Stern.de-Chefredakteur Philipp Jessen: "Der tote Junge hat das Recht, noch einmal gesehen zu werden"

 

Das Bild des toten Jungen am Strand des türkischen Badeortes Bodrum bewegt die Medien überall. Philipp Jessen, Chefredakteur von Stern.de,

Das Bild des toten Jungen am Strand des türkischen Badeortes Bodrum bewegt die Medien überall. Philipp Jessen, Chefredakteur von Stern.de, findet klare Worte, warum die Welt heute für ihn und seine Redaktion stehen bleibt.

"Die Kinder der Anderen" hat Jessen getitelt über seinen Kommentar, der bewegt. Dabei geht er auf den Tod von Ailan Kurdi ein, auf das Bild, das heute zum Beispiel die Titelseiten in Großbritannien dominiert, dort die Journalisten zum Nachdenken bewegt. "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann hat für das Foto sogar die gesamte letzte Seite freigeräumt, als Mahnmal.

Auf Stern.de formuliert Philipp Jessen es so: "Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation. Und die Problemstellung, vor die uns die Massen an Flüchtlingen stellen, ist komplex. Aber der Tod eines Kindes ist nicht komplex. Sondern einfach nur grausam. Das Kind ist tot. Es wird nicht aufwachsen. Nicht mehr lachen. Nicht mehr spielen. Nicht mehr zu Schule gehen. Nicht mehr nachts in das Bett seiner Eltern krabbeln. Es wird in eine Kiste gesteckt - und in einem fremden Land, weit weg von zu Hause, vergraben."

"Europa darf keine Menschen ertrinken lassen", schreibt Jessen, und: "Keine Diskussion, kein Abkommen, kein Flüchtlingsgipfel wird diesen Jungen wieder lebendig machen." Die Politik stehe in der Pflicht, endlich eine Lösung zu finden: "Sie muss schnell kommen."

Und Jessen ergänzt nachdenklich: "Der Junge ist tot. Die Welt dreht sich weiter. Nicht bei uns. Jedenfalls nicht heute. Der Junge am Strand wird den ganzen Tag bei uns zu sehen sein. Ganz oben. 24 Stunden. Passiere, was wolle. Denn sein Recht auf ein Leben wurde ihm genommen. Dann hat er zumindest das Recht, noch einmal gesehen zu werden."

In ihrem Kommentar "Wegsehen wäre die schlimmste Entwürdigung" für kress.de hatte die Journalistin Heike Rost für das Zeigen von Schreckensbildern plädiert: "Die Geschichte des Journalismus belegt immer wieder, vom Vietnam-Krieg über 9/11 und den Boston-Marathon bis zu den Erdbeben von Haiti und Japan: Es waren Bilder, die Menschen zutiefst berührten. Und zu Veränderung und Handeln bewogen. Auch wenn es ein griffiges, oft geäußertes Argument ist: Es sind nicht immer die Bilder, die den Opfern ihre Würde nehmen. Menschen sind keine abstrakte Zahl in einer ebenso abstrakten Statistik des Todes, sie dürfen es nicht sein. Entwürdigend ist die Distanz, die in der anonymen Abstraktion der Opferzahlen liegt."

Und Heike Rost fügte hinzu: "Wegsehen bewegt nichts. Und für die Opfer dieser Kriege und Katastrophen wäre genau das die wohl schlimmste Entwürdigung."

Ihre Kommentare
Kopf

Sascha

03.09.2015
!

Herr Jessen versteht es, die Leser durch Drücken auf die Tränendrüse auf seine Seite zu holen.
Kommentare zu seinen Artikeln lässt er bewusst nicht zu, kommentiert man auf Twitter, so wird man blockiert.

Natürlich, das Bild des toten Jungen und seine Geschichte sind schrecklich.
Aber genauso schrecklich ist es, pauschal die Politik dafür verantwortlich zu machen.
Da machen Sie es sich zu einfach, Herr Jessen! Aber anders können Sie wahrscheinlich nicht.
Vorschläge machen, nicht nur wettern!


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