dmexco-Interview mit construktiv-Chef Tobias Ihde: "Mobile SEO ist unerlässlich"

16.09.2015
 
 

Old Economy trifft New Economy und dazu baut die dmexco die Brücke. Folglich lautet das Leitmotiv der diesjährigen dmexco "Bridging Worlds". kress.de sprach in Köln mit Tobias Ihde, Geschäftsführer der Bremer Full-Service Agentur construktiv, die ihre Schwerpunkte auf die Online- und Social-Media-Marketing gelegt hat.

Old Economy trifft New Economy und dazu baut die dmexco die Brücke. Folglich lautet das Leitmotiv der diesjährigen dmexco "Bridging Worlds". Genau 881 Aussteller präsentieren sich auf rund 75.000 Quadratmetern Austellungsfläche den 32.000 erwarteten Besuchern, denen 500 Speaker 200 Stunden Programm bieten. 

Mit dem Fokus auf Marketing, Media, Werbung, Technologie und das Internet ist die dmexco DIE Bühne für innovative und zukunftsweisende Entwicklungen und Trends im Zentrum einer neuen digitalen Ökonomie: der Digiconomy. Connected Commerce für ein reibungsvolles Einkaufserlebnis, Connected Home für das behagliche Wohnzimmer und den vollen Kühlschrank, Connected Cars für das Fahren, ohne lenken zu müssen und Connected Health für den permanenten Gesundheitscheck sind die Keywords, die hier in Köln alles überschatten.

Content is King war gestern, oder ... ? Auch wenn Burda, Focus & Co auf der dmexco dabei sind, so spielen Verlage nur vordergründig eine unwesentliche Rolle. Dieselben versuchen nämlich den Spagat hinzubekommen zwischen "Altpapier" und "Apps" und müssen sich mit "SEO-like" Info-Portalen wie BuzzFeed, Vice und Huffington Post messen.

Traffic ist die Einheit, die relevant ist für die Portale. Danach bemisst sich die Suchmaschinenrelevanz, aber vor allem auch Wirtschaftlichkeit eines Nachrichtenportals. Gerade sind die Digitalen bei den Verlagen froh, ihre Relevanz gegenüber Print in eine deutlich messbare Größe verwandelt zu haben, da kommt die Paywall daher. Mit "try and error" versucht jeder sein eigenes Modell am Markt durchzusetzen - mit mehr oder weniger Erfolg.

Paywall - Fluch oder Heilsbringer?

Tobias Ihde, Geschäftsführer der Bremer Full-Service Agentur construktiv, die ihre Schwerpunkte auf die Online- und Social-Media-Marketing gelegt hat, sieht in der Paywall von Zeitungen aus Sicht von SEO und Werbeeinnahmen ein zweischneidiges Schwert:

"Grundsätzlich geht eine Paywall sicherlich schon ein wenig zu Lasten der Reichweite, ganz allgemein aber auch aus der SEO-Perspektive. Dennoch gibt es hier inzwischen Mittel und Wege, mit ein wenig Aufwand die Einbußen gering zu halten. Laterpay und First-Click-Free sind hier nur zwei Stichworte. Aber: eines wird bei Google immer mehr deutlich. Man sollte tunlichst vermeiden, den Suchmaschinen andere Inhalte zu servieren als dem letztlich adressierten Nutzer, sonst geht der Schuss sehr schnell nach hinten los. Entsprechend bedeutet eine Paywall schon immer auch Einschränkungen in dem, was man Google zur Indizierung anbietet.

Inwiefern die potenziellen Einbußen durch gegebenenfalls reduzierten Traffic und indirekt geringere Werbeeinnahmen nun hinnehmbar sind, hängt natürlich stark davon ab, wieviel Monetarisierung sich ein Portal durch die Paywall verspricht; wie hoch also die tatsächlich zu erwartende Nutzerschaft ist, die bereit ist, für Information Geld zu bezahlen. Je regionaler und nischenartiger die Ausrichtung eines Portals ist, desto besser mag das funktionieren. Ich persönlich bin da skeptisch. Einfach weil dieInformationsflut täglich zunimmt und das Angebot an kostenlosen Informationen groß ist - und sich die breite Masse sicherlich fragen wird, warum sie bei so viel Angebot Geld zahlen soll."

"Nicht auszuschließen, dass die Adblocker-Verbreitung zunimmt"

kress.de... und dann torpedieren die Adblocker für Mobile Devices die Newsportale zusätzlich!

Tobias Ihde: Auch eine spannende Frage, nicht nur für Newsportale, sondern ganz allgemein. Dass die mobile Nutzung permanent zunimmt, ist ja offenkundig. Auf der einen Seite kein Wunder, dass immer größere Teile der Werbespendings in den mobilen Bereich gehen. Auf der anderen Seite aber auch ebenso wenig verwunderlich, dass die Adblocker-Bewegung Fahrt aufnimmt - und damit letztlich bei den Nutzern in großen Teilen sicherlich auch auf offene Ohren trifft. Denn mobile Werbung kann, idealerweise sogar standortgebunden, wunderbar funktionieren und sogar hilfreich sein, aber sie nervt den User bisweilen.

Dort also, wo Werbung ohnehin schon eher auf Ablehnung trifft ist der Frust auf mobilen Devices nicht selten noch etwas größer als am Desktop. Denn man hat ja viel weniger Fläche, um an der Werbung "vorbeizuschauen". Und nicht selten scheitert der erste Versuch, eine mobile Anzeige zu schließen, am zu kleinen Display (oder wenn man so möchte am zu großen Finger) - und ohne dass man es möchte landet man plötzlich beim Ad-Anbieter. Nicht auszuschließen also, dass die Adblocker-Verbreitung zunehmen wird, insbesondere bei der technisch etwas versierteren Nutzerschaft. Dies bedeutet natürlich gleichermaßen rückläufige Werbeeinnahmen, so dass man sich auch hier wieder die Frage stellen darf oder muss, ob es alternative Monetarisierungsformenbraucht.

"Content Marketing ist und bleibt ein absolut angesagtes Thema"

kress.deIhre Stichworte, was sind für Sie die Highlights der dmexco, die ja nun augenscheinlich stets genau das präsentiert, wo es künftig "lang geht"?

Tobias Ihde: Im Grunde kommen wir hier mit zwei Stichworten hin. Das Thema "Mobile" im allgemeinen ist einfach ein zunehmend wichtigeres, da das mobile Endgerät Dein ständiger Begleiter ist. Und im Kampf um die Gunst der kostbaren Zeit der Nutzerschaft dreht sich dann alles um das zweite, große Stichwort: "Content". Mehr denn je ist es wichtig, die Nutzer mit attraktiven Inhalten von sich zu überzeugen und an sich zu binden, egal in welcher Form und erst einmal auch egal, ob auf der eigenen Website oder im Web ganz allgemein. Auch wenn der eine oder andere es kaum mehr hören mag: Content Marketing ist und bleibt ein absolut angesagtes Thema.

"Mobile SEO ist wichtig"

kress.deSEO, also Suchmaschinenoptimierung, ist ja in der Marketing-Welt State oft he Art. Warum ist Mobile SEO wichtiger denn je?

Tobias Ihde: Das ist ganz leicht zu erklären: SEO ist ja ein großer, allumfassender Begriff. Damit meinen wir sämtliche Optimierungsmaßnahmen, die dazu führen sollen, dass Websites in der Google-Suche möglichst gut dastehen. Wenn wir nun von Mobile SEO sprechen, reden wir von der Optimierung mobiler Websites und der Optimierung für die mobile Suche - schließlich können User auch auf ihrem Smartphone nach Produkten, Dienstleistungen oder anderen Dingen suchen. Und das tun sie ziemlich häufig. Ein Blick nach draußen reicht: Immer mehr Menschen sind mit ihren Smartphones online, Tendenz steigend. Allein Anfang des Jahres gingen hier in Deutschland über 20 Prozent des Traffics von Smartphones aus. Und genau deshalb ist Mobile SEO so wichtig - schließlich soll das Surfen auch mit dem Handy ein Erlebnis sein.

kress.deAbgesehen von einem besseren Ranking bei Google - wer profitiert davon?

Tobias Ihde: Fangen wir erst mal beim Nutzer an. Man sucht mit seinem Smartphone etwas bei Google, die Ergebnisseite lädt sich - kennt jeder. Dieses Szenario ist auch jedem bekannt: Die Schrift ist kaum zu entziffern, Links stehen so dicht nebeneinander, dass sie nicht anzuklicken sind, endloses Scrollen in der Horizontalen. Die Liste von Merkmalen, die eine Website alles andere als mobil-freundlich macht, ist lang. Wer surft schon gerne mit seinem Smartphone auf so einer Seite? Als Folge springt der User wieder ab und sucht sich eine andere Website aus den Suchergebnissen, die mobil-freundlicher ist. Google stellt dann fest: Die Website ist inhaltlich relevant, also was ist da los? Google hat schließlich das Ziel, seinen Nutzern die bestmögliche Erfahrung zu geben. User Experience und Usability sind hier die Buzzwords. In diesem Fall ist das nur mit einer mobil-freundlichen Seite zu erfüllen.

Vorsicht vor dem "Mobilegeddon"

kress.deJa, stimmt, aber ist Mobile SEO ein Hype oder müssen sich die Kommunikatoren dieser Welt damit nachhaltig auseinandersetzen?

Tobias Ihde: Google merkt natürlich, dass ein Zusammenhang zwischen solchen mobil-unfreundlichen Seiten und der hohen Absprungrate beim Besuch dieser Website mit dem Smartphone besteht. Aus dem Grund hat Google vor einiger Zeit angefangen, seine Suchalgorithmen anzupassen: Mobil-freundliche Seiten werden in den Suchergebnissen bevorzugt. Aber es geht noch weiter: Google hat die Mobil-Freundlichkeit zu einem Ranking-Faktor gemacht. Weil es so zu Verlusten der Sichtbarkeit, des Traffics und auch im Umsatz kommen kann, wurde der Tag des großen Updates in der SEO-Szene auch Mobilegeddon genannt. Stell dir vor: Immer mehr Suchanfragen über Smartphones, ein neuer Ranking-Faktor - wenn deine Seite dann nicht optimiert ist, kann es für viele Websites und Unternehmen deutlich bergab gehen.

kress.deWelchen Nutzen haben Unternehmen mithin auch Info-Portale konkret von einer mobil-freundlichen Website?

Tobias Ihde: Dass ein Unternehmen von einer mobil-freundlichen Website nur profitieren kann, liegt auf der Hand: Sperrige Websites sind Vergangenheit, die Nutzerfahrung ist eindeutig besser, schließlich werden im Idealfall Schriftgrößen und Bildelemente angepasst und der Zoomkomfort ist größer. Der User bleibt länger auf der Seite. Kurzum: Ranking und Traffic steigen, die Website-Besucher fühlen sich zudem auf der Website wohler und so kommt es im Idealfall auch zu vermehrten Conversions und zu mehr Umsatz. Auch für Unternehmen mit lokalen Standorten ist die Optimierung sehr wichtig, denn fast die Hälfte aller Suchanfragen über Smartphones hat eine lokale Intention. Vertikale Ergebnisse, zum Beispiel aus Google Maps, Adressdaten und Öffnungszeiten werden dann direkt angezeigt - ein User findet die mobile Website und auch das tatsächliche Geschäft viel einfacher

kress.de: Ohne Mobile SEO und eine mobil-freundliche Website geht es also langfristig nicht.

Tobias Ihde: Ganz genau, zumal die Welt ja nun einmal immer mobiler wird. Mobile SEO als Teil der gesamten SEO- und überhaupt Online Marketing-Strategie ist unerlässlich. Schließlich schläft die Konkurrenz nicht. A propos schlafen: Wer diese Chancen und die Entwicklung der Branche verschläft, verliert mit seinem Online-Angebot ganz schnell den Anschluss. Es führt also kein Weg daran vorbei, sich den Entwicklungen der mobilen Welt zu stellen - und Mobile SEO gehört dazu.

Text + Interview: Gunther Fessen

 

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