"Aufschreiben, was gesagt wurde": Axel Springer und Reclam bringen "Die letzten Zeugen"

 

In einem Kraftakt haben Journalistinnen und Journalisten von "BZ Berlin" und "Bild" einen der wohl letzten Auschwitz-Prozesse begleitet, in denen sich Täter und Opfer des größten menschlichen Verbrechens in die Augen sahen, und versucht, ihn Wort für Wort zu protokollieren. Gemeinsam mit Reclam veröffentlicht Axel Springer die Protokolle jetzt in Buchform.

In einem Kraftakt haben sich Journalistinnen und Journalisten von "BZ Berlin" und "Bild" einen der wohl letzten Auschwitz-Prozesse begleitet und versucht, ihn Wort für Wort zu protokollieren. Gemeinsam mit Reclam veröffentlicht Axel Springer die Protokolle jetzt in Buchform. "Unser Anspruch als Journalisten war es, genau das aufzuschreiben, was im Prozess gesagt wurde - unkommentiert, unbewertet und ungewichtet", erklärt "BZ"-Chefredakteur Peter Huth.

Im Vorwort zu dem Buch "Die letzten Zeugen. Der Auschwitz-Prozess von Lüneburg. Eine Dokumentation." notiert Chefredakteur Peter Huth außerdem: "Der Bogen, der hier gespannt wird, reicht vom Leben der Juden in Ungarn über die Deportation nach Auschwitz und das Grauen im Konzentrationslager, das niemals zu überwindende Leid der Überlebenden bis zum fürchterlichen Versagen der deutschen Justiz nach dem Krieg, mit deutscher Schuld umzugehen. Um diese Aussagen zu bewahren und möglichst unverfälscht der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, entschlossen wir uns, das Verfahren in der Berliner Tageszeitung BZ unter dem Motto "Jedes Wort zählt" komplett und ungekürzt zu dokumentieren."

Vom 21. April bis 15. Juli 2015 musste sich der heute 94-jährige Oskar Gröning, der als SS-Mann im Konzentrationslager Auschwitz eingesetzt war, vor Gericht verantworten. Wort für Wort schrieben die "Bild"- und "BZ"-Reporter Laura Gehrmann, Anne Losensky, Anja Wieberneit, Axel Sturm und Kai Feldhaus auf, was der am Ende verurteilte Gröning und vor allem die anwesenden Auschwitz-Überlebenden und ihre Nachkommen berichteten.

Zum 7. Oktober 2015 bringen Reclam und Axel Springer ein Buch heraus, das die Mitschriften aller siebzehn Prozesstage kompakt dokumentiert. Das Buch "Die letzten Zeugen" bewahrt das Bekenntnis des Angeklagten, die Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Nebenklägern und Verteidigern und die Aussagen der Opfer und ihrer Nachkommen für zukünftige Generationen. Es dokumentiert neben den Verbrechen des Nationalsozialismus auch das Versagen der deutschen Justiz in der Nachkriegszeit.

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