der gleichen Art, wie über andere Unternehmen auch. Gegen die Kampagnenvermutung spricht zudem die Tatsache, dass ein Handelsblatt-Redakteur vor wenigen Monaten ein Interview mit Herrn Wagner geführt hat, das von diesem autorisiert wurde. Darüber hinaus ist es nicht die Absicht des Handelsblatts ein Unternehmen in den „Ruin“ zu schreiben. Aber Schulden bleiben Schulden, auch wenn sie Verbindlichkeiten oder Kreditverpflichtungen heißen. Der Artikel wirft hierzu lediglich Fragen auf."

Bei Unister zeigt man sich mit dem persönlichen Brief von Hans-Jürgen Jakobs zufrieden und erklärt auf Anfrage von kress.de: "Wir begrüßen den konstruktiven und fairen Dialog mit der Chefredaktion des Handelsblatts und bedauern, dass es nicht vor Erscheinen des Artikels möglich war, von der soliden Performance unseres Unternehmens zu überzeugen. Wir sind guter Dinge, dass uns dies in Zukunft gelingen wird."

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