Nach der Wahl ist vor der Wahl: Neun unverzichtbare Tools für Politikjournalisten

 

Internet-Recherchetools sind eine unerlässliche und hilfreiche Informationsquelle für Politikjournalisten. Kress.de hat die wichtigsten herausgesucht -

Internet-Recherchetools sind eine unerlässliche und hilfreiche Informationsquelle für Politikjournalisten. Kress.de hat die wichtigsten herausgesucht.

Keyword-Planer von Google

Mit dem Keyword-Planer von Google kann man nachsehen, wie häufig ein bestimmter Kandidat gegoogelt wurde. Der Keyword-Planer lief in der Vergangenheit unter anderem Namen und wurde über die Zeit immer wieder von Google modifiziert. Für den Dienst benötigt man ein kostenloses Google-Konto. Dem Keyword-Planer zufolge wurde etwa die von der CDU unterstütze Kandidatin für das Kölner Bürgermeisteramt, Henriette Reker, im Juli 2015 insgesamt 3.970 Mal gegoogelt. Den Spitzenwert erreichte sie im Januar 2015 mit 5.340 Suchanfragen. Sehen kann man auch, dass Reker am häufigsten im Zusammenhang mit den Begriffen "Köln" und "Stadtanzeiger" gegoogelt wurde. Ihr SPD-Konkurrent Jochen Ott kam im Juli auf 4.180 Suchanfragen. Im Mai 2015 toppte er Reker, als 5.450 Mal nach ihm gesucht wurde. Nachschlagen lässt sich auch, wie viele Suchanfragen auf Mobilgeräte und Tablets entfallen - im Falle von Reker 32,1 bzw. 12,5 Prozent und von wo aus die Suchanfrage gestartet wurde (bei Reker: 2,2 Prozent aus Österreich, 1,7 aus der Schweiz, 0,8 aus Großbritannien und Nordirland und 0,5 aus Dänemark).

abgeordnetenwatch.de

veröffentlicht nicht nur, wie einzelne Bundestagsabgeordnete bei namentlichen Abstimmungen votiert haben, sondern auch Angaben zu deren Nebentätigkeiten. Die Seite hält nicht nur Informationen zu Bundestagesabgeordneten und Mitgliedern des Europäischen Parlaments bereit, sondern auch zu Mitgliedern einzelner Landtage. Weiterhin findet man dort eine Übersicht zu laufenden Petitionen, Infos zum Bundes- und EU-Wahlrecht sowie Übersichten zu den Abgeordneten, Abstimmungen und Ausschüssen der sechszehn Landesparlamente in Deutschland. Über eine Suchmaske können lokale Abgeordnete ausfindig gemacht werden. Zu jedem lokalen Politiker gibt es Informationen zum Abstimmungsverhalten und einen "Petitions-Check". In diesem Bereich kann jedermann Fragen an einen Abgeordneten stellen, die in vielen Fällen auch beantwortet werden.

wahl.de

Die Seite wahl.de misst und bewertet die Online-Aktivität von Parteien und Politikern. Tagesaktuell kann man der Seite entnehmen, welcher Kandidat im Netz am aktivsten und am erfolgreichsten ist. Wahl.de reichert Grunddaten zu einzelnen Kandidaten mit Daten von Profil-Seiten verschiedener Social-Media-Plattformen an. Dabei führen die Macher der Seite sowohl individuelle Recherchen durch als auch automatisierte Abfragen, etwa mit der Social Graph API von Google. Mit den Aktivitätsdaten werden Rankings erstellt, die nach Parteien und Landesverband gegliedert ausgegeben werden. Der Kategorie "Big Mover" kann man entnehmen, welcher Politiker in den letzten 24 Stunden die meisten Anhänger hinzugewonnen hat. Berücksichtigt werden dabei Fans von Facebook-Fanseiten, Twitter-Follower und Youtube-Kanal-Abonnenten. In der Kategorie "Big Shaker" ist zu sehen, wer in den letzten 24 Stunden die meisten neuen Beiträge verfasst hat. Auch hier wird - ebenfalls je nachdem, auf welcher Plattform der Politiker präsent ist, Facebook, Twitter und berücksichtigt.In der Kategorie "Politiker" kann man nach einzelnen Köpfen suchen und Politiker nach Partei, Funktion (MdL, MdB, MdEP) oder Geschlecht filtern. Über das Suchfeld oder eine Wortwolke kann man sehen, was Politiker zu bestimmten Schlagwörtern, wie zum Beispiel "Flüchtlinge" in sozialen Medien gepostet haben. Die Einträge kann man nach Kandidatur, Bundesland, Partei und Amt/Mandat filtern.

Betrieben wird wahl.de von der Firma Compuccino, die neben den Grünen und der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, der FDP Bayern auch Axel Springer, die Verlagsgruppe Handelsblatt, den NDR, Zeit Online und faz.net zu ihren Kunden zählt.

OffenesParlament

Das ehrenamtliche Projekt OffenesParlament der Open Knowledge Foundation sammelt Informationen über die Arbeit im Bundestag. Diese werden aggregiert nach Reden, Themen, und Personen. Außerdem gibt ein Themen-Abo. Die Datenbestände von OffenesParlament werden jede Nacht aktualisiert. Zudem steht eine Webschnittstelle zur Verfügung, mit der Rohdaten abgerufen werden können.

Bundestwitter

Diese Seite ein Aggregator, der die Tweets der Mitglieder des Bundestages sammelt und analysiert. Hier gibt es Statistiken wie "Die erfolgreichsten Tweets der vergangenen Woche" sowie eine Statistik der von den Abgeordneten am meisten verwendeten Tweets. In der Kategorie "Politiker" lassen sich allerhand Statistiken zu einzelnen Abgeordneten nachlesen und sich Kandidaten nach Name, Partei, Anzahl der Tweets oder Follower sortieren. Zudem gibt es verschiedene Reports wie "Wie folgen sich die Parteien gegenseitig?", eine Auswertung zu Retweets und Followern, eine Karte, auf der die neuesten Tweets eingezeichnet sind und eine Übersicht, die zeigt, seit wann die Abgeordneten twittern. Ebenso gibt es einen Live-Stream der Tweets von Abgeordneten.

Lobbyradar

Das noch relativ neue ZDF-Lobbyradar macht in Form einer Netzwerkgrafik Lobbynetzwerke transparent und macht sichtbar, zu welcher Lobby ein Bundestagesabgeordneter gehört. Zu den Lobby-Akteuren gehören Firmen, Parteien, Verbände, NGOs, Think Tanks, Stiftungen und PR-Agenturen. Die Datenbasis des Lobbyradars stellen die offizielle Lobbyistenliste des Bundestages, Rechenschaftsberichte von Parteien, die von Abgeordneten veröffentlichten Nebeneinkünfte sowie Seitenwechsler-Informationen von LobbyControl und der Think-Tank-Network-Initiative dar, erweitert durch eigene Recherchen der Macher. Aktuell umfasst die Datenbank, die ständig aktualisiert wird, knapp 20.000 Personen, 6.000 Organisationen und 30.000 Verbindungen.

Das ZDF-Lobbyradar bietet zudem ein Browser-Plugin an, mit dem man Informationen aus dem Lobbyradar genau dort erhält, wo man im Netz gerade unterwegs ist. Das Plugin erkennt beim Surfen alle Politiker in der Lobby-Datenbank auf Seiten, die man aufruft. Dort gefundene Personen werden markiert, wenn man mit der Maus über den Namen fährt, zeigt Lobbyradar, welche Verbindungen der Politiker hat. Das Plugin gibt es für die Browser Firefox, Chrome und Safari. Das Lobbyradar-Netzwerk funktioniert auch auf Smartphones und Tablets, für das Plugin steht bislang jedoch keine mobile Lösung zur Verfügung.

Das Lobbyradar, das sich als "investigative und innovative Datenbank-Visualisierung" sieht, ist ein gemeinsames Projekt von ZDF heute.de, dem Medieninnovationszentrum Babelsberg MIZ und der Datenjournalismus-Schmiede OpenDataCity.

Parteispenden-Recherche

Mit einem neuen Tool der Datenjournalismus-Schmiede OpenDataCity kann man Parteispenden aus den Jahren 1994 bis 2014 auswerten. Insgesamt 9.925 Parteispenden kann man durchforsten, nach Spender, Stadt, Spendenhöhe etc. sortieren und filtern. Die Seite bietet auch verschiedene Infografiken, die auf Auswertungen der Parteispenden basieren.

In eine ähnliche Richtung wie taz-Parteispendenwatch geht auch die Seite "Parteispenden in Deutschland" . Sie bietet eine ansprechende grafische Visualisierung von Parteispenden im Zeitraum von Juli 2002 bis Februar 2014. Über eine Suchmaske kann nach Spenden einzelner Kandidaten gesucht werden.

Nebeneinkünfte von Bundestagsabgeordneten

Diese Visualisierung von OpenDataCity und faz.net zeigt einem, welchen Nebentätigkeiten ab 1.000 Euro Abgeordnete des Bundestages in dieser Legislaturperiode hatten. Dabei lassen sich Abgeordnete mit Direktmandat herausfiltern. Der Abgeordnete mit den meisten Nebentätigkeiten war demnach der im März aus dem Parlament ausgeschiedene CSU-Abgeordnete Peter Gauweiler. Er kommt auf 44 Nebenjobs mit einem Zusatzeinkommen von mindestens 1,8 Millionen Euro.

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