Schwere Vorwürfe gegen Bernd Lammel: DJV-Gesamtvorstand empfiehlt Stasi-Überprüfung

 

Erneut hat der Deutsche Journalisten-Verband mit schweren Vorwürfen zu kämpfen. Diesmal geht es um Bernd Lammel, Vorsitzender vom DJV Berlin. RBB-Investigativ-Reporterin Gabi Probst hat am Sonntagabend in der rbb "Abendschau" gemeldet, dass Lammel für die Stasi gespitzelt haben soll. Lammels Ehefrau sagt, die Verdächtigungen seien nicht zutreffend.

Erneut hat der Deutsche Journalisten-Verband mit schweren Vorwürfen zu kämpfen. Diesmal geht es um Bernd Lammel, Vorsitzender vom DJV Berlin. RBB-Investigativ-Reporterin Gabi Probst hat am Sonntagabend in der rbb "Abendschau" gemeldet, dass Lammel für die Stasi gespitzelt haben soll. Lammels Ehefrau sagt, die Verdächtigungen seien nicht zutreffend. Indes hat sich der Gesamtvorstand des DJV für eine Stasi-Überprüfung aller Funktionsträger des Journalisten-Verbands ausgesprochen.

Laut den Recherchen von Investigativreporterin Gabi Probst soll Lammel früher für das ehemalige Ministerium für Staatssicherheit der DDR gearbeitet haben. Gabi Probst: "Der 'Abendschau' liegen Dokumente aus der Stasi-Unterlagenbehörde vor, die belegen, dass er in den 80iger Jahren als Informeller Mitarbeiter gearbeitet haben soll und den Decknamen 'IM Michael' trug. Der IM Michael, der eindeutig nach den Akten als Bernd Lammel geführt wird, soll für die Hauptabteilung II, Spionageabwehr gearbeitet haben. Der 57-jährige bestreitet ein IM gewesen zu sein, gibt aber zu regelmäßig Kontakt zum MfS gehabt und auch Informationen gegeben zu haben." Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Stasiunterlagen, sagte dem rbb dazu: "Egal, wie genau die Zusammenarbeit mit der Stasi aussah und aus welchen Motiven, von Journalisten und insbesondere von einem Vorsitzenden eines Journalistenverbandes können wir Transparenz erwarten, weil es um die Glaubwürdigkeit von Journalisten geht."

Der rbb meldete, dass Lammel zugegeben habe, Herren der Stasi getroffen zu haben, ein IM sei er aber nicht gewesen.

Laut seiner Vita arbeitet Lammel seit über 20 Jahren als freier Bildjournalist für nationale und internationale Magazine sowie den Nachrichtensender CBS News. Zudem organisiert er Bildjournalismus-Workshops und berät Firmen, Berufsverbände und Künstler in Sachen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Eine Anfrage von kress hat Bernd Lammel zur Stunde noch nicht beantwortet. Dafür reagierte seine Ehefrau, Bettina Schellong-Lammel. Sie ist Herausgeberin vom Medienmagazin "Nitro - Berliner Journalisten". Laut Impressum verantwortet ihr Mann dort die Fotoredaktion. Zu kress erklärte sie: "Wir haben die Verdachtsberichterstattung der rbb-Abendschau vom 13.9.2015 zur Kenntnis genommen. Die Verdächtigungen sind nicht zutreffend. Wir werden uns zum Sachverhalt äußern, wenn wir Akteneinsicht erhalten haben."

Konken: Lammel soll Amt vorerst ruhen lassen

Klare Worte kommen dagegen von Michael Konken. Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands Michael Konken hat Bernd Lammel noch gestern Abend aufgefordert, vorerst sein Amt ruhen zu lassen. Konken: "Diese Vorwürfe müssen lückenlos aufgeklärt werden."

Der DJV ist derzeit von einer Serie von Stasi-Enthüllungen betroffen. Erst in der vergangenen Woche trat der gesamte Landesvorstand des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) in Sachsen-Anhalt zurück. Der DJV-Landesverband reagierte damit auf Berichte von "Bild"-Chefreporter Hans-Wilhelm Saure, der mehreren Vorstandsmitgliedern eine frühere Mitarbeiter bei der DDR-Staatssicherheit nachgewiesen hatte.

Der DJV muss sich mit dem aktuellen Fall endlich überlegen, wie er gegen die ehemaligen Spitzel in den eigenen Reihen vorgehen kann. Eine freiwillige Überprüfung für alle Funktionsträger könnte das Ventil sein, das den Druck aus diesen belastenden Enthüllungen nimmt.

Update: "Stasi-Überprüfung aller Funktionsträger im DJV"

Am Montagmittag teilte der Gesamtvorstand des Deutschen Journalisten-Verbands mit, dass man sich einstimmig für eine Stasi-Überprüfung aller Funktionsträger im DJV ausgesprochen habe. Anlass seien die aktuelle Veröffentlichungen über Stasi-Verflechtungen einzelner DJV-Funktionsträger in Sachsen-Anhalt und Berlin. Die Verantwortlichen auf allen Ebenen im DJV sollten sich an die Stasi-Unterlagenbehörde wenden und Auskunft über möglicherweise vorhandene Akten verlangen. Der DJV-Gesamtvorstand legt Wert darauf, dass alle DJV-Repräsentanten, also auch in Westdeutschland, eine Unbedenklichkeitsbescheinigung der Stasi-Unterlagenbehörde vorweisen können.

"Der DJV steht wie kaum eine andere Organisation für diejournalistischen Grundwerte Transparenz und Glaubwürdigkeit", sagte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken. "Wer Verantwortung im DJV wahrnimmt, muss diese Grundwerte leben." Zwar seien die Stasi-Vorwürfegegen einzelne DJV-Repräsentanten noch nicht aufgeklärt, aber mögliche Verflechtungen Einzelner mit der DDR-Staatssicherheit schadeten dem Ansehen des gesamten DJV. Das müsse sich ändern.

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Kopf
Peter Jebsen

Peter Jebsen

Handelskammer Hamburg
Chefredakteur HW │ Hamburger Wirtschaft (Abt. Content & Marketing)

14.09.2015
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Bernd Lammel ist *nicht* Mitglied des Bundesvorstandes.


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