Ein Kommentar von Jürgen Overkott: Der doppelte Plasberg – stoppt diesen Mumpitz!

26.08.2015
 
 

Frank Plasbergs Kungelei mit dem GDV ist dem Moderator aufs Butterende geschlagen. Nach der offensichtlichen Vermischung journalistischer und lobbyistischer Interessen haben seine Gegner nur darauf gewartet, nachlegen zu können. In einer – wie sie meinen – verunglückten Ausgabe des ARD-Talks "Hart, aber fair" glaubten sie, fündig geworden zu sein. Das ist legitim. Beschämend für den WDR ist allerdings, wie Rundfunkrat und Senderspitze mit dem politischen Druck umgegangen sind.

Frank Plasbergs Kungelei mit dem GDV ist dem Moderator aufs Butterende geschlagen. Nach der offensichtlichen Vermischung journalistischer und lobbyistischer Interessen haben seine Gegner nur darauf gewartet, nachlegen zu können. In einer – wie sie meinen – verunglückten Ausgabe des ARD-Talks "Hart, aber fair" glaubten sie, fündig geworden zu sein. Das ist legitim. Beschämend für den WDR ist allerdings, wie Rundfunkrat und Senderspitze mit dem politischen Druck umgegangen sind. Und zu schlechter Letzt wird der Fall zur Farce.

Runfunkrat handelte journalistisch unklug und politisch falsch

Eine vergleichsweise läppische Programmbeschwerde aus feministischer Richtung brachte das Aufsichtsgremium aus dem Takt. Was folgte, war ein Eiertanz mit peinlichen Pirouetten. Da Plasberg und seine Gäste nichts Justiziables von sich gegeben hatten, gab es für den Rundfunkrat keinen Grund, der Beschwerde stattzugeben. Zugleich aber wollte das Gremium den Aufschrei verstummen lassen. Das Zugeständnis, die Entfernung der umstrittenen Ausgabe von "Hart, aber fair" aus der Mediathek zu verlangen, war journalistisch unklug und politisch falsch. Hart, aber unfair.

Jörg Schönenborn: Souverän geht anders

Nicht eben mit Ruhm hat sich auch WDR-Fernsehchef Jörg Schönenborn bekleckert. Seine Entscheidung liegt daneben, seine Begründung wirkt fadenscheinig. Souverän geht anders. Schönborns Aktion erscheint kleinkariert und kleinmütig.

Im Gegenteil: Rundfunkrat und Programmchef hätten ihrem Talker demonstrativ den Rücken stärken müssen. Die Pressefreiheit – schade, dass eine Binse aus aktuellem Anlass betont werden muss - ist ein hohes Gut, das nicht aus geschmäcklerischen Gründen geopfert werden darf. Gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss Unabhängigkeit gegen politische Beeinflussung zeigen – aus welcher Ecke auch immer. Niemand kann, ja darf es allen recht machen. Im Gegenteil. Wer Everybody's Darling sein wolle, erkannte Franz-Josef Strauß selig einst, werde Everybody's Depp.

Wie ein abgebrochenes Fußballspiel, das wiederholt wird

Die umstrittene "Hart, aber fair"-Ausgabe mit demselben Thema und denselben Gästen, wie ein vorzeitig abgebrochenes Fußballspiel, zur Wiederholung anzusetzen, macht den Fall vollends zur Posse. Was die "Bild"-Zeitung herausgefunden haben will, wurde von Plasberg auf Anfrage von kress.de nicht bestritten; er schwieg. Mit einer Ausgabe "Gleichberechtigung reloaded" mutiert der Moderator zum (H)Ampelmann. Plasberg wird mit dem TV-Kotau beschädigt. Die Neuauflage des Gesprächs kann nur unfreiwilliges Polit-Kabarett sein. Die Selbstparodie des Talk-Genres ist nutzlos, teuer, überflüssig. Stoppt diesen Mumpitz!

Die Empfehlung der Programmaufseher und die Entscheidung des Senders könnten überdies eine fatale Signalwirkung an Querulanten haben – weil es so einfach war, Erfolg zu haben.

Ein Kommentar von Jürgen Overkott

Hintergrund 

Frank Plasberg wird nach dem Wirbel um seinen "Hart aber fair"-Talk mit dem Titel "Nieder mit den Ampelmännchen" vom März 2015 erneut das Thema Gleichberechtigung aufnehmen. "Aufgrund der großen Debatte über die Sendung und ihr Thema hat die Redaktion entschieden, dass das Thema Gleichberechtigung der Geschlechter in voraussichtlich zwei Wochen in 'Hart aber fair' erneut aufgegriffen wird", sagte WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn am Montag in einer Mitteilung.

Der WDR hatte die im Rundfunkrat kritisierte "Hart aber fair"-Ausgabe aus der ARD-Mediathek entfernt. Die Sendung sei "von Frauenverbänden und Gleichstellungsbeauftragten als unseriös empfunden worden und hatte zu Programmbeschwerden und zahlreichen Protestbriefen geführt", hatte der WDR erklärt. Schönenborn wies Vorwürfe "der Zensur oder Selbstzensur" zurück.

 

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