Mustafa Isik zur neuen App des Bayerischen Rundfunks: Mit granularen Informationen die Nachrichten-Nutzung revolutionieren

 

Für den Bayerischen Rundfunk hat der Leiter der Abteilung Softwareentwicklung, Mustafa Isik, eine App entwickelt, die den digitalen Nachrichten-Markt revolutionieren könnte. Der 35-jährige Sohn türkischer Einwanderer, arbeitete mit einem durchschnittlich sechsköpfigen Team ein halbes Jahr an der Applikation, die jedem User nun erlauben soll, sein "eigener Chefredakteur" zu sein.

Für den Bayerischen Rundfunk (BR) hat der Leiter der Abteilung Softwareentwicklung, Mustafa Isik, eine App entwickelt, die den digitalen Nachrichten-Markt revolutionieren könnte. Der 35-jährige Sohn türkischer Einwanderer arbeitete mit einem durchschnittlich sechsköpfigen Team ein halbes Jahr an der Applikation. Diese soll jedem User nun erlauben, sein "eigener Chefredakteur" zu sein, wie Wolfgang Vichtl, Leiter der BR-Abteilung Web-Aktualität erklärt.

Kress.de hat mit dem Softwareentwickler Mustafa Isik, der seit zweieinhalb Jahren für den BR arbeitet, dort 70 Leute führt und vorher u.a. für das BMW-Forschungszentrum, Google und Avid, tätig war, gesprochen.

kress.de: Sie haben für den Bayerischen Rundfunk die Nachrichten-App neu erfunden, die "BR24". Was ist das Besondere daran?

Mustafa Isik: Das Erste, das wirklich besonders ist, ist, dass der BR als öffentlich-rechtlicher Sender, diese hochinnovative App selbst entwickelt hat. Am Anfang, im Winter 2014, fragte mich unser Informations-Direktor, Thomas Hinrichs, ob wir damit ein externes Unternehmen beauftragen sollen. "Nein", habe ich geantwortet, "es ist wichtig, dass wir das hier machen, mit unseren eigenen Leuten."

Der User soll nur das bekommen, was er haben möchte

kress.de: Und das zweite Besondere?

Mustafa Isik: Nachrichten-Apps gibt es ja zu Genüge. Wir wollten innovativ sein und das Ganze noch einmal völlig neu denken. Dazu gehört, dass auch die Inhalte, die es aufgrund der begrenzten Slots nicht in unsere Rundfunk- oder Fernsehsendungen schaffen, hier abgerufen werden können. Im Vordergrund unserer App steht die Personalisierung für den User. Er kann je nach seinen Interessen Themen abonnieren, die er dann in "Mein BR24" findet. Dazu gehört unbedingt, dass wir sauber verschlagworten, so dass jeder dort wirklich nur das bekommt, was er haben möchte. Darüber hinaus gibt es "Das Wichtigste" für den schnellen Überblick und natürlich die üblichen Rubriken. Und unter "Alle Nachrichten" findet der User ständig Neues.

kress.de: Kann die Technik, die Sie entwickelt haben, den digitalen Nachrichtenmarkt inhaltlich revolutionieren?

Mustafa Isik: Absolut. Denn Nachrichten auf mobilen Endgeräten werden immer wichtiger. Im Vordergrund unserer Software stehen granulare Informationen, und das wird für viele Nachrichten- Anbieter immer interessanter. Wir stellen als Softwareentwickler den Rahmen für die Inhalte. Das müssen Sie sich vorstellen wie bei einem Gemälde, nur das unser Rahmen noch schöner ist. Software-Patente sind umstritten, und wir haben das bewusst nicht patentieren lassen. Denn wir werden über Gebühren finanziert und wollen nicht eiskalt kommerzialisieren.

kress.de: Wird diese Technik nun auch bei anderen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Einzug erhalten?

Mustafa Isik: Viele Kollegen in anderen Anstalten sind begeistert, dass eine solch innovative Technik von den Öffentlich-Rechtlichen selbst kommt. Es wird nach Modi gesucht, wie sie unser Produkt ebenfalls nutzen können. Eines ist klar: Marktforschungen zeigen, wen wir mit Radio- und Fernsehberichterstattung überhaupt nicht mehr erreichen. Aber wir wollen mit unseren Informationen die Grundfeste unserer Demokratie sichern. Daher müssen wir gerade die junge Generation dort abholen, wo sie unterwegs ist. Mobile Endgeräte bekommen daher für unseren öffentlich-rechtlichen Auftrag eine viel größere Bedeutung. Aber bitte haben Sie Verständnis, dass ich noch keine Einzelheiten nennen kann, welche anderen ARD-Sender mit unserer Technik arbeiten werden.

Die moderne Berichterstattung läuft auf granulare Information hinaus

kress.de: Ist das generell die Zukunft? Werden andere - auch private Anbieter - nachziehen (müssen)?

Mustafa Isik: Ich meine, ja. Da Berichterstattung immer mehr auf granulare Informationen hinausläuft, müssen wir uns dieser Entwicklung stellen. Unser Ziel ist es, möglichst kurz und schnell zu informieren. Denn das will der Konsument. Aber natürlich müssen wir die Balance finden; es darf bei aller Kürze nicht banal werden.

kress.de: Es wird sicherlich auch Kritik geben, weil die Online-Auftritte der Öffentlich-Rechtlichen gerade von Verlagen ohnehin mit Skepsis betrachtet werden. Erarbeiten Sie sich mit Zwangsgebühren einen unlauteren Wettbewerbsvorteil gegenüber den privaten Mitbewerbern?

Mustafa Isik: Das kann sicherlich unser Informations-Direktor besser beantworten. Eines ist für mich jedoch klar: Fernsehen und Radio sind wichtige Informationsquellen, aber das Internet wird in dieser Frage immer bedeutender. Wir können doch das Internet nicht ignorieren, wenn wir unserem Informationsauftrag nachkommen wollen. Außerdem liefern wir hauptsächlich Audio- und Videoinhalte. Uns ist bewusst, dass wir nicht zu presseähnlich sein sollten.

Die Redakteure sollen an der Technik Spaß finden

kress.de: Wie lange haben Sie und Ihr Team gebraucht, um diese App zu entwickeln?

Mustafa Isik: Nach unserem Brainstorming Ende vergangenen Jahres haben wir im Januar mit der Realisierung begonnen. Wir haben ein völlig neues Content Management System aus der Taufe gehoben, bei dem uns sehr wichtig war, dass die Redakteure daran Spaß finden, dass es für alle leicht bedienbar ist, damit die App ihre wichtigste Aufgabe erfüllt, nämlich die Menschen umfassend zu informieren. Letztlich hat alles zusammen ein halbes Jahr gedauert - und das mit einem Team von durchschnittlich sechs Leuten, darunter drei Studenten.

kress.de: Was hat das gekostet?

Mustafa Isik: Das kann ich so nicht benennen. Aber wenn Sie die Zeit und die Zahl der Arbeitskräfte betrachten, wissen Sie, dass wir sehr effektiv gearbeitet haben.

kress.de: Die App ist nun online. Was steht als nächstes auf Ihrer To-Do-Liste?

Mustafa Isik: Wir arbeiten unter anderem gerade am Relaunch der Webseite von Bayern 3 und nutzen dabei die modernsten Technologien. Unser Ehrgeiz ist es, die beste Internetseite zu launchen, die ein Radiosender in Deutschland hat.

Ihre Kommentare
Kopf

Wolfgang Ferencak

23.09.2015
!

Schöner Ansatz, hier läuft endlich mal ein Medienunternehmen nicht dem nächsten "heissen" Trend (Instagram, Snapchat, Periscope...) hinterher um dann anzukommen wenn der Trend schon wieder ums Eck ist. Sondern die Kollegen vom BR haben die Bedürfnisse der Hörer genommen und ihre eigene originäre Lösung entwickelt. Ob es klappt wird die Zeit zeigen, der Weg ist auf jeden Fall der einzige sinnvolle zur Zukunftsbewältigung.


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