WDR-Programmoffensive zum 50. Geburtstag: Tom Buhrow zündet Feuerwerk

 

Zum 50. Geburtstag seines Fernsehprogramms wollte der WDR nicht ins Archiv steigen und alte Konserven senden. Der Sender startet eine Programmoffensive, wie es sie im WDR-Fernsehen noch nie gegeben hat und zeigt Mut.

Zum 50. Geburtstag seines Fernsehprogramms wollte der WDR nicht ins Archiv steigen und alte Konserven senden. Der Sender startet eine Programmoffensive, wie es sie im WDR-Fernsehen noch nie gegeben hat und zeigt Mut.

Seit Jahren werden die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland verspottet: Ängstlich, innovationsarm und so aufregend wie das Kantinenessen in einem niedersächsischen Finanzamt sei ihr Programm. WDR-Intendant Tom Buhrow und sein Fernsehdirektor Jörg Schönenborn wollen nun ab dem 24. August zeigen, dass auch eine Traditionsanstalt wie der WDR das Haus noch rocken kann.

Verteilt auf zwei Wochen feiern sie den 50. Geburtstag des WDR-Fernsehprogramms nicht mit Wiederholungen von Klassikern wie "Ein Herz und eine Seele" und den aufregendsten Momenten der Aufzeichnungen des Neusser Schützenfestes, sondern mit 20 neuen Programmen, die ein extra dafür ins Leben gerufenes Innovationsteam entwickelt hat, dem drei Millionen Euro aus Buhrows Chefsonderentwicklungsetat zur Verfügung standen.

"20 Sendungen, die es so noch nicht gab"

Die aktuell in Köln im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellten Ergebnisse zeigen, was in öffentlich-rechtlichen Anstalten an Potentialen steckt, wenn die Zügel der Bürokratie gelockert werden. Tom Buhrow ist mehr als zufrieden: "Ich habe gehofft, ein oder zwei Hände mit neuen Ideen präsentieren zu können, und jetzt haben wir 20 Sendungen, die es so noch nicht gab." Dem Innovationsteam sei gesagt worden "Macht, was Euch gefällt". "Nun senden wir zwei Wochen lang ein Feuerwerk, und dann werten wir ganz in Ruhe aus."

Für Fernsehdirektor Jörg Schönenborn war eines der wichtigsten Ziele Innovation. Dafür habe man "die  besten Köpfe aus den Programmbereiche zur Innovationsgruppe zusammengestellt".

Die Kernzielgruppe für Schönenborn sind die 35-55-Jährigen. Über das Radio hat der WDR versucht, den Hashtag #WDRmachtan bekannt zu machen.

Micky Beisenherz und Oliver Polak kommen zum Zug

Die Mühe hat sich gelohnt. Auf die Zuschauer warten nun nicht nur Serien wie "Meukelbeck", eine am Niederrhein spielende Mischung aus Krimi und Familienserie mit schwarzem Humor, die das Zeug hat, den in der Kreativpause befindlichen Dauerbrenner "Mord mit Aussicht" zu beerben, sondern auch die neue Comedy-Show "Das Lachen der anderen" mit Micky Beisenherz und Oliver Polak. In den beiden bislang fertig gestellten Folgen werden Beisenherz und Polak ein Ökodorf und eine Gruppe MS-Kranker besuchen, mit ihnen zusammen leben und dann versuchen, ein Stand-up Programm auf die Beine zu stellen, dass die Hippies und die Kranken zum Lachen bringt.

Mit "#Weltuntergang" und "#Jesuischarlie" wird es zwei Sendungen geben, in denen WDR-Redakteure aus dem im Internet veröffentlichten Materialien ihrer Zuschauer Dokumentationen herstellen. Die Themen werden das schwere Pfingstunwetter aus dem Jahr 2014 und die Mordserie in Paris sein, bei der Killer des Islamischen Staates Redakteure der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo", Juden und Polizeibeamte ermordeten. In weiteren Shows sprechen Krebskranke vor Publikum über ihre Erfahrungen, und Youtuber mixen Altmaterial des WDR neu zusammen – ganz ohne einen Griff ins Archiv geht es bei einem Jubiläum nun einmal doch nicht.

Tom Buhrow möchte online stärker Gas geben

Bereits durchs Netz ging das Projekt "Kurvenklänge". Das Funkhausorchester nahm zusammen mit den Fans der fünf Bundesligavereine in NRW deren Hymnen auf. Kurze Spots von viereinhalb bis sechs Minuten Länge sind das Ergebnis. Sie werden im TV zu sehen sein aber, da ist sich Buhrow sicher, vor allem im Netz geteilt werden. Überhaupt würde Buhrow gerne mehr online machen, aber er muss sich an die Regeln halten, die dem WDR nur Begleitaktivitäten online erlauben. "Ich bin in Gesprächen mit Medienpolitikern", sagte der Intendant, "um das zu ändern".

Was sich bewährt, was gesehen wird oder für Diskussionen sorgt, hat gute Chancen, im kommenden Jahr ins Programm zukommen. Der Platz ist da, ab dem 1. Januar ändert der WDR sein Programmschema. Der WDR wird ab dem 24. August Mut zeigen. Hoffentlich wird sich das für den Sender auszahlen. Viele der neuen Sendungen haben eine Chance verdient.

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