Joachim Kosack zur "Udo Honig Story": "Es geht um einen Menschen, der seiner eigenen Kraft verfällt"

08.09.2015
 
 

Der Fall Hoeneß ist dem deutschen Fernsehen eine doppelte Verfilmung wert. Während sich das ZDF dem Thema mit einem Doku-Drama näherte, setzt der Münchner Privatsender Sat.1, wie bereits bei Guttenberg und Schlecker, auf eine entlarvende Komödie. Dahinter steckt ein kluger Kopf: UFA-Produzent Joachim Kosack.

Der Fall Hoeneß ist dem deutschen Fernsehen eine doppelte Verfilmung wert. Während sich das ZDF dem Thema mit einem Doku-Drama näherte, setzt der Münchner Privatsender Sat.1, wie bereits bei Guttenberg und Schlecker, auf eine entlarvende Komödie. Dahinter steckt ein kluger Kopf: UFA-Produzent Joachim Kosack. Jürgen Overkott sprach mit ihm für kress.de.

kress.de: Was haben Sie gedacht, als die Steuerfahndung bei Uli Hoeneß einrückte?

Joachim Kosack: Schade. Wer hätte das gedacht?

kress.de: Welche Szene hat sich in der Steuer-Affäre bei Ihnen besonders eingebrannt?

Kosack: Thomas Gottschalk bei Günther Jauch, der erzählte, seine Frau habe ihn gewarnt, Folgendes zu sagen, es aber trotzdem sagte: Hoeneß hat so viel Gutes getan, was zählt da schon das kleine Steuervergehen?

kress.de: Wie hat die Steuer-Affäre Ihr Bild von Hoeneß verändert?

Kosack: Er hatte sich bei mir langsam, aber sicher zu einer ernsthaften gesellschaftspolitischen Instanz gemausert, und dann dachte ich wie gesagt: schade."

kress.de: Wann kam Ihnen die Idee, den Fall als Filmstoff zu sehen?

Kosack: Kurz vor der Urteilsverkündung.

"Das menschliche Versagen ad absurdum führen"

kress.de: Warum haben Sie sich entschieden, aus der Akte Hoeneß eine Satire zu machen?

Kosack: Vieles an der Geschichte ist sehr komisch, vor allem das Umfeld. Aber der Figur kommt man in der ikonisch-deutschen Besonderheit nicht nah genug, wenn man sie nur karikiert. Insofern ist das Genre wahrscheinlich eher Komödie. Denn in der Komödie kann man einen Charakter differenziert ausarbeiten und gleichzeitig das menschliche Versagen ad absurdum führen.

kress.de: Die Satire dreht die Wirklichkeit bis ins Absurde weiter. Aber welche Elemente des Films halten sich an die Fakten?

Kosack: Wir haben Biographien gelesen und versucht, uns mit der Geschichte und dem Charakter gründlich auseinander zu setzen. Gerade aus dem Lebenslauf des Protagonisten gerade vor der Inhaftierung ist einiges bekannt, und das erzählen wir eben auch. Im Mittelpunkt steht jedoch die rein fiktive, satirisch-komödiantische "Knastgeschichte".

"Die beiden sind einfach grandiose Schauspieler"

kress.de: Die Satire ist der humoristische Zuckerguss, der über eine bittere Wahrheit gegossen wird. Welche Moral hat der Film?

Kosack: Es geht in dem Film nicht um Moral, sondern um einen sehr besonderen Menschen, der seiner eigenen Kraft verfällt und sich seine eigene Wahrheit meint schaffen zu können.

kress.de: Warum haben Sie Uwe Ochsenknecht und Heiner Lauterbach als Gegenspieler besetzt?

Kosack: Die beiden sind einfach grandiose Schauspieler - ich wüsste keine besseren für Udo Honig und den Gefängnisdirektor.

kress.de: In wie weit war Hoeneß an der Vorbereitung des Films beteiligt?

Kosack: Er war nicht eingebunden. Das wäre auch eher ungewöhnlich bei so einem Projekt, oder?

"Die Ansätze sind zu unterschiedlich"

kress.de: Hat Hoeneß den Film vorab gesehen?

Kosack: Das weiß ich nicht.

kress.de: Das ZDF hat ebenfalls einen Film über Hoeneß gemacht. Kannibalisieren sich zwei TV-Produktionen zu einem Thema?

Kosack: Ich denke nicht, da die Ansätze zu unterschiedlich sind. Und das Thema ist es wert, darüber zwei so verschiedene Projekte zu machen.

Hintergrund

"Die Udo Honig Story", Dienstag, 8. September, Sat.1, 20.15 Uhr

Handlung

"Die Udo Honig Story" schildert den Gefängnisalltag eines Topmanagers und erzählt ganz nebenbei, wie schwer es ist, sich seine eigenen Fehler einzugestehen. Honig, der sich aus eigener Kraft vom Metzgerjungen zu einem der erfolgreichsten Fußballpräsidenten der Welt hochgearbeitet hat, wird wegen eines Steuerdeliktes zu einer Haftstrafe verurteilt. Fortan prallen zwei völlig unterschiedliche Welten aufeinander: Sportmanager trifft auf Gefängnis-Alltag. Außerdem mit dabei: Hannes Jaenicke als Franz Kaiser, angelehnt an Franz Beckenbauer.

Cast

Udo Honig - Uwe Ochsenknecht
Stefan Stadlhuber - Max von Thun
Alex - Martin Feifel
Ceylan Ataman - Shadi Hedayati
Eberhardt Grantl - Sierk Radzei
Ludwig Moser - Heiner Lauterbach
Franz Kaiser - Hannes Jaenicke
Marion Honig - Gisela Schneeberger
Paul Greitner - Wolfgang Fierek

Crew

Regie - Uwe Janson
Drehbuch - David Ungureit, Uwe Janson
Kamera - Philipp Sichler
Produzent Nico Hofmann, Joachim Kosack
Producer - Friedemann Goe
Herstellungsleitung - Katja Hartwig
Produktionsleitung - Stefan Hiller
Szenenbild - Josef Sanktjohanser
Kostümbild - Janne Birck
Redaktion Sat.1 - Jochen Ketschau

Text und Interview: Jürgen Overkott

 

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