Forsa-Umfrage: Deutsche wollen in TV-Nachrichten mehr "Constructive News"

 

Eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag von "RTL Aktuell" kommt zu einem klaren Ergebnis. Fast die Hälfte der Bundesbürger empfindet die Berichte in den Nachrichtensendungen im deutschen Fernsehen als zu negativ. 45 Prozent der Befragten gaben an, die TV-News seien zu problembeladen. 

Eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag von "RTL Aktuell" kommt zu einem klaren Ergebnis. Fast die Hälfte der Bundesbürger empfindet die Berichte in den Nachrichtensendungen im deutschen Fernsehen als zu negativ. 45 Prozent der Befragten gaben an, die TV-News seien zu problembeladen. Die Ergebnisse untermauern die Forderung des dänischen Fernseh-Chefredakteurs Ulrik Haagerup, der in seinem Buch aufgeschrieben hat, wie Medien Menschen wieder berühren können.

35 Prozent der Teilnehmer an der repräsentativen Umfrage meinten sogar, die Fernsehnachrichten machten ihnen oft Angst, 33 Prozent gaben an, sie würden beim Konsum der TV-Nachrichten oft schlechte Laune bekommen.Der Frage, ob sie nicht so gerne Nachrichten im Fernsehen schauen, da die Nachrichtensendungen sie frustrieren würden, stimmten mit 22 Prozent knapp ein Viertel der Befragten zu (Nein: 75 Prozent).

Immerhin 34 Prozent und damit gut ein Drittel aller Befragten würden laut Forsa häufiger Nachrichtensendungen schauen, wenn es dort mehr positive Berichte geben würde. In der Zielgruppe der 14- bis 29-jährigen Befragten gaben dies sogar 42 Prozent an.

Befragt nach ihren Wünschen an TV-Nachrichten, meinten 80 Prozent der Befragten, diese sollten nicht nur die Probleme aufzeigen, sondern auch Lösungsansätze zeigen. Bei den 14- bis 29-Jährigen äußerten sogar 87 Prozent diesen Wunsch. 73 Prozent aller Befragten forderten, es solle mehr Nachrichten geben, die Mut machen, 68 Prozent würden es begrüßen, wenn es mehr Nachrichten gäbe, über sie auch mal schmunzeln könnten. Dass TV-Nachrichten weniger Bilder von Tod, Leid und Elend zeigen, wünschen sich mit 47 Prozent knapp die Hälfte der Bundesbürger (14- bis 29-Jährige: 34 Prozent), dass weniger über Kriege, Krisen und Katastrophen berichtet wird, wollen 31 Prozent.

Wenn es um die Häufigkeit von guten Nachrichten geht, schneiden im Vergleich der Medien laut Forsa die Radionachrichten am besten ab. 49 Prozent der Deutschen sind der Ansicht, dass hier besonders häufig gute Nachrichten gebracht bzw. positiv berichtet wird. Danach folgen die Druck-Ausgaben der Tages- oder Wochenzeitungen (43 Prozent), Fernsehnachrichten (40 Prozent) und gedruckte Ausgaben von Nachrichtenmagazinen (29 Prozent). Schlusslicht unter den Medien bei der Häufigkeit von "Good News" sind danach Online-Nachrichten mit 25 Prozent.

Das Ergebnis untermauert die Forderungen des dänischen Journalisten Ulrik Haagerup, der in seinem Buch "Constructive News" für einen neuen Ansatz wirbt, um das Vertrauen der Leser und Zuschauer zurückzugewinnen. "Millionen Leser, Hörer und Zuschauer kehren den alten Medien den Rücken. Einer der Gründe dafür ist sicherlich, dass die Menschen krank und müde vom negativen Bild der Welt sind, das die Journalisten ihnen präsentieren. Die meisten Nachrichten-Storys sind reduziert auf Konflikt, Drama, Verbrecher und Opfer. Sie nützen weder der Presse und dem Journalismus noch den Gesellschaften, denen wir, die Medienleute, zu dienen behaupten", leitet Haagerup sein Buch ein.

Ulrik Haagerup ist seit 2007 Info-Chef des Danske Radio, also des dänischen Rundfunks. Davor war er Cherfredakteur der Tageszeitung "Jyllands-Posten" und Chefredakteur der dänischen Regonalmediengruppe Nordjyske Medier.

In der analogen Medienwelt hätte es Journalismus mit den Neuigkeiten von gestern zu tun - gedruckt in der Zeitung von heute. In den letzten zehn Jahren habe die digitale Berichterstattung den Fokus auf das Jetzt gelegt. Auf das, was in diesem Moment passiere und was in Stichwörtern wie Live-Berichterstattung, "breaking news", Eilmeldung, zum Ausdruck komme. "Constructive News" gehe es um das Morgen: um Geschichten, die eine öffentliche Debatte über eine bessere Zukunft anregen und für sie werben.

Wenn alle Bereiche der Gesellschaft sich verändern und besser werden müssen, dann ist Haagerups Vorschlag: "Wollen wir Journalisten uns ihnen nicht anschließen?"

Die deutsche Fassung von "Constructive News" erscheint im Medienfachverlag Oberauer (Mutterhaus von kress) und kann im Online-Shop für 24,90 Euro geordert oder über vertrieb@oberauer.com bestellt werden.

Ihre Kommentare
Kopf

Karl-Erich Weber

10.09.2015
!

Nachrichten sind keine Unterhaltungssendungen - und sollten auch keine werden. Für hüpfende Hasen und Hochzeitsgäste in der Torte gibt es andere Formate im durchaus reichhaltigen TV-Boulevard-Sortiment. Es macht m.E. auch keinen Sinn, in einer Zeitung die Witzeseite zur Weltpolitik oder den Todesanzeigen zu platzieren. Außerdem gibt es ja ab und zu "lustige" Nachrichten - Freitags so um 23:00 Uhr. Das könnte der Uhrzeit nach aber schon wieder viel zu anspruchsvoll werden. Zielgruppe Medienopfer?


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