Öffentlichkeitsarbeit und Kirche: "Wir müssen den Menschen sagen, warum Kirche wichtig ist"

 

Die Katholische Kirche schrumpft: Mehr als 200.000 Menschen haben ihr allein im vergangenen Jahr den Rücken gekehrt. Wäre die katholische Kirche ein Unternehmen, würde sie nun mit einer großen Kampagne versuchen, den Rückgang zu stoppen und die Menschen dazu bewegen, ihr beizutreten.

Die Katholische Kirche schrumpft: Mehr als 200.000 Menschen haben ihr allein im vergangenen Jahr den Rücken gekehrt. Ist die Zeit für eine große Kampagne gekommen?

Matthias Kopp hatte in den vergangenen Wochen viel zu tun. Der Pressesprecher der in Bonn ansässigen Deutschen Bischofskonferenz musste Fragen zu Kirchenaustritten beantworten. "Das mache ich natürlich nicht mit Vergnügen, lieber würde ich erklären, was die katholische Kirche für die Menschen leistet." Die Deutschen und die katholische Kirche sind dabei, sich fremd zu werden. Immer mehr Menschen wenden der Kirche den Rücken zu, immer geringer wird das Wissen um die christliche Botschaft. "Zu Ostern muss ich oft erklären, dass es bei dem Fest nicht um den Osterhasen geht", sagt Kopp.

"Das Problem sitzt tiefer"

200.000 Menschen sind 2014 aus der Katholischen Kirche ausgetreten. Eine gewaltige Zahl, auch wenn es immer noch über 23 Millionen Katholiken gibt. Die Gründe, sagt Kopp, sind vielfältig. Oft geht es ums sparen von Steuern, dann ziehen immer wieder Wutwellen durch das Land. Über Bischof Tebartz van Elst und seine teure Residenz in Limburg oder den Missbrauch von Kindern durch Geistliche. Aber, sagt Kopp, das alleine erkläre die Austritte nicht: "Wenn Menschen wütend werden, können sie ja auch innerhalb der Kirche darauf drängen, dass sich etwas ändert." Nein, das Problem sitzt tiefer. "Die katholische Kirche gehört für viele Menschen nicht mehr zum Alltag." Die Zeiten, in denen der sonntägliche Kirchbesuch selbstverständlich war, man den Pfarrer auf der Straße traf sind vorbei.

"Es läuft bereits viel in den Bistümern"

Wäre die katholische Kirche ein Unternehmen, würde sie nun mit einer großen Kampagne versuchen, den Rückgang zu stoppen und die Menschen dazu bewegen, ihr beizutreten. "Eine solche Kampagne wird es derzeit nicht geben. Zum einen sind wir kein Unternehmen, zum anderen läuft bereits viel in den Bistümern."

Die Bischofskonferenz ist der Zusammenschluss der 27 Bistümer Deutschlands. Ihr Vorsitzender, Reinhard Kardinal Marx, ist nicht der Chef der deutschen Bischöfe und Kardinäle, sondern eher ein gemeinsamer Sprecher, ein primus inter pares, der Erste unter Gleichen. Der Chef heißt Papst Franziskus und sitzt in Rom.

Nach Maßstäben der katholischen Kirche ist die Bischofskonferenz zudem eine junge Vereinigung. Zwar nahm sie ihre Arbeit 1848 23 Jahre vor der Gründung des deutschen Reiches 1871 auf, aber da war das älteste Bistum auf dem später deutschem Boden schon knapp 1500 Jahre alt. Trier wurde wie Köln als Bistum noch von den Römern gegründet. Bis Bonifatius sich daran machte, die Germanen zu christianisieren, sollten von da an noch über 300 Jahre vergehen.

"Die Situation ist in den Bistümern unterschiedlich, die Bischöfe sind für ihr jeweiliges Bistum alleine verantwortlich. Da gibt es gute Aktionen der Öffentlichkeitsarbeit: von Themen wie Flüchtlingshilfe bis hin zur Sterbebegleitung. Auch unsere Hilfswerke machen viel oder die Katholikentage fahren umfangreiche Kampagnen.", sagt Kopp. Seine Arbeit ist dann auch nicht der Entwurf des großen Kommunikationswurfes, sondern eher die Tätigkeit im steinigen Weinberg der christliche Öffentlichkeitsarbeit: "Wir versuchen den Menschen deutlich zu machen, wie wichtig und wie präsent die Kirche ist, auch wenn man es manchmal erst auf den zweiten Blick sieht." 660000 Kinder und Jugendliche sind z. B. im Bund der katholischen Jugend organisiert, über 11000 Einrichtungen hält das katholische Sozialwerk Caritas alleine für Kinder und Jugendliche bereit und mit 185 Millionen Euro bekämpft das Hilfswerk Misereor die Armut in der dritten Welt.

Misereor und Caritas werben auch bundesweit, bitten mit Kampagnen um Unterstützung oder beziehen auch inhaltlich Stellung. Eine besondere Ausnahme war 1999, als Bischofskonferenz und Caritas gemeinsam mit dem Bild einer Schwangeren vor schwarzem Grund darauf hinwies, dass es weiterhin eine Schwangerschaftskonfliktberatung geben würde, auch wenn ihr selbst das der Papst untersagt hatte und katholische Laien die Aufgabe übernahmen.

Unterstützung von Flüchtlingen

Kampagnen und Öffentlichkeitsarbeit, sagt Kopp seien die Aufgabe der Bistümer. "Wir können und wollen aus Bonn nicht verordnen!" Und die nehmen sie sehr unterschiedlich wahr. In Regensburg werben Caritas und Kirchen gemeinsam für die Unterstützung von Flüchtlingen: "Weltweit", schreiben sie in einer Broschüre, "sind über 50 Millionen Menschen auf der Flucht. Nur ein sehr kleiner Teil davon erreicht Europa und nur wenige Deutschland. Die Flüchtlinge, die zu uns kommen, wurden in ihrer Heimat wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität oder politischen Überzeugung verfolgt. Terror und Krieg bedrohte ihr Leben. Es gibt aber auch Menschen, die aus großer materieller Not und Hoffnungslosigkeit zu uns kommen."

Das man sich mit solchen Positionen nicht nur Freude macht, musste auch Ulrich Lota, der Verantwortliche für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Bistum Essen, machen: "Als wir im August Flüchtlinge auf Facebook willkommen hießen, waren die Reaktionen sehr gemischt. Viele fanden das gut und unterstützten uns, andere beschimpften uns als Gutmenschen.

Bistum Essen setzt auch auf Facebook

"Facebook ist für das Bistum Essen und seinen Bischof Franz-Josef Overbeck ein wichtiges Medium, um mit den Menschen in Kontakt zu treten: "Wir sind in den sozialen Medien unterwegs, weil wir wissen, dass immer weniger Menschen eine Tageszeitung, nutzen und wir sie über diesen Weg nicht mehr erreichen und unsere Arbeit bei Facebook ist bedeutsam weil wir damit Diskussionen anstoßen."

Über 5700 Fans hat die Facebook-Seite des Bistums Essen und liegt damit an der Spitze aller Diözesen. Und die Kirche erreicht damit nicht nur Katholiken, sondern viele Menschen, die nicht oder nicht mehr ihre Mitglieder sind.

"Kundenmagazin" Bene

Zusätzlich gibt das Bistum seit 2013 das "Kundenmagazin" Bene heraus. "Damit informieren wir unsere Mitglieder in Magazinform, wie sie es vom Automobilclub oder ihrer Krankenkasse her kennen", sagt Lota. Die 1959 gegründete Wochenzeitung Ruhrwort stellte das Bistum 2012 ein, nachdem die Zahlen der Abonnenten und Inserenten rückläufig waren. Bene erreicht nun, wenn auch seltener, alle Mitglieder.

Matthias Kopp, der Pressesprecher der Bischofskonferenz, weiß, dass es keine einfache Aufgabe sein wird, den Rückgang der Gläubigen zu stoppen. Deutschland, sagt er, sei ein Sonderfall. Weltweit würde die Kirche wachsen. Und auch in Deutschland kehren Katholiken immer wieder zurück: "Wenn es um die Wahl des Kindergartens, der Schule oder auch einer Senioreneinrichtung geht, erinnern sich viele wieder an uns. Viele wissen, was wir in diesen Bereichen leisten und wollen uns bei den wichtigsten Lebensfragen in ihrer Nähe wissen. Dann kehren sie zurück." Nicht immer, aber oft.

Ihre Kommentare
Kopf

Susanne Weber-Euler

03.09.2015
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Bitte entschuldigen Sie, aber: Was für ein Bla, Bla... ! Unternehmen, Magazine, Facebook... Wie wäre es mal mit Inhalt? Themen, die jeden Menschen beschäftigen: Flüchtlingswelle, Familie & Beruf, Überalterung der Gesellschaft, Sinnfragen, etc etc... Gerade jetzt würde man genau so etwas wie Kirche brauchen, die eine Meta-Ebene schafft, Visionen einer glücklichen Gesellschaft und positiven Zukunft aufzeigt. Auf allen Kanälen. Mit Herz. Für alle. Das wird gebraucht! Amen.


Matthias Kopp

04.09.2015
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Sehr geehrte Frau Weber-Euler, bla-bla-Vorwürfe sind das eine. Fakten das andere: Mit wenig Mühe finden Sie unsere Inhalte. Ich nenne nur das Thema, das Sie auch ansprechen: Flüchtlingsarbeit. Was leisten die Kirchen dort alles? Auf dbk.de finden Sie ein umfangreiches, inhaltlich starkes Dossier und immerhin die Summe von 73 Mio Euro, die allein im letzten Jahr von uns aufgebracht wurden. Wir sind für die Menschen da - das ist unsere Verpflichtung. Übrigens auch mit Herz, wie Sie fordern!


T. Keumel

04.09.2015
!

Mit Herz? In Flüchtlingsfragen? Für Menschen anderer Meinung mitnichten. Vor Ort ist zu sehen, wie verknüpft Kirchen mit Politikern sind. Gemeinden betteln bei Kirchenvertretern um Hilfe (Platz, Pfarreien). Wir bezahlen für jeden Pups und für Riesenpensionen. Kirche verschafft sich in kleinen Anzeigenblättern wie selbstverständlich Raum für die eigene Meinung. Kirche umgeht das Recht im Kirchenasyl. Kirche verdient wieviel an der "Asylindustrie"? Rechnen sie mal mit 73 Mio gegen!


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