Zum 30. Todestag ein Text-Bild-Band vom "Welt"-Team: Über Axel Springer und sein Berlin

 

Wenn es einen Verlag gibt, der mit voller Überzeugung zwar zu den Werten seines Gründers steht, ihn immer noch verehrt als klugen Kopf, aber das Haus so entkernt, dass fast kein Stein auf dem anderem stehen bleibt, und sich Außenstehende fragen müssen, was da eigentlich so passiert mit diesem Verlag, mit welcher Wucht er sich von traditionsreichen Töchtern trennt und andere im Akkord erwirbt, dann kann hier nur die Rede von Axel Springer sein.

Wenn es einen Verlag gibt, der mit voller Überzeugung zwar zu den Werten seines Gründers steht, ihn immer noch verehrt als klugen Kopf, aber das Haus so entkernt, dass fast kein Stein auf dem anderem stehen bleibt, und sich Außenstehende fragen müssen, was da eigentlich so passiert mit diesem Verlag, mit welcher Wucht er sich von traditionsreichen Töchtern trennt und andere im Akkord erwirbt, dann kann hier nur die Rede von Axel Springer sein. Ein Buch von "Welt"-Autoren schildert die Liebe des Unternehmensgründers zu seiner Stadt.

Als Berlin alles andere als cool war, eine Stadt umgeben von Systemfeinden, entschloss sich Axel Springer, seinen Konzernsitz in die geteilte Stadt zu setzen. Die Mauer stand noch nicht, als der Verleger seine Titel schon längst aus Kreuzberg lenkte. Springer, an dessen 30. Todestag der Konzern mit einer feierlichen Buchpräsentation erinnerte, war einer der wenigen Persönlichkeiten in Deutschland, der immer wieder und mit ganzem Herz die Wiedervereinigung von BRD und DDR forderte. Dass er dafür in der deutschen Wirtschaftspresse mit Karikaturen leben musste, die getitelt waren mit "Der Brandenburger Tor", und sich mit den schmierigsten Ergüssen und Nachstellungen der Stasi beschäftigen musste, ist bekannt. Die Stasi, deren einstige Spitzel noch heute ganz offensichtlich sogar teilweise Führungsaufgaben in Journalistenverbänden übernehmen und sich auch nach der Enthüllung auf den Standpunkt versteifen, die Vorwürfe hätten nichts mit ihnen zu tun, war der größte Feind der Freiheit.

Und Axel Springer (geboren am 2. Mai 1912 in Altona/Hamburg; gestorben am 22. September 1985 in West-Berlin), der Mann mit den blanken Brüsten auf der Titelseite seiner "Bild", ihr größter Verfechter unter den Zeitungsverlegern. An diesem Dienstagabend war es Mathias Döpfner, der vor der Witwe Friede Springer und zahlreichen Gästen das Buch erst vorstellte, um dann mit einigen Autoren der einzelnen Beiträge zu diskutieren.

"Berlin ist das Herz Europas, ich kenne kein anderes: Axel Springer und seine Stadt", heißt das Werk, das in der Edition Braus erschienen ist. Zu den Autoren gehören Mitarbeiter der "Welt"-Gruppe, namentlich Stefan Aust, Henryk M. Broder, Wolfgang Büscher, Thomas Delekat, Mara Delius, Leeor Engländer, Eckhard Fuhr, Rainer Haubrich, Richard Herzinger, Matthias Kamann, Lars-Broder Keil, Sven Felix Kellerhoff, Torsten Krauel, Holger Kreitling, Hannah Lühmann, Alan Posener, Annette Prosinger, Andreas Rosenfelder, Thomas Schmid, Jacques Schuster, Dirk Schümer, Andrea Seibel, Tim Tolsdorff, Ronja Larissa von Rönne und Benjamin von Stuckrad-Barre. Redaktion: Lars-Broder Keil (Leitung), Sven Felix Kellerhoff und Chef-Archivar Rainer Laabs.

Aus der Zeit gefallen erschien bei der Buchvorstellung Benjamin von Stuckrad-Barre, dessen Bedeutung für die Transformation des Verlages zu einem diskussionsfreudigen Ort mit Sicherheit wichtig ist, der aber schon länger keine Akzente mehr setzt. Seine Erzählung, ein Spaziergang Axel Springers durch das moderne Berlin, wirkte fahrig, der rote Faden, Menschen, die mit Pappbechern durch die Stadt hechten, uninspiriert. Seltsam wirkte auf der Bühne auch ein Lob von Mathias Döpfner, der den Beitrag von Ronja Larissa von Rönne hervorhob, in dem er coram publico die Frage aufwarf, welche Pilze sie denn eingenommen habe, als sie den Text verfasst hätte. Dagegen hätten sich die Gäste der Buchvorstellung mehr Schilderungen zum Beispiel von Rainer Laabs gewünscht, dem Gedächtnis des Medienkonzerns, der den Gründer noch als junger Student in den 1970er Jahren kennenlernte.

Unter den Gästen weilten unter anderem auch Florian Langenscheidt (der seine Technikfreude damit dokumentierte, dass er den Abend teilweise auf Periscope übertrug), "Welt"-Chef Jan-Eric Peters und sein Nachfolger auf Zeit (ab Januar 2016) Stefan Aust, der eloquente PS-Freund Ulf Poschardt, "Blau"-Chefredakteur Cornelius Tittel, "Bild-am-Sonntag"-Chefin Marion Horn, die Verlegerin Christine Bechtle-Kobarg, deren Vater sehr enge geschäftliche und freundschaftliche Verbindungen zu Axel Springer pflegte, Peter Tamm, Giuseppe Vita, Catherine von Fürstenberg-Dussmann, Vorsitzende des Stiftungsrates der Peter Dussmann-Stiftung, Bernhard Servatius - von der Familie Springer kamen neben Witwe Friede Springer vor Ort Axel Sven Springer, Clarissa Springer und Nicolaus Springer. Im Journalistenclub auch gesichtet wurde Frank Mahlberg, langjähriger Geschäftsführer von "Hamburger Abendblatt" und "Berliner Morgenpost", der sich zwischendurch eindringlich mit Springer-Zeitungsvorstand Jan Bayer unterhielt.

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