Roboterjournalismus-Technik aus Stuttgart: "Technology Review" zählt Aexea zu innovativsten Unternehmen

 

Das Magazin "Technology Review" hat die weltweit 50 innovativsten Unternehmen des Jahres gekürt. Auch deutsche Technologiefirmen schafften es in die Liste der global führenden Technologietreiber. Dabei fehlen einige der ganz großen Namen aus der deutschen Industrie.

Das Magazin "Technology Review" hat die weltweit 50 innovativsten Unternehmen des Jahres gekürt. Auch deutsche Technologiefirmen schafften es in die Liste der global führenden Technologietreiber. Mit dabei ist ein Unternehmen aus Stuttgart, dem "Technology Review" zutraut, den Roboterjournalismus einen großen Schritt weiter zu bringen. 

Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge/USA, gilt als eine der weltweit führenden Hochschulen, wenn es um Ingenieur- und Naturwissenschaften, Informatik oder Robotik geht. Seit 1865 wird hier geforscht und gelehrt. Nur gut dreißig Jahre nachdem die Hochschule ihren Betrieb aufnahm, gründete sie ein Magazin, das sich zu dem führenden Technologiemagazin weltweit entwickeln sollte: "Technology Review" erscheint nicht nur in den USA, sondern auch in China, Italien und seit 2003 in Deutschland im Heise-Verlag.

Einmal im Jahr setzen sich die Redaktionen zusammen und erstellen eine Liste der 50 innovativsten Unternehmen. "Die Frage, die wir uns stellen, ist, welche Firmen haben im vergangenen Jahr einen entscheidenden Fortschritt hervorgebracht?“, sagt Chefredakteur Robert Thielicke. Zwanzig Redakteure erarbeiten die Liste, diskutieren neue Produkte und Forschungsergebnisse.

Microsoft begeistert mit HoloLens-Brille

Auf der aktuellen Liste, erschienen in der Ausgabe 9/2015, finden sich höchst unterschiedliche Unternehmen: Amazon ist dabei, weil es in seinem Logistik-Center in Robbinsville/New Jersey weitgehend auf Lagerarbeiter verzichtet, und die Arbeit dort von 2.000 Robotern erledigt wird. In wenigen Jahren, das kann man ahnen, werden Lagerarbeiter nicht nur bei Amazon eine aussterbende Spezies sein. Auch Microsoft, in der Öffentlichkeit oft als etwas langsamer Riese verspottet, hat es in diesem Jahr auf die Liste geschafft: Neben den Cloud-Diensten, auf die der Konzern unter seinem neuen Chef Satya Nadella setzt, hat die Technikexperten vor allem die HoloLens-Brille begeistert. Anders als die zurzeit auf den Markt kommenden Virtual-Reality-Brillen, die Computer-Animationen in 3D zeigen, kann die HoloLens-Brille Computer-Projektionen in der Wirklichkeit darstellen. Die Technik hat das Zeug, die Welt, wie wir sie kennen, zu verändern.

Doch es geht bei der "Technology-Review"-Liste nicht nur um Roboter und Computer. Das US-Unternehmen Juno Therapeutics schaffte es mit einer Gentherapie gegen Krebs in die Top 50: Genetisch veränderte Lymphozyten, sogenannte T-Zellen, im Körper ein wichtiger Teil des Immunsystems, sollen Krebszellen angreifen und zerstören. Noch ist Juno Therapeutics nicht am Ziel, aber die Fortschritte auf dem Weg dahin waren es den Experten wert, die Leistung des Unternehmens zu würdigen.

Deutsche Unternehmen gut vertreten

Auch wenn die allermeisten Unternehmen auf der Liste aus den USA kommen, sind deutsche Firmen auf ihr gut vertreten: ThyssenKrupp, eine der Ikonen der deutschen Industrie, hat es mit einer neuen Aufzugtechnik geschafft. Statt an Seilen laufen die Aufzüge des Essener Konzerns auf Magnetschienen und können sich auch seitwärts bewegen.

Kuka, der führende Roboterhersteller des Landes, entwickelte einen sensiblen Roboter: Er kann ohne Schutzzaun neben Menschen eingesetzt werden und spürt, wenn sie ihm in die Quere kommen.

Das Karlsruher Startup Blue Yonder kam durch einen Algorithmus aus der Teilchenphysik auf die Liste: Mit ihm kann das Kaufverhalten von Kunden vorhergesagt werden. Händler könnten so ihren Warenbestand genauer an die Bedürfnisse ihrer Kunden anpassen. Tengelmann, dm und Otto sind schon Kunden von Blue Yonder.

Freude bei Aexea-Gründer Saim Alkan

Mit dabei ist auch ein Unternehmen aus Stuttgart, dem Technology Review zutraut, den Roboterjournalismus einen großen Schritt weiter zu bringen. Die Agentur Aexea hat eine Software entwickelt, die zur Erstellung automatisierter Texte auf Datenbanken zurückgreift (kress.de berichtete). So werden Produktbeschreibungen für Online-Shops aber auch Sportberichte erzeugt. Die können individuell auf die Interessen der Leser abgestimmt werden. Die Software kann die Ausrichtung auf die Zielgruppe unterstützen, das ist vor allem sinnvoll, wenn die Zielgruppe klein ist. So könnten für ein Sportmagazin besondere Artikel für Bayernfans oder sogar Fans von Philip Lahm ohne allzu großen Aufwand erstellt werden. Gründer Saim Alkan freut sich sehr über die besondere Auszeichnung: "Wir fühlen uns in unserer Arbeit bestätigt und freuen uns über die Anerkennung unserer Leistung. Das bestärkt uns darin, unser Produkt global anzubieten und unser Wachstum zu beschleunigen", erklärt Saim Alkan zu kress.de.

Nichts Bahnbrechendes von deutschen Autobauern 

Was auffällt: Große Namen wie Volkswagen, BMW und Mercedes fehlen auf der Liste. Ein schlechtes Zeichen für den Standort Deutschland? Immerhin ist die Automobilindustrie mit 775.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 368 Milliarden Euro nicht nur einer der wichtigsten Industriezweige Deutschlands. Auch der Export hängt vor allem am Erfolg der Automobilhersteller.

"Die deutschen Autobauer waren in den vergangenen Jahren oft auf der Liste.", sagt Thielicke. "In diesem Jahr war nichts Bahnbrechendes dabei, aber das ist nicht symptomatisch." Die deutschen Autobauer würden in den Medien oft unterschätzt: "Wenn man die Presse liest, hat man ja das Gefühl, die würden bald von Google oder Apple geschluckt, aber der Eindruck ist falsch." Gerade, wenn es um das autonome Fahren geht, seien deutsche Autobauer an der Weltspitze mit dabei.

Bei Autos mit Elektroantrieb sehe das etwas anders aus. "Hier ist Tesla vorne. Deutsche Ingenieure mögen nun einmal Verbrennungsmotoren. Aber auch bei Tesla war ein deutscher Autobauer lange mit dabei: Mercedes gehörte zu den ersten großen Investoren."

Siemens fehlt schon länger

Während die Lage bei den Autobauern also eher unbedenklich ist, hat es eines der bekanntesten und größten Technologieunternehmen des Landes schon länger nicht mehr auf die Liste geschafft: Siemens. "Siemens haben wir länger nicht mehr auf der Liste gehabt, es fehlen die großen Innovationen. Im Bereich Windenergie gelingen Siemens immer wieder die Verbesserung eines Rotorblattes oder eines Generators, aber das sind keine großen Schritte. Bei einem verbesserten Power-to-Gas-Verfahren von Siemens, bei dem elektrische Energie mittels Wasserelektrolyse genutzt wird, um Methangas zu erzeugen, haben wir diskutiert, ob wir es in die Liste aufnehmen", sagt Technology-Review-Chef Robert Thielicke. "Aber bei diesem Verfahren ist ein US-Unternehmen weiter."

Ihre Kommentare
Kopf

Kay Gottschalk

Kay Gottschalk - Webentwicklung

30.09.2015
!

Meinen größten Respekt an die deutschen Unternehmen die es in diese Liste geschafft haben. Sicherlich kann eine solche Liste immer nur ein kleines Abbild der Wirklichkeit wiederspiegeln. ;)


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