Für Verlage kein Grund zum Jubeln: Das Ende von Flash naht

11.09.2015
 
 

Wegen Sicherheitslücken und Energiefraß verabschieden sich immer mehr Internet-Konzerne von Adobes Technologie. Genervte Internetnutzer freuen sich darüber.

Wegen Sicherheitslücken und Energiefraß verabschieden sich immer mehr Internet-Konzerne von Adobes Technologie. Genervte Internetnutzer freuen sich darüber. Warum Verlage weniger Grund zum Jubeln haben.

Zunächst erinnerte der Guru an die guten alten Zeiten der Gemeinsamkeit, an ein Treffen "in ihrer berühmten Garage". "Apple war ihr erster großer Kunde", schrieb Steve Jobs im April 2010 in einem offenen Brief an Adobe. Doch nach wenigen Streicheleinheiten begann die Apple-Ikone ihren Fans zu erklären, warum die Beziehung zu Adobe einen irreparablen Knacks bekommen habe. Er notierte "einige Gedanken", damit "Kunden und Kritiker besser verstehen können, warum wir Flash auf iPhones, iPods und iPads nicht zulassen".

Keine Lösung

Apples Versuche, mit Adobe ins Gespräch zu kommen mit dem Ziel, Probleme zu lösen, hätten nichts gebracht, teilte Jobs mit. Dann haut er dem Management des IT-Unternehmens eine - seiner Meinung nach - Unzulänglichkeit nach der anderen um die Ohren. Er klagte über "erhebliche technische Nachteile" wie Batterielebensdauer, Zuverlässigkeit, Sicherheit und Leistung durch die Anwendung von Adobe-Produkten. "Wir wollen die Zuverlässigkeit und Sicherheit unserer iPhones, iPods und iPads nicht gefährden, indem wir Flash nutzen." Der damalige Apple-Chef schloss mit den Worten: "Vielleicht sollte sich Adobe mehr auf die Entwicklung großartiger HTML5-Tools für die Zukunft statt auf die Kritik an Apple konzentrieren, das die Vergangenheit hinter sich lässt".

Ohne Flash lief nichts im Internet

Eine solch harsche Kritik aus der Feder eines Steve Jobs hätte manches Unternehmen nicht überlebt. Adobe schon, schließlich ist der Flash Player über etliche Jahre stark genutzt worden. Videos, interaktive Grafiken, Animationen etwa für kleinere Spiele und bewegte Werbung - ohne Flash lief nichts im Internet. Allerdings hätte sich die US-Firma Jobs Appell zu Herzen nehmen sollen. Mittlerweile feiert HTML5 seinen Siegeszug und Flash steht kurz vor dem Aus.

Die Kritik an der Adobe-Technologie wurde dieses Jahr lauter, als neue Sicherheitslücken bekannt wurden. Über Werbeanzeigen, die auf Yahoo-Diensten geschaltet und mittels Flash sichtbar gemacht worden waren, gerieten vor wenigen Wochen Schädlinge auf Computer. Der Antivirus-Software-Hersteller Trend Micro warnte Anfang 2015 vor einer Gefahr für fast alle Windows-Nutzer, die die weitverbreiteten Browser Firefox und Internet Explorer nutzen - und das sind viele Millionen Menschen auf der Welt.

Stimmung gegen Flash

Die öffentliche Stimmung ist klar gegen Flash. Der Sicherheitschef von Facebook, Alex Stamos, forderte unlängst Adobe auf, ein konkretes Datum für das Ende von Flash zu benennen und appellierte an die Webbrowser, ab jenem Tag die Technologie nicht mehr zu unterstützen. Stamos weiß, worüber er spricht, wechselte er doch im Sommer von Yahoo zu Mark Zuckerbergs Konzern. Das IT-Magazin "Wired" verlangte im Sommer sogar: "Flash. Must. Die."

Anfang 2015 hatte Youtube komplett auf HTML5 umgestellt - wegen der Sicherheitslücken. Benutzer von Firefox werden seit einigen Wochen jedes Mal gefragt, ob sie eine Flash-Anwendung erlauben oder nicht. Denn der in Deutschland sehr populäre Browser blockt sämtliche Versionen des Players. Apples Browser Safari hat Flash schon gar nicht mehr installiert.

Flash frisst viel Strom

Googles Chrome, wahrscheinlich weltweit die Nummer eins unter den Browsern, hämmerte einen weiteren schweren Nagel in den Sarg, in dem die Kritiker Flash gerne stecken möchten. Seit Anfang September ist der Player automatisch für verschiedene Inhalte deaktiviert. Schon vor Wochen teilte Google mit, dass Chrome Videos und andere "zentrale Inhalte" weiterhin zulasse, während andere Elemente eingefroren würden. Werbung gehört zu letzterem.

Sicher ist, dass es Google wohl auch um mehr Sicherheit sowie eine Reduktion des Energieverbrauchs geht. Flash frisst viel Strom - und noch können Akkus nicht mittels Sonnenkraft aufgeladen werden. Aber auch finanzielle Gründe dürften ein wichtiger Grund gewesen sein. Von der Entscheidung Googles, die Flash-Technologie zu blockieren, sind Anzeigen betroffen, mit denen die Betreiber einer Website Geld verdienen. Der Suchmaschinengigant setzt bei seinem Adwords-Anzeigenformat auf das modernere Format HTML5. Es liegt auf der Hand, dass nun mehr Werbung zu Google geht - und der US-Konzern noch mehr Geld macht.

"Google und Facebook unangreifbar"

"Google und Facebook sind sowieso unangreifbar. Wenn die Geschäftsmodelle crashen wollen, dann tun sie es", sagt Robert Daubner, Partner der auf Medien spezialisierten Unternehmensberatung Schickler. "Für Google bedeutet der Abschied von Flash mehr eigene Werbeeinnahmen über Adwords-Anzeigen, die mit HTML5 viel besser funktionieren." Große Reichweiten mit Online-Angeboten bringe nichts, "wenn Werbung keiner sieht, weil sie als nervig wahrgenommen und deshalb geblockt wird". Für die Verlage sei also nicht entscheidend, ob Werbung über Flash oder HTML5 ausgespielt werde, sondern dass sie endlich Modelle kreierten, "mit denen sie überhaupt Einnahmen erzielen", erklärt Schickler, der als Professor an der Business and Information Technology School in Berlin lehrt.

Ben Edelman: "Google profitiert vom Ende des Flash-Banners"

Ben Edelman, ein auf Internet-Marketing spezialisierter Professor an der Harvard Business School, sieht die Entwicklung kritischer: "Wenn Werbetreibende die Wahl zwischen Flash-Banner und AdWords-Anzeigen haben und Google etwas unternimmt, um Flash zu verhindern, dann hat Google etwas davon." Er warnt vor Nachteilen für unabhängige Verlage, die auf Werbegelder angewiesen sind, wenn all die Millionen nach dem Ende von Flash noch stärker als ohnehin zu Google, Facebook oder anderen IT-Riesen fließen. Folge könnte seiner Meinung nach auch weniger Auswahl für Leser sein, da werbefinanzierten Portale finanziell unter Druck geraten könnten.

Nachteile für Verleger

"Wenn irgendwann einmal alle auf HTML5 umgestellt haben, werden wir wieder dort sein, wo wir waren", sagt der Hochschullehrer auf Anfrage. "Während des Übergangs werden die unabhängigen Verleger im Nachteil sein." Da laufende Kosten für Personal, Technik und andere Budgetposten nicht weiter reduziert werden könnten, werde auch ein auf wenige Monate befristeter Umsatzrückgang einige Verlage hart treffen: "Das könnte schmerzhaft werden."

Autor: Thomas Schmoll

 

Ihre Kommentare
Kopf

Nuesret Kaymak

11.09.2015
!

...andereseits heißt es aber auch "Totgesagte leben länger": Adobe hat z. B. Steve Jobs überlebt. Nicht umgekehrt. ;-)


Frank Hübner

Frank Hübner

binary-garden
Code Curator

12.09.2015
!

Die Legende von Apple's Ignoranz gegenüber Flash wegen seinem hohem Stromverbrauch - mal wieder.
Entsprungen der Marketing-Abteilung. Sicherlich verursacht Flash einen höheren Stromverbrauch - allerdings nur bei Aufruf einer Webseite mit Flash.

Ganz im Gegensatz zu all den Apps die User-Daten permanent nachhause pollen.


Frank Hübner

Frank Hübner

binary-garden
Code Curator

12.09.2015
!

Dazu passt auch das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung:
"Bei abgeschaltetem Bildschirm benötigen sie demzufolge 46 Prozent des Stroms, und fast zwei Drittel davon werden durch

Hintergrundaktionen von Apps verursacht."
(http://www.heise.de/newsticker/meldung/Forscher-reduzieren-Stromverbrauch-von-Android-Geraeten-2810673.html?wt_mc=rss.ho.beitrag.rdf)

Die Untersuchung bezieht sich zwar auf Android-Geräte, dürfte jedoch ohne Weiteres auf iOS übertragbar sein.


Frank Hübner

Frank Hübner

binary-garden
Code Curator

12.09.2015
!

Massgeblich für die Flash-Blockade seitens Apple dürfte wohl eher die miserable Performance gewesen sein.
Flash ist zunächst einmal ein Programm für Leute die nicht programmieren können. Was für einen Programmierer oftmals mit nicht mehr als einer handvoll Programmzeilen zu lösen ist, artet mit Flash's "Bühne" rasch in ein paar hundert Zeilen aus.


Frank Hübner

Frank Hübner

binary-garden
Code Curator

12.09.2015
!

Ergebnis: es ruckelte oftmals ganz gewaltig, da so manch ein Prozessor (gerade damals) an die Grenzen seiner Leistung bugsiert wurde (was sich in dem erwähnten hohen Stromverbrauch niederschlägt).

Für einen Hersteller wie Apple, der seinen Kunden mit jedem neuen Gerät stets das Gefühl vermitteln möchte, nicht nur auf der Höhe der Zeit zu sein, sondern dieser sogar noch voraus, ist eine solche Diaschau natürlich völlig inakzeptabel.


Frank Hübner

Frank Hübner

binary-garden
Code Curator

12.09.2015
!

Flash war für das Internet wichtig - ähnlich wichtig wie AOL. AOL zeigte wie einfach man ins Internet gelangt, Flash zeigte wie schön es dort sein kann denn plötzlich kam Leben in ein Medium, dass bis dahin so statisch war wie eine Zeitungsseite.

Nichtsdestotrotz: auch ich weine Flash keine Träne nach.

Frank Hübner
Senior Programmer
www.binary-garden.com


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