Kommentar von kress-Chefredakteur Bülend Ürük: Warum ProQuote neue Ziele braucht

 

An diesem Freitag zieht der Verein ProQuote auf einer Pressekonferenz in Hamburg wieder Bilanz. Es scheint dabei das Motto "Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg" zu gelten: immer mehr Chefredakteurinnen, immer mehr Frauen in Top-Positionen, heißt es in der Abrechnung der Promi-Frauen. ProQuote ist der erfolgreichste Journalistenverband mit dem niedrigsten Aufwand. Eine Pressure Group, die ihr Geschäft versteht.

An diesem Freitag zieht der Verein ProQuote auf einer Pressekonferenz in Hamburg wieder Bilanz. Es scheint dabei das Motto "Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg" zu gelten: immer mehr Chefredakteurinnen, immer mehr Frauen in Top-Positionen, heißt es in der Abrechnung der Promi-Frauen. ProQuote ist der erfolgreichste Journalistenverband mit dem niedrigsten Aufwand. Eine Pressure Group, die ihr Geschäft versteht. Ein Kommentar von kress-Chefredakteur Bülend Ürük.

Auch wenn sie es nicht zugeben - Intendanten und Direktoren und die zugeordneten Chefredakteure haben die von ProQuote vorgegebene Agenda schon längst übernommen. Fieberhaft fahnden sie nach Frauen, die sich berechenbar in die Männerseilschaften eingliedern lassen. Auffällig ist, dass dieser Veränderungsdruck nicht in gleicher Weise bei den Print-Qualitätsmedien angekommen ist - ausgenommen bei den Männern an der Ericusspitze. Doch der unbestreitbare Erfolg des Frauen-Karriere-Netzwerkes hat auch eine dunkle Seite. Was tut ProQuote für die gut durchdachte journalistische Förderung junger Frauen, jenseits von "Brigitte"-Aufstieg-Tipps? Wie wird journalistische Kompetenz in der Breite vermittelt? Wie viele Mentorinnen gibt es, die auf einer langen Strecke junge Journalistinnen begleiten? Das ist zeitintensiv und nicht immer vom schnellen Erfolg gekrönt.

Noch werden die von ProQuote beförderten Karrieren in einer Generation gemacht, stets mit der Feminismus-light-Version der "Sichtbarkeit" von Frauen an der Spitze, die dann als Vorbild für die Frauen da unten und da draußen taugen sollen. Das ist die klassische top-down-Argumentation der Alibi-Frauen in den DAX-Vorständen. Meist mit überschaubaren Effekt, wenn man nur die zentrale Frage der nachgewiesenen Unterbezahlung von Frauen in den Blick nimmt. Besser wäre, wenn mindestens parallel auch die Förderung und Begleitung junger Journalistinnen zur selbstverständlichen Praxis der perfekt aufgestellten Quoten-Strateginnen würde.

Gleichberechtigung auf allen Ebenen, auf allen Etagen, in allen Bereichen der Medien: das wäre ein politisches Ziel. Wahrscheinlich ein mühsamer und kräftezehrender Kampf, der weniger Prestige und weniger Schlagzeilen brächte. Sonst bleibt ProQuote der Lions-Club für Journalistinnen, ein kleiner Elite-Zirkel nur mit der Aufgabe, die nächstbessere Stelle im eigenen Netzwerk zu vergeben.

ProQuote, das ist ein bisschen die Parallele zur hoch professionalisierten Marketing-Politik von Ursula von der Leyen, die Christoph Hickmann so trefflich in der "Süddeutschen Zeitung" beschrieben hat. Auch hier hat die Personality-Show stets Vorrang vor den Netto-Ergebnissen.

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